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Dietrich Mateschitz (l.) 49 Prozent der Anteile am Energy-Drink-Hersteller Red Bull GmbH © getty

Der Red-Bull-Boss ärgert sich, Horner und Marko setzen auf eine "Gesprächs-Therapie". Ein Ex-Pilot fordert Vettels Suspendierung.

Von Felix Götz

München - Ex-Champion Nigel Mansell sprach von einer "Schande", der frühere Formel-1-Pilot John Watson forderte gar eine teaminterne Sperre.

Sebastian Vettels Überholmanöver gegen seinen Teamkollegen Mark Webber entgegen der Red-Bull-Stallorder beim Malaysia-Grand-Prix schlägt noch immer hohe Wellen.

Auch innerhalb des Rennstalls gibt es derzeit kein anderes Thema.

Selbst Red-Bull-Oberboss Dietrich Mateschitz ist sauer auf Vettel.

Keine Strafe für Vettel

"Er war nicht amüsiert", sagte Helmut Marko der "Bild". (KOHL-KOLUMNE: "Das ist Vettels Charakter")

Und der "Bullen"-Motorsportchef weiter: "Die Sache ist außer Kontrolle geraten. Wir haben Seb klargemacht, dass so etwas nicht mehr vorkommen darf."

Wirklich eingreifen werden die Verantwortlichen des Weltmeister-Rennstalls allerdings nicht.

"Wir können dem Mark die Punkte nicht geben. Wir können als Team nicht zum Weltverband FIA gehen und sagen: Nehmt Vettel den Sieg wieder weg und gebt ihn Webber. Das müssen der Mark und der Seb unter sich ausmachen", stellte Marko klar.

Watson fordert Suspendierung

Für Watson - WM-Dritter 1982 - reicht das nicht. Der Nordire fordert ein deutlich härteres Durchgreifen von Red Bull.

"Wenn Christian Horner seine Autorität - die von Vettel vollständig untergraben wurde - nicht wiederherstellt, kann er im Team nicht mehr die Rolle spielen, für die er vorgesehen ist", argumentierte Watson bei der "BBC":

"Die einzige Lösung, die ich sehe, ist Vettel für den nächsten Grand Prix zu suspendieren."

Für David Coulthard war Vettels Verhalten nicht sonderlich überraschend. "Letztlich sitzt ein Tier im Auto. Die Jungs wollen gewinnen", sagte der Vizeweltmeister von 2001 bei "Servus TV".

Marko und Horner sind gefragt

Fakt ist, dass es weitere Gespräche geben wird. Die "Bullen" müssen zwischen Vettel und Webber vermitteln. Ein permanenter Streit zwischen den beiden würde im Kampf um den Titel behindern.

"Wir müssen jetzt wieder Vertrauen aufbauen zwischen den beiden. Sie haben sich am Sonntag immerhin noch die Hand gegeben", berichtete Marko.

Und Horner, der Vettel vorwirft "nur das zu hören, was er hören will", hofft inständig, dass "die beiden das mit etwas Abstand hinter sich lassen".

Vettel gesprächsbereit

Vettel signalisierte bereits seine Bereitschaft, die Geschehnisse, die sich auf dem Sepang International Circuit zugetragen haben, in einer Art "Gesprächs-Therapie" aufzuarbeiten. (227871DIASHOW: Die legendären Teamduelle)

"Es wird bestimmt noch eine Menge Gespräche geben, denen ich mich stellen werde", erklärte der Heppenheimer.

Womöglich ein guter Schritt. In seinem Teamkollegen rumort es immer noch gewaltig.

"Wir haben eine gewisse Geschichte", meinte der Australier auf sein noch nie wirklich gutes Verhältnis zu Vettel angesprochen: "Aber ich sollte jetzt lieber nichts mehr sagen."

Kritik von Webbers Vater

Unmittelbar nach dem Rennen vor den Toren Kuala Lumpurs hatte Webber bereits seinem Ärger Luft gemacht und Red Bull vorgeworfen, wie immer nichts gegen Vettel zu unternehmen.

Und auch der Vater des 36-Jährigen glaubt eine Benachteiligung seines Sohnes zu erkennen und meinte dazu:

"Red Bull ist natürlich ein europäisches Unternehmen, sie wollen vermutlich mit einem europäischen Jungen kämpfen."

Reicht die Medizin?

Ob Webber die Entschuldigung Vettels noch vor dem nächsten Rennen in China am 14. April annehmen wird, ist noch unklar.

Er verabschiedete sich erst einmal in seine Heimat zum Surfen.

"Ich werde mir in Australien ein paar Wellen schnappen, das ist eine gute Medizin", sagte Webber: "Ob es genug Medizin ist, werden wir sehen."

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