vergrößernverkleinern
Vettel (l.) und Newey haben gemeinsam schon drei WM-Titel gewonnen © imago

Trotz einiger Probleme sind Vettel und sein Team der Konkurrenz meilenweit voraus. Hamilton glaubt nicht an eine Wende.

Von Christoph Lother

München - Was die Konkurrenz wohl denkt, wenn sie Adrian Newey so reden hört?

In beeindruckender Art und Weise bretterte Sebastian Vettel beim Großen Preis von Italien am Sonntag zu seinem sechsten Saisonsieg.

Ausgerechnet beim Ferrari-Heimspiel in Monza machte der Heppenheimer den vielleicht entscheidenden Schritt auf dem Weg zum vierten WM-Titel (BERICHT: Vettel walzt Alonsos Strohhalm platt).

Und Red-Bull-Chefingenieur Newey spricht von "Schadensbegrenzung".

Über 100 Punkte Vorsprung

Es ist nur ein einzelnes Wort, und doch sagt es so viel aus: Schadensbegrenzung.

Die Überlegenheit des Red-Bull-Teams in der laufenden Saison ist erdrückend. 53 Punkte liegt Titelverteidiger Vettel in der Fahrer-WM derzeit vor dem zweitplatzierten Fernando Alonso.

In der Konstrukteurswertung sind die Österreicher den einzigen ernstzunehmenden Verfolgern Ferrari und Mercedes sogar schon auf über 100 Zähler enteilt (DATENCENTER: WM-Stand Teams).

Die "Bullen" fahren in einer eigenen Liga. Und sie denken in eigenen Maßstäben.

Auch wenn es der Konkurrenz wie blanker Hohn vorkommen dürfte, mag man es Newey also nachsehen, wenn er im Anschluss an das scheinbar nahezu perfekte Rennen in Monza von Schadensbegrenzung spricht.

Getriebeprobleme können Vettel nicht stoppen

Schließlich hatte Red Bull das ganze Wochenende über mit Getriebeproblemen zu kämpfen (774000DIASHOW: Die Bilder des Rennens).

"Wir hatten schon im Training am Freitag Probleme damit", berichtet Vettel bei "Auto, Motor und Sport".

Im Rennen selbst sei "der Herzschlag dann höher als gewünscht" gewesen. "Die letzten zehn, 15 Runden" sei er mit großen Sorgen gefahren, so der dreimalige Weltmeister in der "Süddeutschen Zeitung".

Doch letztlich war Vettel wieder einmal nicht aufzuhalten. Von den Problemen mit der Schaltung nicht. Und von der Konkurrenz schon gar nicht.

Resthoffnung bei Alonso

"Wir müssen realistisch sein", fordert Ferrari-Star Alonso mit Blick auf den aktuellen WM-Stand und fügt hinzu:

"Wir haben nicht mehr viele Rennen und vielleicht nicht den Speed, um mehrere hintereinander gewinnen zu können und den Vorsprung von Vettel aufzuholen."

Noch könne einiges passieren, betont der Spanier mit einem Funken Resthoffnung in den Augen (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Diesen Glauben haben sie bei Lotus offenbar schon verloren.

"Es gab die Schumacher-Ära, jetzt gibt es halt die Vettel-Ära", sagt Teamchef Eric Boullier und richtet den Blick bereits auf die nächste Saison: "Mal sehen, ob sich daran im kommenden Jahr etwas ändert."

Hamilton lobt Red Bull

Da hat Lewis Hamilton so seine Zweifel. "Ich denke, Red Bull wird auch in den nächsten vier Jahren schnell sein. Es sei denn, Renault entwickelt einen schlechten Motor", wird der Mercedes-Pilot in "The Guardian" zitiert.

Diese Hoffnung scheint jedoch vergeblich, auch wenn sich im kommenden Jahr bei den Motoren einiges ändert: Die neuen Turbo-Aggregate haben dann statt acht nur noch sechs Zylinder.

"Obwohl sich das Auto im nächsten Jahr stark verändern wird, kann man doch einiges aus dem aktuellen Fahrzeug ins neue übernehmen. Ihr Auto wird also auch im kommenden Jahr ziemlich stark sein", ahnt Hamilton, der sieben Rennen vor Saisonende schon 81 Punkte hinter Vettel zurückliegt.

Wie Vettel stehen auch seine "Bullen" vor dem vierten WM-Titel in Folge.

Titelhamster wird nicht satt

Besonders das deutsche Zugpferd ist auf seiner Rekordjagd nicht satt zu kriegen. "Ich versuche, nicht so viel daran zu denken", sagt der 26-Jährige mit Blick auf seinen möglichen vierten WM-Gewinn zwar.

Seinem Ausnahmestatus dürfte sich der Deutsche aber durchaus bewusst sein.

In Höchstgeschwindigkeit eifert Vettel seinem einstigen Vorbild, dem siebenfachen Weltmeister Michael Schumacher, nach.

Die Ablösung des Kerpeners als Rekordchampion scheint angesichts Vettels derzeitigen Triumphzuges nur noch eine Frage der Zeit.

Schumi würde Vettel Rekorde gönnen

Das sieht auch Schumacher selbst so.

"Rekorde sind da, um gebrochen zu werden - das habe ich ja auch gemacht", erklärt der 44-Jährige gegenüber der "BBC": "Er hat schon drei Titel, also warum sollte er nicht sieben schaffen?"

Wenn überhaupt, solle schon Vettel ihm seine noch bestehenden Bestmarken entreißen, betont Schumacher zudem: "Er ist mein Freund. So würden sie in der Familie bleiben."

91 Rennen hat die lebende Motorsport-Legende in ihrer Karriere gewonnen. Vettel steht aktuell bei 32 Siegen.

Betreibt Red Bull seine Schadensbegrenzung weiter wie bisher, könnten es am Saisonende aber auch schon 39 sein.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel