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Kimi Räikkönen holte sich 2007 den WM-Titel im Ferrari © imago

Der Sensations-Coup ist perfekt! Ex-Champion Räikkönen kehrt zurück zur Scuderia. Konflikte mit Alonso scheinen vorprogrammiert.

Von Christoph Lother

München - Die Spatzen pfiffen es seit Tagen von den Dächern, nun ist es amtlich: Kimi Räikkönen kehrt zurück zu Ferrari.

"Willkommen zurück!" schrieben die Italiener am frühen Mittwochnachmittag auf ihrer Homepage.

Der Finne, der bereits von 2007 bis 2009 für das italienische Traditionsteam gefahren war und gleich in seiner ersten Saison bei der Scuderia den WM-Titel gewonnen hatte, übernimmt im kommenden Jahr das Cockpit von Felipe Massa.

"Ich bin sehr glücklich, nach Maranello zurückzukommen, wo ich drei fantastische und sehr erfolgreiche Jahre verbracht habe", teilte Räikkönen mit.

Der "Iceman" erhält bei Ferrari einen Zwei-Jahres-Vertrag.

Massa twittert Abschied

Bereits am Abend zuvor hatte Massa via Twitter seinen Abschied von Ferrari verkündet.

"Von 2014 an fahre ich nicht mehr bei Ferrari", schrieb der Brasilianer, der 2005 von Sauber zu den "Roten" gewechselt war.

Gleichzeitig dankte der 32-Jährige dem Team für die bisherige Zusammenarbeit sowie "meiner Frau und meiner ganzen Familie, meinen Fans und all meinen Sponsoren".

"Von euch allen habe ich immer große Unterstützung erfahren", so Massa, der sich nach acht Jahren bei der Scuderia nach einem neuen Arbeitgeber umsehen muss ( 576155 DIASHOW: Das Fahrerkarussell 2014 ).

Heißes Duell winkt

Mindestens genauso spannend wie die Suche des Südamerikaners nach einem neuen Cockpit dürfte auch die künftige Entwicklung bei Ferrari werden.

Anders als Massa wird sich Räikkönen wohl nicht mit der Rolle als Nummer zwei hinter Fernando Alonso zufrieden geben.

Stattdessen dürfte der "Iceman" dem Weltmeister von 2005 und 2006 von Anfang an den Kampf ansagen. Die Karten werden also neu gemischt.

Im Rennen um den Konstrukteurs-Titel dürften Ferraris Chancen mit der Kombination Alonso/Räikkönen zwar erheblich steigen, hinsichtlich der teaminternen Harmonie handelt es sich aber um ein Vollgas-Duo mit Explosionsgefahr.

Konflikt mit Hamilton

"Welche Entscheidung das Team auch immer trifft, sie wird gut für mich sein", hatte Alonso zwar noch vor der offiziellen Verkündung der Räikkönen-Rückkehr verlauten lassen.

Dass der selbstbewusste Spanier mit einem ebenbürtigen und gleichberechtigten Teamkollegen so seine Probleme hat, ist allerdings bekannt.

Schon 2007 bei McLaren war er mit dem Briten Lewis Hamilton nicht zurecht gekommen - und kehrte nach nur einer Saison zu Renault zurück.

2009 vom Hof gejagt

Nun bekommt Alonso also erneut ein echtes Schwergewicht der PS-Szene vor die Nase gesetzt.

Die Tatsache, dass ausgerechnet Räikkönen die Ferraristi bei ihrem Angriff auf das zuletzt unantastbare Red-Bull-Team um Dreifach-Weltmeister Sebastian Vettel unterstützen soll, darf durchaus als Beleg ihrer derzeitigen Hilflosigkeit gewertet werden.

2009 hatte Ferrari-Boss Luca di Montezemolo den Finnen noch vom Hof gejagt. 17 Millionen Euro Abfindung blätterten die Italiener mit Hilfe eines Sponsors damals hin, um den eigenwilligen Skandinavier loszuwerden.

Hinter den eigenen Ansprüchen

Vier Jahre später gilt Räikkönen im Ferrari-Land offenbar wieder als Heilsbringer.

"Ferrari hat Kimi gewählt, weil man sich nicht auf Alonso verlässt", urteilte beispielsweise der "Corriere della Sera".

In der Tat könnte die Verpflichtung des 33-Jährigen ein Indiz dafür sein, dass die Bosse der Scuderia mit den jüngsten Ergebnissen Alonsos nicht wirklich zufrieden sind.

Vor fünf Jahren konnte Ferrari zuletzt die Konstrukteurs-WM gewinnen, in der Fahrer-WM liegt der letzte Triumph sogar noch ein Jahr länger zurück. Für einen Rennstall mit derart hohen Ansprüchen eine Ewigkeit.

Spekulationen um Flucht

Unwahrscheinlich, aber sicherlich nicht gänzlich ausgeschlossen ist die Möglichkeit, dass Alonso mit Blick auf den Räikkönen-Transfer die Flucht ergreifen könnte.

Der Asturier besitzt bei Ferrari zwar noch einen Vertrag bis 2016, nach Informationen der "Welt" soll sich Renault-Sportdirektor Carlos Ghosn aber bereits intern für einen Wechsel des 32-Jährigen zu Lotus stark gemacht haben.

Auch Lotus-Teamchef Eric Boullier würde einen Cockpittausch zwischen Alonso und Räikkönen begrüßen: "Wenn Fernando an meine Tür klopfen würde, würde ich ihn mit Kusshand nehmen."

Vielleicht klopft aber auch Felipe Massa.

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