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MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Sebastian Vettel (l.) siegte in Sepang vor seinem Teamkollegen Mark Webber © getty

Die Entscheidung ist nicht nur eine Entschuldigung an Vettel. Für einen Ex-Champion spielt sie den "Bullen"-Rivalen in die Karten.

Von Tobias Wiltschek

München - Das Duell zwischen Sebastian Vettel und Mark Webber ist der Brennpunkt vor dem Großen Preis von China (Training, Freitag ab 7 Uhr im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER).

Mit großer Spannung wird erwartet, wie sich die beiden Red-Bull-Teamkollegen nach ihrem beinharten Zweikampf beim Malaysia-GP nun in Schanghai verhalten werden.

Für zusätzlichen Zündstoff sorgt da die Ankündigung von "Bullen"-Motorsportchef Helmut Marko, beide Piloten für den langen Rest der Saison frei gegeneinander fahren zu lassen.

"Stallorder wird es bei uns keine mehr geben", sagte der Österreicher in der "Sport-Bild" und zog damit die Konsequenzen aus dem Chaos nach dem Rennen in Sepang Ende März.

Gefährliches Manöver

Dort hatte sich Vettel der Stallregie widersetzt und Webber in den letzten Runden nach einem gefährlichen Manöver überholt. Anschließend musste sich der dreimalige Weltmeister trotz seines Sieges beim kompletten Team entschuldigen.

Vor allem Chefdesigner Adrian Newey soll der Zweikampf zwischen dem Deutschen und dem Australier die Schweißperlen auf die hohe Stirn getrieben haben, weil er sich um die Haltbarkeit der Reifen gesorgt hatte.

Vettel schont die Reifen

Allerdings haben Analysen im Nachhinein ergeben, dass der Reifenabrieb bei Vettel längst nicht so groß war, wie nach dem Training am Freitag befürchtet.

So gesehen kann die Abkehr von der Stallorder durchaus als Entschuldigung am WM-Führenden verstanden werden. Der Heppenheimer schonte trotz seiner aggressiven Fahrweise die Reifen offensichtlich mehr, als es ihm Newey zugetraut hatte (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Dabei war es ausgerechnet Vettel selbst gewesen, der sich schon zu Saisonbeginn sehr skeptisch über die Gummiwalzen von Pirelli geäußert hatte: "Unser Auto ist schneller als die Reifen."

Zustimmung erhielt er sogar von Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery, der einräumte: "Sicherlich hat Red Bull in den Hochgeschwindigkeitskurven sehr viel Abtrieb, was natürlich auf die Reifen geht, besonders auf die hinteren."

Positives Signal an Webber

Abgesehen davon, dass es auch vor dem Malaysia-GP nach offizieller Sprachregelung nie eine Teamorder gegeben hatte, kann auch Webber Markos Ankündigung als positives Signal verstehen.

Schließlich braucht nun auch der 36 Jahre alte Routinier bei den "Bullen" keine Rücksicht mehr auf seinen Rivalen im eigenen Rennstall zu nehmen.

Wobei er sich schon im vergangenen Jahr nicht unbedingt als Vettels Helfer verdient gemacht hat. Im entscheidenden Rennen in Brasilien 2012 hatte der Australier seinen Teamkollegen in der ersten Kurve abgedrängt.

Reizvolles Wiedersehen

Die Abschaffung der Stallorder dürfte das Wiedersehen der beiden ziemlich besten Feinde in Schanghai noch reizvoller machen.

Seit dem Rennen in Sepang ist der Graben zwischen den Konkurrenten ohnehin viel zu tief, um noch zugeschüttet zu werden. Jede Geste und jedes Wort der beiden werden in der chinesischen Wirtschaftsmetropole auf die Goldwaage gelegt.

Ob sie sich unter diesen Umständen überhaupt noch einmal auf eine Stallorder eingelassen hätten, muss bezweifelt werden.

Horner: "Zum Wohl des Teams"

Das hatte wohl auch Teamchef Christian Horner im Sinn, als er sagte: "Natürlich wird es weiterhin Duelle geben. Aber sie sind Profis, die sich zwar anstacheln, dabei aber das Wohl des Teams im Auge behalten sollen."

Er meint, die beiden Piloten mögen sich doch wieder bewusst werden, dass sich die wahren Gegner nicht innerhalb des eigenen Rennstalls befinden, sondern Ferrari und Fernando Alonso heißen.

Villeneuve setzt auf Alonso

Nicht nur der Scuderia und dem Spanier könnte der Red-Bull-Zoff noch in die Karten spielen, meint Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve.

"Ich würde all mein Geld jetzt auf Fernando Alonso und Kimi Räikkönen wetten", sagte der Kanadier. Er denkt auch, dass Vettel nicht mehr mit Webbers Unterstützung rechnen könne, und vermutet: "Dieses Jahr könnte Ferraris Jahr werden."

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