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Lewis Hamilton wechselte vor der Saison von McLaren zu Mercedes © getty

Mercedes fühlt sich durch das Young-Driver-Testverbot benachteiligt. Brawn nennt die Reaktionen der Konkurrenz unaufrichtig.

Von Jakob Gajdzik

München - Was musste sich Mercedes nach dem Urteil der FIA in der "Testgate"-Affäre nicht alles anhören.

Aus dem Red-Bull-Lager war von "Frechheit" die Rede, Ferrari verglich die Sanktion mit einem Dinner-Verbot am Saisonende.

Mercedes bewertet die Strafe etwas anders.

"Ein ziemlich wichtiger Test"

"Das stinkt etwas, weil es ein ziemlich wichtiger Test für das Jahr ist - und der einzig wirkliche Test", sagte Fahrer Lewis Hamilton zu "Autosport".

Der Brite hielt sich bisher mit Kommentaren zu dem Urteil zurück, jetzt platzte ihm allerdings der Kragen.

"Wir hatten eine Menge geplant. Das waren Upgrades und andere Dinge. Wir haben gehofft, dass wir die an diesen drei Tagen testen können", sagte der 28-Jährige frustriert.

"Wirft uns ein bisschen zurück"

Seine Schlussfolgerung fällt somit ernüchternd aus: "Es wirft uns definitiv ein bisschen zurück. Wir werden aber versuchen einen Weg zu finden, es anderswo zurückzubekommen."

Die vorhergehenden Äußerungen der Konkurrenz aus Österreich und Italien sind dem Silber-Team ebenfalls ein Dorn im Auge.

"Es ist bedauerlich, dass einige Teams meinen, die Strafe sei nicht signifikant", sagte Mercedes-Teamchef Ross Brawn zu dem Urteil und betonte:"Die Strafe ist ziemlich heftig."

Während die anderen Teams vom 17. - 19. Juli in Silverstone ihre Boliden mit Nachwuchsfahrern testen können, bleibt Mercedes in dieser Zeit nur der Simulator.

Brawn schimpft über Konkurrenz

"Den Test herabzustufen und so darzustellen, als wäre er nicht wichtig, ist nicht korrekt und nur ein Versuch von den betreffenden Teams, die Tatsachen zu verdrehen. Es ist unaufrichtig, den Young-Driver-Test mit einem Team-Dinner zum Ende des Jahres zu vergleichen", schimpfte der Brite besonders über die Worte aus dem Ferrari-Lager.

Dass Mercedes in seiner Entwicklung empfindlich gestört wird, sieht er ähnlich wie Hamilton.

"Wir hatten ein ziemlich umfangreiches, technisches Programm geplant. Ich denke, wir haben einen handfesten Verlust", sagte der 58-Jährige.

Damit so etwas nicht mehr vorkommt, nimmt Brawn erneut die FIA in die Verantwortung:

Forderung an die FIA

"Die FIA beschäftigt sich jetzt mit dem gesamten Thema und nicht nur mit diesem speziellen Problem. Das Testen an sich ist in den vergangenen Jahren etwas entgleist. Jetzt muss es wieder zurück auf Kurs gebracht werden. Zum Wohle aller brauchen wir eine klare Vorstellung davon."

Neben dem Nachbeben des FIA-Urteils muss Mercedes die Konzentration auf das Sportliche lenken.

Der Große Preis von Großbritannien (Freies Training, Freitag, ab 11 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) ist einer von zwei Heimrennen für Mercedes. Danach steht der Deutschland-GP auf dem Nürburgring an.

Heimrennen für Hamilton

Besonders der Engländer Hamilton setzt sich bei "seinem" Rennen auf der Insel unter Druck.

"Einfach deshalb, weil es mein Heimrennen ist. Es ist das Rennen, von dem du träumst, es zu gewinnen", sagte er.

Auch wenn der Weltmeister von 2008 in der WM-Wertung mit 77 Punkten teamintern noch vor Kollege Nico Rosberg steht (57 Punkte), hat ihm der Deutsche aktuell den Rang abgelaufen.

Nach den Pole-Positions in Bahrain, Spanien und Monaco krönte Rosberg diesen Trend mit dem Sieg in Monte Carlo. Hamilton dagegen wartet nach seinem Wechsel von McLaren noch auf den ersten Sieg im neuen Boliden.

"Ich muss noch viele Dinge aussortieren, auch bei mir selbst. Ich bin noch nicht auf den Punkt da", sagte er selbstkritisch, sieht aber in dem Konkurrenzkampf auch etwas Gutes.

Rosberg als Ansporn

"Wenn man der Beste sein will, muss es jemanden geben, der einen bis ans Limit bringt. Nico gehört zu den Fahrern, die dazu in der Lage sind", so Hamilton.

Deswegen betonte der 28-Jährige, dass er sich "momentan nirgendwo anders sieht" und fand auch schnell seinen Kampfgeist wieder: "Ich würde es mit jedem Fahrer aufnehmen. Jederzeit, überall, in jedem Team. Egal wer es wäre, ich würde mir keine Sorgen machen."

Am liebsten will er seine Siegerqualitäten bereits in Silverstone unter Beweis stellen.

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