vergrößernverkleinern
Weltmeister Vettel (l., mit Mateschitz) und seine Rivalen Webber und Alonso © getty

Vor dem Bahrain-GP spricht Firmenchef Mateschitz von Ausstieg. Marko beschwichtigt. Vettel amüsiert sich über die Rivalen.

Von Tobias Wiltschek

München - Die Stimmung bei Red Bull passt derzeit so gar nicht zum aktuellen WM-Stand (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Sebastian Vettel führt vor dem Großen Preis von Bahrain (Training, Fr., ab 9 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) die Fahrer-Wertung an, die "Bullen" stehen bei den Konstrukteuren ganz vorn.

Doch wie Sieger sehen sie im Moment wirklich nicht aus.

Wirbel um Mateschitz

In den vergangen Tagen jagte eine Negativschlagzeile die nächste. Nun wurde sogar bekannt, dass Firmenchef Dietrich Mateschitz seinen Ausstieg aus der Formel 1 angedroht haben soll.

Der Brause-Milliardär ärgert sich offenbar immer noch über das Stallorder-Desaster von Malaysia, als Vettel sich der Vorgabe seines Teams widersetzte und an Mark Webber vorbei zum Sieg raste.

Anschließend ordnete Mateschitz an, künftig auf eine Teamorder zu verzichten. Nach Medienberichten habe er angekündigt, "den ganzen Krempel hinzuschmeißen, sollten seine Söldner den neuen Marschbefehl nicht befolgen." Das schreibt "auto, motor und sport".

"Völliger Quatsch"

Harte Worte, die angeblich nicht ernst gemeint waren. "Das ist völliger Quatsch", sagte Motorsportchef und Mateschitz-Vertraute Helmut Marko. "Da ist nichts dran."

Zwar sei eine ähnliche Äußerung im Umfeld des Konzerngründers gefallen, die sei aber "absolut scherzhaft" gemeint gewesen.

Dass solche Aussagen aber überhaupt an die Öffentlichkeit gelangen konnten, dürfte den Verantwortlichen zu denken geben. Es stellt sich die Frage, ob da eventuell ein Maulwurf die Medien mit einer brisanten Meldung versorgt hat.

Generell präsentiert sich der Weltmeister-Rennstall seit dem Malaysia-GP trotz aller gegenteiligen Beteuerungen so zerstritten wie nie zuvor. Die Versuche von Teamchef Christian Horner, den Riss zu kitten, werden immer wieder torpediert.

Abendessen in Dubai

Erst am Dienstagabend traf sich Vettels Teamkollege und Intimfeind Webber mit dem größten WM-Rivalen Fernando Alonso zum Abendessen in Dubai (BERICHT: Webber diniert mit Alonso).

Anschließend twitterte der Ferrari-Pilot ein Bild, das die beiden beim Dinner zeigte, mit der Unterschrift "Abendessen mit Freunden".

Vettel reagierte darauf amüsiert "Waren sie nackt auf dem Bild?", fragte er im Scherz, und fügte an: "Wir alle müssen essen. Und alleine wäre es ja langweilig. Aber ich wäre lieber nicht dabei gewesen."

Über den genauen Anlass des Treffens schrieb der spanische Ferrari-Star nichts. Im Gegensatz zu ihm, der das jüngste Rennen in Schanghai gewonnen hatte, hatte Webber eigentlich nichts zu feiern.

Schlamperei an der Box

Erst musste er den China-GP wegen Spritmangels im Qualifying und anschließenden Getriebewechsels als Letzter in Angriff nehmen, dann kam ihm im Rennen ein Hinterreifen abhanden - und damit auch die Hoffnung auf einen einigermaßen versöhnlichen Abschluss des Rennwochenendes.

Für Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve ist dieses Missgeschick kein Zufall. "Der Teamkrieg macht Red Bull fertig. Sie zahlen den Preis für die negative Energie, die sich in den letzten Wochen entwickelt hat", erklärt der Kanadier in der "Bild". "Das macht alle müde, man arbeitet angespannter als sonst."

Vettel muss sich steigern

Auch Vettel hat nach Platz vier und dem Ärger über die zu weichen Reifen in Schanghai für den Bahrain-Grand-Prix noch viel Steigerungspotenzial. Ihm dürfte dabei zugutekommen, dass Pirelli in Sakhir die beiden härtesten Reifenmischungen einsetzt. Mit diesen Pneus gewann der Weltmeister in dieser Saison bereits in Malaysia.

Er versucht, trotz des ganzen Wirbels gelassen zu bleiben und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. "Das Potenzial des Wagens ist da, wir müssen es nur schaffen, es aus dem Fahrzeug herauszukitzeln", sagte der Heppenheimer.

Rekordsieger Alonso

Allerdings gehört auch Alonso zu den Top-Favoriten in der Wüste. Er gewann das Rennen schon drei Mal, häufiger als alle anderen Piloten. Mit einem weiteren Sieg könnte er Vettel die WM-Führung wieder abjagen, wenn sein deutscher Widersacher gleichzeitig maximal Dritter wird.

Der Spanier schießt sich kurz vor der neunten Ausgabe des Bahrain-GP noch einmal auf Vettel ein. "Gefahr ist immer dann im Verzug, wenn alles ruhig erscheint", twitterte der bekennende Samurai-Fan - und hatte damit natürlich Vettel im Sinn.

Doch so bald wird beim aktuellen Weltmeister wohl ohnehin keine Ruhe einkehren. Dafür sorgt Alonso mit seinem neuen Kumpel Webber schon selbst.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel