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Mercedes liegt nach fünf Rennen schon 39 Punkte hinter dem drittplatzierten Team Lotus © imago

Auch in Barcelona erlebt Mercedes ein frustrierendes Rennen. Zetsche bringt kein Glück. Hinter den Kulissen kracht es.

Von Jakob Gajdzik

München - Am Renntag folgte wieder einmal der Kater.

Keimte nach dem erfolgreichen Qualifying und der ersten Startreihe beim Großen Preis von Spanien noch Hoffnung auf ein erfolgreiches Rennen auf, war nach dem Grand Prix die Ernüchterung umso größer.

"Das ist frustrierend für die Fahrer und für uns alle", fasste Motorsportchef Toto Wolff bei "Sky" die Stimmung im Lager der Silberpfeile zusammen und ergänzte: "Das bereitet uns fast körperliche Schmerzen."

Von den ersten beiden Plätzen gestartet, verloren die Mercedes-Fahrer Nico Rosberg und Lewis Hamilton im Rennen insgesamt 15 Positionen (DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis).

Hamilton mit leeren Händen

Rosberg holte auf Rang sechs zumindest noch acht WM-Punkte, während der britische Kollege am Ende auf Rang zwölf landete und mit leeren Händen dastand.

"Das Rennen heute zeigte die gleiche Tendenz wie in den letzten Jahren", sagte Wolff nach dem Ergebnis in Barcelona. Bei Mercedes heißt das: abwärts ( 717688 DIASHOW: Bilder des Rennens ).

"Das ist ein Grundsatzproblem, das wir lösen müssen", so Wolff.

Trotz zuletzt drei Pole-Positions in Serie, schafften die Silberpfeile nicht einmal den Sprung aufs Treppchen (DATENCENTER: Die Fahrerwertung). Und das vor den Augen von Mercedes-Vorstandschef Dieter Zetsche, der eigentlich als Glücksbringer fungieren wollte.

Das Problem mit den Reifen

"Wir haben ein schnelles Auto, aber es beansprucht die Reifen zu stark", brachte Wolff das größte Mercedes-Problem auf den Punkt.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Niki Lauda redete sich bei diesem Thema in Rage und ließ kein gutes Haar an Pirelli.

"An jedem Rennwochenende erleben wir immer wieder neue Überraschungen. Das finde ich grundsätzlich falsch. Man sollte den Sport so machen, dass man grundsätzlich Reifen vorfindet, dass alle Rennfahrer damit volle Pulle Rennen fahren können", regte sich Lauda auf.

"Ich als Ex-Fahrer sage: Das ist der größte Witz, du kannst nicht mehr Rennen fahren. So schnell fahren, wie du willst und überholen: Das ist Formel 1. Ich ärgere mich maßlos über dieses Spiel der Reifen in der Formel 1, was irgendwann absurd wird", ließ der Österreicher mächtig Dampf ab.

Die falsche Abstimmung?

Doch das Problem mit den Reifen scheint nicht unlösbar. Mercedes baut derzeit wohl zu stark auf das Qualifying und vernachlässigt gleichzeitig die Performance im Rennen. Das Set-up, das zwischen Qualifying und Rennen nicht mehr geändert werden darf, lässt über die lange Distanz die Hinterreifen zu schnell abbauen.

Um dies zu ändern, müsste man die hinteren Dämpfer weicher einstellen, damit der hintere Pneu weniger arbeiten muss und länger hält. Lauda hält das aber nicht für die Lösung. "Was willst du mit dem Auto machen? Am Samstag langsamer machen und hoffen, dass es am Sonntag schneller ist?", fragt er bei "RTL".

Außerden habe Mercedes die Autos schon mehr in Richtung Rennen abgestimmt, versicherte er. Doch das "Zetsche-Set-up", wie die Abstimmung der Silberpfeile laut "Spiegel Online" von der Konkurrenz schon verhöhnt wird, bleibt das große Sorgenkind.

In Spanien fehlte es auch an Tempo und Balance.

"Total verloren"

"Ich war heute total verloren", sagte ein völlig konsternierter Hamilton. "Das ist eine Erfahrung, die ich nicht noch einmal machen will." Sein Tiefpunkt folgte in der 28. Runde. "Ich wurde gerade von einem Williams überholt", gab der Weltmeister von 2008 per Funk an sein Team weiter.

Als er aus der Box den Befehl bekam, die Reifen mehr zu schonen, kommentierte er beinahe hämisch: "Ich kann nicht noch langsamer fahren."

Für Rosberg war es nach dem Großen Preis von Bahrain der zweiten frustrierende Grand Prix in Folge. "Wir haben die Leistung aus Bahrain fast getoppt", sagte er nach seiner Zieleinfahrt. Im Wüstenstaat startete er ebenfalls von der Pole-Position und rutschte auf Platz neun fast aus den Punkten.

Enttäuschung bei Rosberg

Mit Platz sechs holte er in Barcelona mit dem schwächelnden Boliden "gute Punkte", konnte aber insgesamt seine Enttäuschung nicht verbergen.

"Das ist kein schönes Gefühl. Das gesamte Rennen war so seltsam", sagte der Blondschopf. "Ich musste so langsam fahren und bin so weit weg von dem, was mein Auto kann."

"Wir haben jetzt zwei Wochen Zeit, mit Vollgas daran zu arbeiten", sagte Wolff mit Blick auf den kommenden Grand Prix in Monte Carlo. Bis dahin muss der Österreicher womöglich aber noch einen ganz anderen Brandherd löschen.

Machtkampf hinter den Kulissen

Wie "Spiegel Online" berichtet, arbeitet die Führungsriege der Silbernen in einigen Bereichen gegeneinander statt miteinander. Demnach votierte der Mercedes-Vertreter in Barcelona bei der Abstimmung mit anderen Teams gegen die Einführung zusätzlicher Testtage - auf Anweisung von Teamchef Ross Brawn und gegen den Wunsch von Lauda.

Das Votum ging mit 6:5-Stimmen für die Gegner der zusätzlichen Tests aus. Erst nach einem Machtwort von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone fand die Abstimmung noch einmal statt, bei der sich nun auch der Mercedes-Mann für mehr Testtage aussprach.

Bei den Silberpfeilen hieß es, es habe sich um ein Missverständnis gehandelt.

Dieser Fall zeigt, dass Mercedes nicht nur auf der Strecke derzeit vor großen Herausforderung steht, sondern auch abseits davon.

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