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Fernando Alonso (l.) wurde 2005 und 2006 Weltmeister © imago

Monza könnte zum Knackpunkt des WM-Kampfes werden. Der erste Rivale wirft angesichts von Vettels Dominanz die Flinte ins Korn.

Von Tobias Wiltschek

München - Für Lotus hatte das magere Resultat beim Belgien-GP Ende August zumindest einen Vorteil.

Nach dem Ausfall von Kimi Räikkönen und Platz acht für Romain Grosjean kann sich das Team aus Enstone nun fast ausschließlich auf die Entwicklung des Autos für 2014 konzentrieren.

Denn sowohl in der Fahrer-WM als auch bei den Konstrukteuren haben die Schwarz-Goldenen vor dem Großen Preis von Italien am kommenden Wochenende (Training Fr., ab 9.55 Uhr im LIVE-TICKER und LIVE im TV auf SPORT1) so gut wie keine Titelchancen mehr.

Schon ab dem übernächsten Rennen in Singapur sollen deshalb keine umfassenden Updates mehr an den aktuellen E21 geschraubt werden.

Lotus konzentriert sich auf 2014

"Wir werden es bei neuen Flügeln belassen, aber uns nicht mehr mit dem Radstand und dergleichen befassen", sagte Teambesitzer Gerard Lopez bei "Autosport".

Die Entwicklung bei Lotus wird dann also hauptsächlich auf die kommende Saison hin ausgerichtet.

So eingleisig wird bei den anderen Top-Teams noch nicht geplant. Sowohl bei Ferrari als auch bei Mercedes rechnet man sich noch immer Chancen aus, Red Bull vom Thron zu stoßen.

"Wir werden nicht aufgeben, bis die Mathematik sagt, dass wir nicht gewinnen können", macht Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali sich und seiner Scuderia bei "formula1.com" Mut.

Knackpunkt Monza

Alles andere wäre vor dem Heim-Grand-Prix in Monza den eigenen Fans nicht zu vermitteln, auch wenn Fernando Alonso schon 46 Punkte hinter WM-Spitzenreiter Sebastian Vettel zurückliegt (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Doch sollte der Spanier der Scuderia tatsächlich den ersten Heimsieg seit 2010 schenken und damit das WM-Rennen wieder offener gestalten können, hätte Ferrari auch ein Problem.

Dann müsste man weiterhin den Fokus auf den aktuellen Renner legen und die Entwicklung des Autos für die kommende Saison erst einmal nebenher laufen lassen.

Domenicali ist dieser schwierige Spagat bewusst: "Alle Top-Teams wissen: Wenn sie 2014 ein Konkurrent sein wollen, dann müssen sie schon sehr bald ihre Ressourcen umstellen."

Ende September solle eigentlich jeder Rennstall den Fokus auf das nächste Jahr legen, weiß der Italiener. "Doch es kommt darauf an, wie sich die Situation in der Meisterschaft darstellt."

Fahrplan bestimmt die Konkurrenz

Genau das ist auch das Dilemma bei Mercedes. Aufsichtsratschef Niki Lauda antwortete schon vor dem Belgien-Grand-Prix in Spa auf die Frage nach dem "Entwicklungsfahrplan" der Silberpfeile: "Diesen Zeitplan bestimmen nicht wir, sondern die Konkurrenz."

Mit 77 Punkten Rückstand auf Red Bull liegt Mercedes nach furioser Aufholjagd vor dem zwölften von 19 Rennen auf Platz zwei der Team-Wertung und ist damit zumindest noch theoretisch im WM-Rennen (DATENCENTER: WM-Stand Teams).

"Wäre ich vor Monaten auf Titelchancen angesprochen worden, hätte ich mich gewundert. Jetzt wundert mich das zumindest nicht mehr", wird Motorsportdirektor Toto Wolff in "Motorsport aktuell" zitiert.

Und solange sich Mercedes noch Hoffnungen auf den Titel machen kann, wird die schon vor der Sommerpause forcierte Umstellung auf 2014 einstweilen wieder auf Eis gelegt.

Neue Ära ab 2014

Sollte aber in Monza kein Sieg herausspringen und der Rückstand auf Red Bull größer werden, werden sich die Ingenieure in Brackley und Stuttgar wohl endgültig auf die nächste Generation der Silberpfeile fokussieren.

Denn 2014 beginnt die Ära der neuen Turbo-Motoren in der Formel 1, und das Mercedes-Aggregat gilt schon jetzt als bester V6-Motor. Spätestens in der nächsten Saison könnte der Traum vom Titel für Mercedes also wahr werden.

Das verhindern will selbstredend Red Bull - und feilt seinerseits schon am RB10 für Vettel und seinen neuen Kollegen Daniel Ricciardo.

"Gewaltige technische Änderungen"

"Mit diesen gewaltigen technischen Änderungen ist es für ein Team wie uns eine schwierige Situation", erklärte "Bullen"-Motorsportchef Helmut Marko bei "Servus TV" mit Blick auf den nahenden Beginn der Turbo-Ära: "Aber unser Plan sieht vor, dass wir bis zum Gewinn der Weltmeisterschaft absolut voll weiterentwickeln und parallel dazu natürlich das neue Auto."

Noch aber ist Red Bull nicht Weltmeister 2013.

Und solange das so bleibt, muss nicht nur das dominante Team der vergangenen Jahre den schwierigen Spagat zwischen Gegenwart und Zukunft meistern.

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