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Fernando Alonso wurde 2005 und 2006 Weltmeister © getty

Um Vettel vom Titelgewinn abzuhalten, muss Ferrari auch in der Quali zulegen. Domenicali will neue "Ausbaustufen zünden".

Von Jan Reinold

München - An den 12. September 2010 denkt Stefano Domenicali verständlicherweise gerne zurück. Denn jener Tag, findet der Ferrari-Teamchef, "war perfekt".

Drei Jahre ist es inzwischen her, dass Fernando Alonso der stolzen Scuderia den letzten Heimsieg beim Grand Prix von Italien in Monza bescherte, Felipe Massa krönte das erfolgreiche Heimspiel damals mit seinem dritten Platz.

Von solchen Erfolgen im "Vollgas-Tempel" ("Auto, Motor, Sport") im Königlichen Park von Monza ist Ferrari in diesem Jahr aber weit entfernt - so weit, dass Sebastian Vettel am Wochenende (Training Fr., ab 9.55 Uhr im LIVE-TICKER und LIVE im TV auf SPORT1) ausgerechnet in Ferrari-Land die Vorentscheidung in der Fahrer-WM herbeiführen könnte.

Nächste Ausbaustufen zünden

46 Punkte liegt Alonso hinter dem Red-Bull-Piloten zurück, siegt Vettel in Monza, dürfte das Rennen um die Fahrerkrone wohl gelaufen sein (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Man befinde sich nun in der "entscheidenden Phase der WM", weiß auch Domenicali. Und deshalb werde man beim Heimrennen sowie beim nächsten Grand Prix in Singapur (22. September) am F138 "jeweils weitere Ausbaustufen zünden".

Das ist auch dringend nötig. Zwar holte sich Ferrari mit Alonsos zweitem Platz in Spa - trotz Vettels Sieg - etwas von dem vor der Sommerpause verloren gegangenem Selbstvertrauen zurück.

Doch geblieben ist trotz unübersehbarer Fortschritte in der Sommerpause die Schwäche der Roten aus Maranello im Qualifying.

Ferrari, die Sonntagsfahrer

Alonso konnte in dieser Saison nie besser als von Platz 3 ins Rennen starten, die letzten sieben Male war er samstags sogar nie besser als Platz 5. Die letzte Pole fuhr der ehemalige Doppel-Weltmeister beim Deutschland-GP 2012 in Hockenheim ein.

Bei sieben seiner der bisherigen elf Rennen konnte er sich sonntags nach vorne arbeiten, zuletzt in Spa sogar von Startplatz 9 auf den zweiten Rang; Vergleichbares war ihm auch schon in Silverstone und auf dem Nürburgring gelungen.

Ähnlich ist das Bild bei Felipe Massa, der im teaminternen Duell mit dem Spanier allerdings deutlich abfällt und angeblich in der neuen Saison durch Kimi Räikkönen ersetzt werden soll (Bericht).

Die Zahlen zeigen, dass die Scuderia im Rennen durchaus den Speed hat, um vorne mitzufahren. Warum also nicht im Qualifying? (DATENCENTER: WM-Stand Teams)

Alles eine Frage des Tanks?

"Es gibt Autos, die mit vollen Tanks sofort optimal funktionieren. Und man sieht immer, dass Alonso sofort nach dem Start in die Gänge kommt und im Rennen immer wieder Boden gutmacht", sagte Formel-1-Experte Marc Surer zu "formel1.de".

Wenn der F138 aber leer sei, hole er nicht das Maximum aus den Reifen heraus - auf eine Runde ein klarer Nachteil.

"Das Auto fordert die Reifen nicht genug, sodass sie nicht auf die Temperatur kommen, die es braucht, um in der Qualifikation vorne zu stehen", erklärt Surer: "Das ist für mich die Erklärung, warum Alonso im Training immer ein bisschen schlechter aussieht, als das Auto eigentlich ist."

Alonso gibt sich kämpferisch

Die entscheidende Frage wird sein, inwieweit Ferrari schon für das letzte Rennen in Europa Abhilfe schaffen kann. Nach Monza geht es nach Übersee, und die Strecken in Singapur, Suzuka, Korea und Indien sollten Vettels Red Bull liegen.

Zumindest gewann er in der Vorsaison diese vier Rennen in Serie und sorgte somit für die Wende im WM-Kampf.

Alonso betont fast Mantra-artig, dass ihm die bitteren Erfahrungen der Vorsaison, als er 41 Punkte Vorsprung einbüßte, nun Mut machen. Man habe ja am eigenen Leib erfahren, wie schnell sich die Dinge ändern können.

"Die Meisterschaft", sagt er deshalb immer wieder, "ist noch offen".

Cockpit-Besetzung noch offen

Ob der Spanier das wirklich ernst meint, oder ob es nur Durchhalteparolen vor dem Heimrennen sind, lässt sich schwer sagen. Sollte die Wende in Monza ausbleiben, wird sich Ferrari wohl - wie zuvor schon Lotus - auf die neue Saison konzentrieren (Bericht).

Monza könnte also für Klarheit sorgen, auch in einem weiteren Punkt. Traditionell gibt Ferrari gerne die Cockpit-Besetzung für die neue Saison am Rande des Heimrennens bekannt.

Seit Wochen wird über eine Rückkehr von Kimi Räikkönen spekuliert. Der Finne hatte Ferrari 2007 den letzten Fahrer-Titel beschert.

Teamchef Domenicali sagte beim Belgien-GP in Spa, dass man "keine Eile" habe und es durchaus noch dauern könne, bis man eine Entscheidung verkünde. Sollte Vettel in Monza gewinnen, könnte man so wenigstens noch etwas Spannung in die restliche Saison retten.

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