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Sergio Perez (l.) fuhr vor dem Wechsel zu McLaren für Sauber © imago

Das Duell zwischen Button und Perez in Bahrain hätte bei anderen Teams Folgen. Bei McLaren ist es Teil der Philosophie.

Von Tobias Wiltschek

München - Dieses Duell stellte selbst den Zweikampf von Sebastian Vettel und Mark Webber beim Malaysia-GP in den Schatten.

Man hätte sich um die Gesundheit von Red-Bull-Teamchef Christian Horner wohl große Sorgen machen müssen, wenn sich seine beiden Piloten auf der Strecke so bekriegt hätten wie Jenson Button und Sergio Perez in Bahrain.

40 Runden lang jagten sich die zwei McLaren-Fahrer erbarmungslos um den Wüstenkurs in Sakhir (DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis).

"Wir haben uns drei Mal berührt", berichtete Button wenig amüsiert über das beinharte Duell mit seinem Stallgefährten. "Er war zu aggressiv."

Nur eine Warnung

Der Kommandostand der Chrompfeile sah sich aber nur ein einziges Mal gezwungen, einzugreifen. Als Perez Button in der 30. Runde in den rechten Hinterreifen fuhr, ermahnte die Crew den Mexikaner: "Cool down" (706789DIASHOW: Die Bilder des Rennens).

"Das war eine ziemlich dumme Aktion von Sergio. Er hat sich dabei den Frontflügel beschädigt und hätte Jenson den Reifen aufschlitzen können", ärgerte sich Teamchef Martin Whitmarsh (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Doch auf eine Stallorder, wie bei Ferrari üblich oder zuletzt auch bei Red Bull und Mercedes gesehen, verzichtete McLaren - aus Tradition.

Packende Team-Duelle

"Einige der aufregendsten Momente der modernen Ära wurden durch McLaren-Teamkollegen geschaffen", erklärt Sportdirektor Sam Michael. "Ayrton Senna und Alain Prost haben sich Ende der 1980er Jahre auf der Strecke bekämpft, und Ron (Dennis, Anm. d. Red.) hat trotzdem keine Teamorder eingesetzt."

Auch danach elektrisierten McLaren-Duelle die Formel 1. Man denke nur an die knallharten Fights 2007 zwischen Fernando Alonso und Lewis Hamilton mit dem Höhepunkt in Spa. In der berüchtigten Kurve Eau Rouge drängte der Spanier seinen britischen Teamrivalen mit einer halsbrecherischen Aktion von der Strecke ab und überholte ihn.

Auch Button und Hamilton lieferten sich zahlreiche prickelndene Zweikämpfe.

McLarens Philosophie

"McLaren erlaubt beiden Fahrern, hart und fair gegeneinander zu fahren, erwartet aber im Gegenzug, dass die Fahrer dieses Vertrauen rechtfertigen und das Team nicht enttäuschen", erklärt Whitmarsh die Philosophie des Rennstalls aus Woking.

Dass Perez in Bahrain zeitweise über das Ziel hinausgeschossen ist, kann der Teamchef nachvollziehen.

"Er ist noch jung und stand etwas unter Druck. Seine Reaktion war menschlich", sagte Whitmarsh mit Blick auf den schwierigen Start des 23-Jährigen bei dessen neuen Team. "Checo", wie Perez im Team auch genannt wird, fuhr in den ersten drei Rennen der Saison nur einmal in die Punkteränge.

Perez einsichtig

Mit Platz sechs in Sakhir feierte er sein bislang bestes Ergebnis für McLaren, zeigte sich nach dem harten Duell mit seinem Teamkollegen aber einsichtig: "Es war wohl etwas zu viel. Das hätte unser beider Rennen beenden können."

Für Button reichte es nur zu Platz zehn, was zumindest indirekt an der kräftezehrenden Auseinandersetzung mit seinem Teamkollegen lag. "Ich hatte ohnehin schon Probleme mit dem starken Reifenabbau. Der Kampf mit Sergio hat es noch verschlimmert."

Die McLaren-Verantwortlichen waren nach dem Rennen bemüht, den Konflikt zwischen den beiden Piloten so schnell wie möglich zu entschärfen und beriefen noch in Sakhir einen Friedensgipfel ein.

"Eine gute Diskussion"

"Es war eine gute Diskussion, in deren Verlauf Jenson und Checo nicht nur die Vorfälle durchgesprochen haben, sondern auch im Guten auseinander gegangen sind", so Michael.

"Checo freute sich verständlicherweise über seine Leistung, musste aber eingestehen, dass er einige Male hart an der Grenze war. Jenson hat erkannt, dass er während des Rennens auf einige Vorfälle zu harsch reagiert hat."

An der Philosophie, die beiden Piloten gegeneinander fahren zu lassen, ändert diese Aussprache freilich nichts.

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