vergrößernverkleinern
Alonso (r.) hat sechs Rennen vor Schluss 60 Punkte Rückstand auf Vettel © imago

Schon im ersten Rennen nach Bekanntgabe des neuen Ferrari-Duos zeigen beide Piloten, wie eng die kommende Saison werden könnte.

Von Tobias Wiltschek

Singapur/München - Das Ergebnis von Singapur festigte den Status von Sebastian Vettel als uneingeschränkter Herrscher der Formel 1 (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Mit mehr als einer halben Minute Vorsprung überquerte der alte und wahrscheinlich auch neue Weltmeister die Ziellinie vor dem Zweiten Fernando Alonso (DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis).

Doch das ist nur die eine Schlussfolgerung aus der Zeitentabelle nach dem Nacht-Grand-Prix im asiatischen Stadtstaat (Nachbericht).

Die andere verspricht für das kommende Jahr das Ende der Langeweile im Kampf um den WM-Titel. Mit Alonso und Kimi Räikkönen standen die zwei Fahrer neben Vettel auf dem Podium, die ab 2014 gemeinsam für Ferrari den Red-Bull-Piloten jagen werden.

Stuck: Rivalen legen Fokus auf 2014

"Vettels Dominanz werden Alonso und Kimi trotz ihrer starken Vorstellung in naher Zukunft nicht durchbrechen können. Das liegt auch daran, dass Ferrari - und auch die anderen Teams wie Mercedes - die Entwicklungsarbeit für das neue Jahr mit neuem Motor vorantreiben und nicht mehr mit 100-prozentiger Intensität am Auto arbeiten werden", wagt Ex-Pilot Hans-Joachim Stuck bei SPORT1 eine Prognose.

In der Tat konzentriert sich die Scuderia nach dem Singapur-GP schon auf die kommende Saison. "Jetzt ist klar, dass wir 99 Prozent unserer Energie auf das Projekt für 2014 konzentrieren werden, weil es genauso kompliziert wie wichtig ist", wird Teamchef Stefano Domenicali auf der Internetseite des Teams zitiert.

Für Red Bull verlief das Rennen auf dem Marina Bay Street Circuit - abgesehen von Vettels Triumph - ernüchternd.

Mark Webber musste seinen RB9 kurz vor dem Ziel abstellen, nachdem aus dem Heck Feuer schlug, und Vettels zukünftiger Teamkollege Daniel Ricciardo setzte seinen Toro Rosso nach einem Fahrfehler in die Mauer.

Traum vom Titel

Die Scuderia ordnet derweil dem Titeltraum mit der Verpflichtung des "Iceman" alles andere unter. Selbst die erwarteten Spannungen zwischen den beiden Alphatieren der Formel 1 nimmt sie dafür in Kauf.

Der Blick auf das Podium in Singapur beweist, dass die Hoffnungen begründet sind. (781039DIASHOW: Die Bilder des Rennens).

Alonso und Räikkönen bewiesen beim Flutlicht-Rennen einmal mehr ihre fahrerische Klasse und ihr taktisches Geschick. Der Spanier schob sich mit einem phänomenalen Start schon vor der ersten Kurve von Platz sieben bis auf Platz drei vor und fuhr mit seinem zweiten Satz Reifen 36 Runden lang konstant schnell.

"Fantastisches Podium"

"Wir hatten einen sehr guten Start und eine andere Strategie, die sich am Ende mit einem fantastischen Podium ausgezahlt hat", freute sich Alonso. Der Asturier hatte während der Safety-Car-Phase zur Halbzeit des Rennens die Pneus gewechselt und fuhr auf der Medium-Mischung den zweiten Platz heraus.

Noch mehr Ränge machte Räikkönen bis ins Ziel gut. Der "Iceman", dessen Start wegen starker Rückenschmerzen lange unklar war, raste von Platz 13 bis auf Rang drei vor und machte seinem Ruf als Reifenflüsterer wieder einmal alle Ehre.

"Wir haben mit Platz drei so ziemlich das Maximum rausgeholt. Mein Speed heute war ziemlich okay, so konnte ich ein paar Leute überholen", bilanzierte der Lotus-Pilot in der ihm eigenen lässigen Wortwahl.

Weltklasse-Manöver

Wie stark er auf seinen Gummiwalzen auch in der Schlussphase noch unterwegs war, bewies er mit einem Weltklasse-Überholmanöver gegen Jenson Button, dem er sieben Runden vor dem Ende den letzten Podestplatz wegschnappte.

"Ich bin Jenson auf den Fersen gewesen und konnte sehen, dass sich seine Reifen dem Ende neigten, also habe ich ein bisschen Druck gemacht", erklärte Räikkönen.

Druck machen will er im kommenden Jahr auch Vettel und dessen Team, ungeachtet der prognostizierten Reibereien mit seinem neuen Stallgefährten Alonso.

"Wir sind alt genug, um genau zu wissen, was wir machen. Wenn es doch Probleme geben sollte, werden wir darüber sprechen", sagte der 33-Jährige. Und der ein Jahr jüngere Alonso ergänzte: "Kimi war der beste Fahrer, den wir bekommen konnten."

Treueschwur von Alonso

Am Rande des Singapur-GP dementierte er noch einmal jegliche Wechselabsichten und schwor seinem Team die Treue: "Ich liebe Ferrari und werde bis zum Ende bei Ferrari bleiben."

An Vettel und Red Bull schickte er indes schon einmal eine erste Kampfansage für die kommende Saison: "Wir werden vom ersten Rennen an versuchen, so viele Punkte wie möglich zu holen."

In der laufenden Saison kommen Alonso und Räikkönen zusammen auf 336 Zähler und sind damit als virtuelles Team bereits der härteste Verfolger von Red Bull (377).

Als wahres Team will das Duo im nächsten Jahr die "Bullen" hinter sich lassen und auch Vettel den Titel streitig machen. Der Grand Prix von Singapur hat gezeigt, dass das kein Traum bleiben muss.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel