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McLaren liegt nach dem Auftakt auf Platz sechs der Konstrukteurs-WM © getty

Der missratene Saisonstart sorgt nicht nur in sportlicher Hinsicht für Alarmstimmung. Besserung ist nicht in Sicht.

Von Tobias Wiltschek

München - Neben dem sportlichen Fehlstart kommt es für McLaren derzeit auch finanziell knüppeldick für McLaren.

Erstmals seit Beginn der Kooperation mit Mercedes ist das britische Team nun nur noch Kunde und muss daher seine Motoren bei den Stuttgartern selbst zahlen.

Außerdem gab der langjährige Hauptsponsor beim Saisonstart in Melbourne seinen Ausstieg bekannt.

Ein Szenario, das stark an das Schicksal des einstigen Top-Teams Williams erinnert. Das hatte seit den späten 1970er Jahren bis Mitte des vergangenen Jahrzehnts die Formel 1 entscheidend mitgeprägt.

Doch nach dem Ausstieg von BMW vor acht Jahren verlor der Rennstall immer mehr an Bedeutung und ist heute bestenfalls noch zu den Mittelklasseteams zu zählen.

Auto bereitet Sorgen

So weit wollen es die Verantwortlichen bei McLaren selbstredend nicht kommen lassen.

"Man muss im Hier und Jetzt Leistung bringen, und als Unternehmen muss die Performance langfristig passen. Was die Ausrichtung unseres Unternehmens in Zukunft angeht, fühlen wir uns ziemlich wohl", beteuert Teamchef Martin Whitmarsh bei "Autosport".

Mehr Sorgen mache er sich über die Konkurrenzfähigkeit des neuen Fahrzeugs, räumt er ein.

Die sportliche Verfassung nach dem katastrophalen Saisonstart beim Australien-Grand-Prix lässt in der Tat nicht viel Raum für Optimismus (DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis).

"Nicht mit Ruhm bekleckert"

Das sieht auch SPORT1-Experte Hans-Joachim Stuck so: "McLaren muss man ganz klar zu den Verlierern des Auftakts zählen. Die haben sich wirklich nicht mit Ruhm bekleckert."

"Obwohl wir das Maximum aus dem Auto herausgeholt haben, sind wir nicht dort, wo wir sein wollen", sagte Jenson Button nach seinem neunten Platz an dem Ort, wo er vor Jahresfrist noch der gefeierte Sieger war.

Wie besorgniserregend die Lage beim achtmaligen Weltmeister-Team vor dem Malaysia-GP (Training, Fr., ab 6 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) ist, belegt eine andere Aussage des Briten: "Eigentlich bin ich davon überrascht, dass wir Punkte geholt haben."

Ansprüche gesunken

Die Ansprüche sind drastisch gesunken bei dem Rennstall, der zum Abschluss der vergangenen Saison noch über das schnellste Auto verfügt hatte - schneller als die beiden Top-Teams Red Bull und Ferrari.

Teamchef Whitmarsh muss sich nun fragen lassen, warum man nicht - wie die meisten Konkurrenten - das bestehende Auto im Detail verfeinert hart.

Stattdessen setzte man in Woking auf ein völlig neues Modell, das derzeit noch keiner im Team vollkommen versteht. Zu allem Überfluss war daran mit Technikchef Paddy Lowe auch noch der Ingenieur daran maßgeblich beteiligt, der mittlerweile aufs Abstellgleis geraten ist.

Lowe vor Wechsel

Schon vor Saisonstart war durchgesickert, dass Lowe ab der kommenden Saison die Fahrzeuge von Konkurrent Mercedes konstruiert.

Sein Nachfolger Tim Goss scheint derzeit mit der Aufgabe überfordert zu sein, den radikal umgebauten Chrompfeil in die Spur zu bringen.

"Wir haben viele Probleme. Das Auto ist einfach nicht schnell genug. Das ist die Realität", fällt auch der mexikanische Neuzugang Sergio Perez ein vernichterndes Urteil über sein neues Arbeitsgerät. In Melbourne kam er bei seinem McLaren-Debüt auf Platz elf ins Ziel.

Besserung ist zumindest kurzfristig nicht in Sicht, auch wenn Whitmarsh vor wenigen Tagen noch erklärte, das Auto habe enormes Entwicklungspotenzial.

Hoffen auf Wettergott

Für Sepang bleibt dem Team nur die Hoffnung auf die für Malaysia typischen Wetterkapriolen. "Es könnte uns in die Hände spielen, schließlich mag ich wechselhafte Bedingungen", betonte Button.

Auch sein Teamkollege Perez freut sich trotz der miserablen Vorzeichen auf die Rückkehr nach Sepang. Schließlich feierte er dort vor einem Jahr mit Platz zwei sein bislang bestes Formel-1-Ergebnis.