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Christian Horner (l.) ist seit 2005 bei Red Bull Racing in der Formel 1 © getty

Im Stallorder-Zoff zwischen Vettel und Webber nimmt Teamchef Horner den Champion in Schutz. Porsche flirtet mit dem Australier.

Von Jakob Gajdzik

München - Der Zoff bei Red Bull schlägt weiterhin seine Wellen.

Das Weltmeister-Team bemüht sich nach wie vor, Sebastian Vettels Verstoß gegen die Teamorder beim Großen Preis von Malaysia zu erklären.

Teamchef Christian Horner nimmt langsam Brisanz aus der Sache.

Horner behauptete, auch der Red-Bull-Stallregie-Code "Multi 21" habe zu dem umstrittenen Vettel-Manöver beigetragen.

"Multi 21 bedeutet einfach nur Auto Nummer 2 vor Auto Nummer 1. Multi 12 bedeutet Auto 1 vor Auto 2. Das ist eigentlich nicht kompliziert. Das ist nicht so schwer zu durchschauen. Aber beide unserer Fahrer haben diese Nachrichten in den letzten drei Rennen nicht verstanden", sagte er.

"Sollten was Neues ausprobieren"

Solche Missverständnisse wolle man in Zukunft vermeiden: "Vielleicht müssen wir mal den Code ändern. Wir sollten wohl etwas Neues ausprobieren", so der 39-jährige Brite.

Nicht nur der mögliche Stallorder-Code diente Horner als Begründung, der Teamchef nahm Vettel auch aufgrund seines Charakters in Schutz.

"Wir dürfen nicht vergessen, dass er erst 25 Jahre alt ist. Und wenn Sebastian einen Sieg vor Augen hat, dann ist er schwer davon abzubringen", sagte Horner über seinen Champion und zieht Vergleiche zu anderen Racern der Königsklasse:

Alonso und Hamilton hätten das gleiche gemacht

"Wenn Alonso oder Hamilton in der Situation gewesen wäre, hätten sie das gleiche gemacht. Auch von Mark haben wir schon gesehen, dass er ähnlich gehandelt hat. Wir sollten jetzt nicht so tun, als beträfe so etwas nur Sebastian."

Wenn es nach Horner geht, war dieses Verhalten zudem nur ein Ausrutscher:

"Er hat sich dafür entschieden, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen - gegen den Wunsch des Teams und auf eigenes Risiko. Er hat akzeptiert, dass es ein Fehler war. Ich denke, er hat eine wichtige Lektion gelernt."

Auch wenn sich Vettel bereits für dieses Manöver entschuldigt hat, Sätze wie diese werden bei Webber nicht gut ankommen. Der Australier hatte bereits nach dem Rennen in Sepang behauptet: "Am Ende wird Sebastian wie immer vom Team in Schutz genommen." (227871DIASHOW: Die legendären Teamduelle)

Verlierer Webber könnte wechseln

Er sollte Recht behalten. Erneut ist Webber der Verlierer der Affäre. Er fährt wohl seine letzte Saison für den österreichisch-britischen Rennstall, denn Webbers bis Saisonende datierter Vertrag soll anscheinend nicht mehr verlängert werden. (BERICHT: Webber vor dem Aus)

Seine Karriere könnte der 36-jährige Australier in einer anderen Rennklasse fortsetzen.

Laut Informationen der "Bild" hat Webber ein Angebot von Porsche vorliegen, das ihn ab 2014 engagieren will.

Rückkehr nach Le Mans möglich

Für die Stuttgarter Autobauer könnte Webber im kommenden Jahr beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans und der Langstrecken-WM an den Start gehen.

Laut "Motorsport-Total.com" soll der Red-Bull-Pilot auch alles andere als abgeneigt sein. Porsche hält sich in Bezug auf diese Personalie bedeckt.

"Ob und in welchem Umfang zusätzliche Fahrer hinzukommen, wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden. Porsche verfügt über einen Kader von zehn international erfolgreichen Werksfahrern. Diese stellen eine sehr gute Basis für die Besetzung der entsprechenden Cockpits dar", sagte Porsche-Sprecher Oliver Hilger.

Neuland wäre die Langstrecke für Webber nicht. Er stieg bereits 1998 und 1999 für Mercedes in Le Mans ins Cockpit, schied allerdings mit einem Motorschaden bzw. wegen eines schweren Unfalls vorzeitig aus.

Neuer Vettel-Partner gesucht

Sollte Webber gehen, bleibt die spannende Frage, wer nach fünf Jahren neuer Partner an Vettels Seite wird. Die Bullen schwanken offenbar zwischen einem talentierten Nachwuchsfahrer oder einem Top-Piloten.

In diesem Zusammenhang fiel zuletzt der Name Kimi Räikkönen, explizit geäußert von Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz.

"Kimi ist cool und schnell und immer ein Kandidat", sagte der Milliardär im Gespräch mit "Speedweek.com" über den Finnen.

Passt Räikkönen?

Der Lotus-Pilot feierte im vergangenen Jahr nach drei Jahren Pause sein Comeback in der Formel 1 und beendete die Saison 2012 auf dem dritten Platz in der Fahrer-Wertung.

In diesem Jahr setzte der Weltmeister von 2007 bereits im ersten Rennen ein dickes Ausrufezeichen und fuhr beim WM-Auftakt in Australien vom siebten Startplatz zum Sieg.

Ob es für Vettel ein Vor- oder Nachteil wäre den "Iceman" im Team zu haben?

Dass der schweigsame Finne sich wie Webber öffentlich über seinen Status im Team beschweren würde, ist zu bezweifeln. Dass Vettels Kumpel eine mögliche Stallorder überhaupt hinnehmen würde, allerdings auch.

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