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Ausgebremst: Mangels Geld und Entwicklung liegt McLaren-Pilot Jenson Button nur auf Platz 9 im WM-Klassement © getty

Schulden in gigantischer Höhe belasten die Hälfte der Teams. Marc Surer erklärt bei SPORT1 den Teufelskreis und Gegenmaßnahmen.

Von Christoph Lother

München - 500 Millionen Dollar. Das sind umgerechnet knapp 380 Millionen Euro.

Ein Schuldenberg dieser gigantischen Höhe soll nach Informationen der "Welt" derzeit auf dem traditionsreichen McLaren-Team lasten.

Und mit seinen Geldsorgen ist McLaren in der Formel 1 nicht allein. Bei Sauber sollen die Verbindlichkeiten rund 80 Millionen Euro betragen, bei Lotus sind es sogar 120 Millionen.

Etwa die Hälfte der aktuell zwölf Teams in der Königsklasse des Motorsports soll verschuldet sein. Tendenz steigend.

Nicht die erste Krise

"Die Formel 1 hat schon deutlich schlimmere Krisen überwunden. Es wird immer irgendwie weitergehen", versucht Ex-Pilot Marc Surer im Gespräch mit SPORT1 den Ball flach zu halten.

Die äußerlich von Glanz und Gloria geprägte PS-Szene sei auch in ihrem Inneren "keine Ansammlung von Bettlern. Ihre Protagonisten leben immer noch gut", hält Surer fest.

Schönreden will er die derzeitige Lage aber nicht. "Es ist sehr ungesund, was da aktuell abläuft", sagt Surer. Das Image der Formel 1 leide gewaltig.

Entwicklungskosten explodieren

Doch wie konnte es bei geschätzten 1,5 Milliarden Euro, die die Rennserie über ihren Vermarkter Bernie Ecclestone pro Jahr einnimmt, überhaupt zu derartigen Verschuldungen kommen?

"Es ist ein Teufelskreis", betont Surer und führt aus: "Auf der einen Seite müssen die Teams ihre Autos weiterentwickeln, um konkurrenzfähig zu bleiben. Auf der anderen Seite verschlingt diese Entwicklung Unsummen an Geld."

"Wer bei dieser Entwicklung nicht mitgehen kann, kassiert am Ende auch kein Preisgeld mehr", erklärt Surer und resümiert: "Hat ein mittelklassiges Team wie beispielsweise Williams dann mal eine schwächere Saison, gerät es sofort in Schwierigkeiten."

Ungerechter Verteilerschlüssel

Schwierigkeiten, die sich die Formel 1 zu großen Teilen selbst zuzuschreiben hat.

So sollen von den Gesamteinnahmen der Königsklasse von vornherein 50 Prozent in die Kassen der Branchenführer Ferrari, Mercedes und Red Bull fließen.

Die übrigen 50 Prozent müssen die verbleibenden neun Rennställe unter sich aufteilen.

Ein gerechter Verteilerschlüssel würde kleineren Teams wie Caterham oder Marussia sicherlich helfen. Teams, die aufgrund letztlich nicht eingehaltener Versprechungen der FIA überhaupt erst in die Formel 1 gekommen seien, wie Ex-Pilot Surer bemängelt.

Surer beklagt leere Versprechungen der FIA

"Man muss der FIA den Vorwurf machen, dass sie Dinge nicht umgesetzt hat, auf die sich einzelne Rennställe verlassen haben", sagt der Schweizer:

"Die ursprüngliche Idee, Mitarbeiter und Ressourcen zu begrenzen, wurde nicht durchgesetzt."

Dass sich größere Teams wie Red Bull oder Ferrari durch beispielsweise eine Budgetobergrenze nicht freiwillig beschränken lassen wollen, sei nicht verwunderlich.

Doch gerade deshalb "muss es jemand in die Hand nehmen, der über diesen Teams steht", betont Surer.

Turbo-Motor sorgt für zusätzliche Kosten

So wie die FIA aktuell verfahre, sei es jedenfalls nicht richtig.

"Ferrari darf nicht mal auf der eigenen Strecke testen", klagt Surer und fügt hinzu: "Wenn es eine Budgetobergrenze gäbe, könnte jedes Team seine Entwicklung nach eigenen Vorstellungen vorantreiben."

Stattdessen bekommen die Rennställe in der Königsklasse ab 2014 auch noch einen neuen Turbo-Motor vorgesetzt, der die Entwicklungskosten erheblich steigern dürfte.

Surer nimmt Motorenhersteller in die Pflicht

"Es wäre tragisch, wenn die Entwicklungskosten hierfür einzig und allein auf die Teams abgewälzt würden", sagt Surer und begründet: "Wenn ein Hersteller Formel-1-Motoren baut, müsste er meiner Meinung nach auch die Entwicklungskosten dafür tragen."

So aber wären die weniger starken Teams von vornherein wieder in ihrem Teufelskreis gefangen: Können sie die Entwicklungskosten nicht stemmen, fahren sie hinterher und bekommen auch keine Preisgelder mehr.

"Preisgelder, von denen man bei entsprechenden Ergebnissen durchaus eine gesamte Saison finanzieren könnte", wie Surer meint.

Sponsorensuche wird zum Leidthema

Statt auf sportlich erkämpfte Zuschüsse verlassen sich aktuell sechs von zwölf Teams lieber auf solvente Einzelpersonen, fünf weitere auf die Unterstützung von Großsponsoren. Einzig Ferrari finanziert sich selbst.

Ein Zustand, der nach Surers Meinung nicht mehr lange tragbar ist. "Früher war es etwas Besonderes, in der Formel 1 Sponsor zu sein", berichtet er: "Da haben sich die Firmen drum gerissen."

Verfolgt man die zuletzt vergeblichen Hilferufe von Lotus oder Sauber, kann davon aktuell keine Rede sein.

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