vergrößernverkleinern
Viele Menschen, ein Problem: Der Ferrari ist nicht schnell genug © getty

Nach dem schlechtesten Saisonstart seit 28 Jahren liegen bei Ferrari die Nerven blank. Ein radikaler Vorschlag steht im Raum.

Von Marc Ellerich

München - Die Welt der Roten, sie ist im Moment tiefschwarz.

Der Große Preis von China endete für die Scuderia Ferrari wie die beiden Rennen zuvor im Desaster: Felipe Massa stellte seinen Boliden im Regen vorzeitig mit Elektronik-Problemen ab. Sein Kollege Kimi Räikkönen fand sich nach den 56 Runden von Schanghai auf Platz elf wieder - Mittelmaß, wieder einmal 94741(Die Bilder) .

Nach drei Saisonrennen hat der Konstrukteursweltmeister des Vorjahres null Punkte auf dem WM-Konto (DATENCENTER: Ergebnisse und WM-Stand). Es ist der schlechteste Saisonstart für die Roten seit 28 Jahren.

Ferraris Schiffsuntergang

Die stolze Scuderia ist derzeit nicht mehr als ein Hinterbänkler-Team, so etwas schlägt gewaltig aufs Gemüt.

Italiens Presse prügelte nach dem Desaster im chinesischen Swimmingpool auf den Rennstall ein. "Ferrari hat einen Schiffsuntergang erlebt", spottete der "Corriere dello Sport".

Auf den Sportseiten der italienischen Blätter ist die Ferrari-Berichterstattung mittlerweile bis ganz ans Ende gerutscht (Pressestimmen: "Ferrari schnell wie ein LKW") .

"Gebt uns nicht auf"

Entsprechend eindringlich klingen vor dem vierten Saisonrennen in der Wüste von Bahrain (Training, Fr., ab 9 Uhr LIVE) die Durchhalte-Parolen aus dem Team.

"Gebt uns nicht auf", appellierte Felipe Massa, 2008 vom späteren Weltmeister Lewis Hamilton nur um ein Pünktchen vom Thron der Königsklasse verdrängt, nach der China-Pleite flehentlich an die Fans.

Und sein Kollege, "Iceman" Kimi Räikkönen, stellte ernüchtert fest: "Wenn es nicht läuft, dann wendet sich alles gegen einen."

Schumi: Saison abhaken

Ferraris Teamchef Stefano Domenicali versucht nach Kräften, die rote Titanic auf Kurs zu halten.

"Wir dürfen jetzt nicht in Panik verfallen, das würde alles nur schlimmer machen", warnte er nach dem Regen-Rennen auf dem "Shanghai International Circuit": "Wir müssen gelassen bleiben."

Das aber gelingt mittlerweile offenbar nicht mehr jedem (Bei Ferrari rollen erste Köpfe).

Man müsse fragen, "inwieweit es Sinn macht, die Saison abzuhaken und sich schon auf das nächste Jahr zu konzentrieren" überlegte der Rekord-Weltmeister und heutige Ferrari-Berater Michael Schumacher öffentlich.

Entscheidung in Barcelona

Die Strategie des in der WM führenden Honda-Nachfolgers Brawn GP als Ausweg aus der Krise?

Domenicali selbst will den Weg, frühzeitig aus dem WM-Kampf auszusteigen und sich auf den Bau des Gefährts für 2010 zu konzentrieren, nicht mehr ausschließen, mahnt aber zu Geduld: "Nach Spanien wissen wir mehr. Dann haben wir eine Idee davon, wie es aussieht."

Für den Grand Prix Anfang Mai in Barcelona kündigte der Teamchef ein neues Aerodynamik-Paket an, darunter den Einbau des berühmt-berüchtigten Doppel-Diffusors, der die Konkurrenz von Brawn GP so schnell macht.

Diffusor als Schlüssel

Räikkönen betrachtet den in der vergangenen Woche vom Weltverband FIA legalisierten Technik-Trick als Schlüssel zum Erfolg. "Das wird das Auto schneller machen", glaubt der Finne: "Uns fehlt der Anpressdruck, um schneller durch die Kurven zu fahren. Da wird der Diffusor einen massiven Unterschied machen."

Doch ob mit der Lösung der D-Frage tatsächlich alle Probleme der Roten aus der Welt sind?

Domenicali, der Vorsteher der Roten, bezweifelt das: "Die Situation ist viel komplizierter. Dieses Teil bringt einen Vorteil, doch zu glauben, der Diffusor wäre das einzige Kriterium, wäre falsch."

Verfahrende Lage

Wie verfahren die Lage bei Ferrari ist, beschrieb Massa dieser Tage: "Im Moment haben wir zwei Baustellen. Erstens müssen wir das Auto verbessern und schneller machen. Zweitens müssen wir es zuverlässiger machen.", so der Brasilianer: "Das schnellste Auto hilft dir nichts, wenn du damit nicht ins Ziel kommst."

Viele Fragen begleiten also die verzweifelte Aufholjagd des einstigen Renommier-Teams, viele Probleme und nur eine Konstante: wenig Zeit.

Und die Kritik wird immer härter: Der Rennstall habe keine Alibis mehr, attestierte "La Repubblica" dem Vorzeigeprodukt der italienischen Auto-Edelschmiede.

Um Ferrari endlich aus den negativen Schlagzeilen zu kriegen, lautet die Vorgabe von Teamchef Domenicali knapp, dafür aber umso dringlicher: "Das erste Ziel muss sein, von den null Punkten wegzukommen."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel