Die politischen Unruhen sind für Vettel Co beim Bahrain-GP nur am Rande ein Thema. Die Piloten diskutieren andere Probleme.

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Manama - Sebastian Vettel saß gelassen auf seinem Hocker.

Auch kritische Fragen brachten den Red-Bull-Piloten nicht aus der Ruhe. Formel-1-Fahrer sind Meister in der Kunst, viel zu reden, dabei aber nichts zu sagen. Und dann kam die Frage zur Lage in Bahrain - und die war und ist nicht nur Vettel, sondern allen Fahrern sichtlich unangenehm. (Gegenwind für Ecclestone)

Vettel: Bin wegen des Sports hier

"Ich konzentriere mich auf das Rennen. Jeder, der durch das Drehkreuz zum Fahrerlager geht, ist hier wegen des Sports und nicht wegen der Politik", sagte der Heppenheimer.

Nico Hülkenberg und Adrian Sutil zeigten sich ebenso unbeeindruckt. "Wir können hier nichts beeinflussen. Die FIA hat den Kalender gemacht und sagt, wir sind sicher. Und dann fahren wir", sagte Sauber-Pilot Hülkenberg.

Und Force-India-Fahrer Sutil erklärte: "Ich habe mich nur wenig damit beschäftigt. Aber von mehreren Seiten habe ich gehört, dass sich die Lage verbessert hat."

"Tag des Zorns"

Alle Piloten äußern sich so. Kein Wort der Solidarität. Dabei beginnt das Land, in dem sie ihre Runden drehen, zu brennen. (BERICHT: Granaten und Tränengas bei Protesten)

Die Demonstrationen für mehr Demokratie und Menschenrechte halten an. Der "Tag des Zorns" wurde ausgerufen, um gegen die "Unterdrückung der Menschen" in Bahrain zu protestieren. Im Laufe der Woche kam es im Land fast täglich zu Auseinandersetzungen.

Reifen im Fokus

Viel lieber diskutieren die Fahrer aber über die angeblich zu schnell abbauenden Reifen.

Über dieses Thema können sie sich richtig in Rage reden. Es geht um die richtige Strategie, die beste Anzahl der Boxen-Stopps und darum, ob ihr Job mit den neuen Einheitswalzen von Pirelli überhaupt noch etwas mit Rennfahren zu tun hat.

Kritiker sagen, die Rennen seien langweilig geworden, weil jeder Fahrer nur noch seine Reifen schonen wolle und auf echte, harte Positionskämpfe verzichtet werde.

"Unglaublich komplexes Problem"

"Die Abhängigkeit von den Reifen ist in diesem Jahr sehr extrem", sagt Vettel, der wieder den schnellsten Renner zu haben scheint, das Potenzial aber wegen der empfindlichen Reifen nicht abrufen kann.

Und Nico Rosberg meint: "Die Reifen sind eine riesige Herausforderung, das ist ein unglaublich komplexes Problem."

Sein Mercedes-Kollege Lewis Hamilton vermisst unterdessen den Thrill des Vollgas-Rausches: "Es fühlt sich so langsam an, wenn man die Reifen schont. Aber jeder tut es, jeder fährt langsam. Das ist das, worum sich im Moment alles dreht."

Trend gegen Vettel

Alle Fahrer sind sich einig: Es gewinnt nicht der Schnellste, sondern der beste "Reifenflüsterer".

Und als solche sahen Vettels Konkurrenten zuletzt einfach besser aus.

Zwar führt der Heppenheimer (52 Punkte) die WM-Wertung mit drei Zählern Vorsprung auf Kimi Räikkönen und neun Punkten auf Fernando Alonso an, doch der Trend spricht im Moment gegen den Champion.

Ihm droht in Bahrain der Verlust der WM-Führung. "Es wird ein heißer enger Tanz, und die Saison ist sehr lang", sagte Vettel - noch sei keine Tendenz erkennbar.

Extreme Temperaturen

In der Wüste von Sakhir sind die Pneus extremen Temperaturen ausgesetzt, sie könnten dadurch noch schneller abbauen.

"Ich erwarte ein hartes Rennen. Wer weiß schon, wie gut welches Auto bei diesen Bedingungen sein kann", sagte Ferrari-Star Alonso. Eines der wenigen Autos, das sich zuletzt nicht als extremer Reifenfresser erwies, ist der Lotus von Räikkönen.

Geheimfavorit Räikkönen

Der Finne ist längst zum Geheimfavoriten im Titelrennen aufgestiegen.

Kein Wunder, dass sich der "Iceman" im Reifenzoff betont cool gibt: "Es ist unmöglich, alle happy zu machen. Die Reifen sind, wie sie sind, wir müssen damit leben."

Wenn Pirelli zum ersten Europa-Rennen in Barcelona wirklich, wie spekuliert wird, neue Reifenmischungen anbietet, "jammern eben andere", sagt Räikkönen. In der Formel 1 dreht sich eben auch im Krisenherd Bahrain alles um die Reifen.

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