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Mercedes liegt nach vier Rennen der Saison in der Teamwertung auf Platz vier © getty

Motorsportchef Wolff will schon ab Mai für die nächste Saison arbeiten lassen. Vorher müssen viele Probleme gelöst werden.

Von Tobias Wiltschek

München - Bei den Silberpfeilen laufen die Vorbereitungen auf das kommende Jahr schon auf Hochtouren - zu Lasten der laufenden Saison.

Darauf deuten die jüngsten Äußerungen von Motorsportchef Toto Wolff hin.

"Ich möchte in der Konstrukteurs-Wertung zu den besten vier Teams gehören und auch einen Fahrer unter den besten Vier haben", sagte der Österreicher bei "Formula1.com" zu den Zielen der Silberpfeile in diesem Jahr.

Das klingt nicht besonders ehrgeizig, zumal Wolff selbst vor nicht allzu langer Zeit die Ambitionen noch recht forsch verkündet hatte. "Unser Ziel ist es, als Frontrunner wahrgenommen zu werden, auf Augenhöhe mit Ferrari, McLaren und Red Bull", hatte er Anfang April in der "Süddeutschen Zeitung" gesagt.

"Mehr als 50 Prozent für 2014"

Nun aber will er sich schon im Mai hauptsächlich auf die nächste Saison konzentrieren.

"Wir arbeiten schon im Hinblick auf 2014 und werden den Anteil der daran beteiligten Leute stufenweise erhöhen", erklärte Wolff. "Ich gehe davon aus, dass wir im Mai den Punkt erreicht haben, ab dem mehr als 50 Prozent am Auto für 2014 arbeiten."

Das wäre deutlich früher als die Konkurrenz. Die verlegt den Großteil ihrer Ressourcen laut Informationen von "Motorsport-Total.com" erst in den Sommermonaten auf 2014.

Basis für langfristigen Erfolg

Wolff aber will so früh wie möglich die Basis für den langfristigen Erfolg legen. Das betonte er bereits nach dem Rennwochenende in Bahrain: "Es geht um eine nachhaltige Entwicklung über die gesamte Saison hinaus. Das war über all die Jahre das Problem des Teams. Da müssen wir die Finger reinlegen."

In diesem Zusammenhang plant Wolff auch, trotz der angepeilten Verpflichtung von Star-Ingenieur Paddy Lowe weiter mit Teamchef Ross Brawn zusammenzuarbeiten. "Ross ist Teamchef, und das will ich nicht ändern", sagte der 41-jährige.

Wolff fordert Stabilität

"Wir müssen Stabilität ins Team bringen, denn wir stehen vor einem Berg von Arbeit. Es ist wichtig, so viele gute Leute wie möglich zu haben."

Dass den Silberpfeilen noch viel Arbeit bevorsteht, zeigte das Rennen im Wüsten-Emirat deutlich (DATENCENTER: Renn-Ergebnis).

Dort trieb den Mercedes-Verantwortlichen nicht nur die Hitze die Schweißperlen auf die Stirn, sondern auch die großen Probleme am Auto von Nico Rosberg.

Rosbergs Eiertanz

Von der Pole-Position hoffnungsvoll gestartet, rutschte er anschließend wie auf rohen Eiern um den Wüstenkurs in Sakhir. Der beanspruchte die Reifen des F1 W04 weitaus mehr, als sich das die Bosse der Silberpfeile vorgestellt hatten.

"Ehrlich gesagt, hätten wir solche Schwierigkeiten nicht erwartet", musste Brawn nach Rosbergs Eiertanz bei "Autosport" einräumen.

Dabei hatte er selbst noch vor dem vierten Grand Prix des Jahres von einem Schlüsselrennen für Mercedes gesprochen. In Bahrain wollten sie demonstrieren, dass sie sich in Sachen Traktion und Beanspruchung der Hinterreifen im Vergleich zu den letzten Jahren verbessert haben.

Alarm statt Ermutigung

"Wir wussten schon im Vorfeld, dass es ein sehr ermutigendes Signal wäre, wenn wir das hier im Griff hätten", hoffte Brawn vergeblich. Statt für Ermutigung sorgten die silbernen Reifenfresser für Alarmstimmung.

Zu Beginn des Rennens hatte Lewis Hamilton große Probleme auf dem tückischen Stop-and-Go-Kurs, dann bauten die Hinterreifen bei Rosberg so stark ab, dass es am Ende nur noch zu Platz neun reichte.

"Am Samstag habe ich noch gesagt, dass die Saison für mich erst jetzt richtig beginnt. Und jetzt dieser erneute Tiefschlag. Das ist bitter", sagte Rosberg nach dem Rennen frustriert.

Lauda eilt nach Brackley

Um sich aus erster Hand über die Ursachen zu informieren, eilte Aufsichtsratschef Niki Lauda am Dienstag gleich selbst zum Hauptsitz des Teams ins britische Brackley.

Ob er dort erhellende Antworten bekommen hat, muss jedoch bezweifelt werden.

Denn bei Mercedes verfestigt sich offenbar der Eindruck, dass der Mix aus Hitze und engen Kurven für die Silberpfeile das reinste Gift ist und man dagegen auf die Schnelle nur wenig tun kann.

"Es ist gut, dass wir jetzt eines der schwersten Rennen des Jahres im Hinblick auf die Hitze hinter uns haben", atmete Hamilton auf. Der Brite profitierte allerdings schon gegen Ende des Bahrain-GP von den leicht wechselnden Bedingungen.

Hoffnung auf kühleres Wetter

"Als die Temperaturen fielen, wurde mein Auto schneller, und ich fand den nötigen Grip, um anzugreifen und den Abstand zu verringern", sagte der fünftplatzierte Hamilton.

Dem Weltmeister von 2008 macht diese Tatsache auch für die anstehenden Rennen in Europa Hoffnung.

"In den ersten vier Rennen haben wir viele Informationen erhalten. Sie zeigen, dass wir im kühleren Europa gute Chancen haben könnten", glaubt der 28-Jährige.

Während Hamilton sich ab dem 12. März in Barcelona wieder auf der Strecke mit den Konkurrenten misst, arbeitet der Großteil des Team-Personals aber schon an der Entwicklung für 2014.

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