vergrößernverkleinern
Nach vier Jahren bei Ferrari gehen Alonso (l.) und Massa getrennte Wege © imago

Massas Aufkündigung der Gefolgschaft ist für Alonso ein weiterer Rückschlag. Der Brasilianer kämpft auch für sein Land.

Von Tobias Wiltschek

München - Großer Preis von Italien am 8. September, 8. Runde:

Felipe Massa lässt seinen Teamkollegen Fernando Alonso ohne Gegenwehr an sich vorbeiziehen. Der Spanier kann nun ungehindert die Jagd auf Sebastian Vettel starten.

Szenen wie in Monza hat es in den vergangenen knapp vier Jahren zuhauf gegeben. Seit der Brasilianer Massa den Weltmeister von 2005 und 2006 vor die Nase gesetzt bekam, musste er sich stets der Nummer 1 im Team unterordnen.

Massas Kampfansage

Damit ist nun Schluss. "Nein. Ich mache das nicht mehr. Jetzt greife ich an", sagte Massa vor dem Großen Preis von Singapur (ab Fr., 12 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) im brasilianischen TV-Sender "O Globo".

Eine verständliche Äußerung des Mannes aus Sao Paulo, der nach acht Jahren bei der Scuderia zur kommenden Saison Kimi Räikkönen weichen muss.

Jahrelang war er nicht nur Alonsos Wasserträger, er musste sich auch von seinem eigenen Team demütigen lassen.

Im Titelkampf des vergangenen Jahres beispielsweise wurde am Ferrari des Vize-Weltmeisters von 2008 absichtlich das Getriebesiegel aufgebrochen, so dass Massa sein Getriebe wechseln musste und dafür in der Startaufstellung fünf Plätze strafversetzt wurde.

Heftige Kritik

Mit diesem Manöver hievte die Scuderia zwar Alonso einen Platz nach vorn, wandelte aber am Rande der Legalität und erntete heftige Kritik. Weltmeister wurde Alonso am Ende der Saison wieder nicht.

Massa, der auch aufgrund seiner schlechteren Leistungen deutlich im Schatten seines Teamkollegen stand, nahm damals diese Demütigung hin. Er hatte sich längst mit der Rolle des Knechts abgefunden und wohl auch nur deswegen gerade erst seinen Vertrag bei Ferrari verlängert bekommen.

Nun aber hat sich die Situation entscheidend verändert. Er weiß, dass er ab 2014 nicht mehr gebraucht wird und muss nun um die Fortsetzung seiner eigenen Karriere in der Formel 1 kämpfen.

Bei Lotus oder McLaren könnte er sich vorstellen zu fahren. Die Verhandlungen mit dem jetzigen Team seines Nachfolgers Räikkönen laufen nach eigenem Bekunden gut. Auch bei den Chrompfeilen wäre nach einer möglichen Trennung von Jenson Button ein hochwertiges Cockpit frei (576155DIASHOW: Das Fahrerkarussell 2014).

Weiterer Rückschlag

Für Alonso indes bedeuten die Aussagen von Massa im Hinblick auf seine ohnehin nur noch theoretischen Chancen im Titelkampf gegen Vettel einen weiteren Rückschlag.

53 Punkte liegen zwischen ihm und dem souverän führenden Red-Bull-Piloten bei noch sieben ausstehenden Rennen.

Welche konkreten Folgen die Aufkündigung der Gefolgschaft haben könnte, war bereits im Königlichen Park von Monza zu beobachten.

Da fuhr Massa im Qualifying - wie schon drei Mal zuvor in dieser Saison - schneller als Alonso und stand folglich in der Startaufstellung vor dem großen Star im eigenen Team. Daran änderte auch die am Ende gescheiterte Windschatten-Strategie nichts.

Vorteil Vettel

Auch auf dieses taktische Spielchen dürfte sich Massa in Zukunft nicht mehr einlassen, sicherlich auch zum Vorteil von Vettel. Denn aus dem einstigen Freund und Helfer ist für den WM-Rivalen des Deutschen über Nacht ein Gegner geworden - im Qualifying und im Rennen.

Für Massa geht es indes nicht nur um die eigene Zukunft in der Formel 1, sondern auch um die einer ganzen Nation. Sollte er kein neues Cockpit finden, wäre Brasilien erstmals seit über 40 Jahren ohne Pilot in der Königsklasse des Motorsports.

Am 24. November steigt in Massas Heimatstadt Sao Paulo das Saisonfinale. Bis dahin wird sich entschieden haben, ob sich sein Kampf gelohnt hat: Für sich und sein Land.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel