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Ein Bild aus besseren Tagen: Norbert Haug (l.) und Dieter Zetsche 2005 © imago

Die Formel 1 ohne Mercedes? Norbert Haug sagt nein und sieht sich vom Konzern bestätigt. Daimler-Chef Zetsche aber droht.

Manama/Stuttgart - Der Daimler-Konzern erwägt im Zusammenhang mit der "Lügen-Affäre" einen möglichen Ausstieg von Mercedes aus der Formel 1.

"Wenn sich das Umfeld ändern sollte, etwa durch eine unangemessene Bestrafung durch die FIA, wäre es möglich, dass wir das Engagement überdenken", sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche dem "Focus" und setzte damit die FIA unter Druck.

Zuvor hatte bereits der Betriebsrat der Stuttgarter wegen der hohen Kosten und geplanten Einsparungen von zwei Milliarden Euro den Ausstieg aus der Königsklasse gefordert.

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins soll am Montag im Daimler-Vorstand über mögliche Ausstiegsszenarien aus der Formel 1 debattiert werden.

"Kein Ausstiegsszenario"

Mercedes-Sportchef Norbert Haug bestätigte in Bahrain entsprechende Aussagen von Zetsche, meinte aber, dass es "kein Ausstiegsszenario" sei. "Wir haben immer gesagt, sollten die Rahmenbedingungen nicht stimmen, dann denken wir nach. Und zu den Rahmenbedingungen gehört auch, dass wir eine gerechte Strafe erhalten", sagte Haug.

Tags zuvor hatte er einen Ausstieg - zumindest vorerst - ausgeschlossen.

"Einige Leute haben unterstellt, dass sich Mercedes aus der Formel 1 zurückziehen könnte. Aber Mercedes zieht sich nicht zurück", sagte Haug vor dem Großen Preis von Bahrain am Sonntag (13.45 Uhr Uhr LIVE ) dem englischen Fachmagazin "Autosport": "Wir haben die Bestätigung für unsere Aktivitäten - wenn auch nicht unbeschränkt bis in alle Ewigkeit."

"Auf Sport konzentrieren"

Man könne nicht sagen, was in den nächsten Monaten in der Autoindustrie passiere und ob das Klima besser werde, meinte Haug: "Wenn wir mehr Autos verkaufen, kommen wir in eine bessere Situation." Mercedes ist gemeinsam mit McLaren in der Formel 1 vertreten und beliefert zudem Brawn und Force India mit Triebwerken.

McLaren-Mercedes kämpft am 29. April bei der Anhörung des Automobil-Weltverbandes FIA zur "Lügen-Affäre" um seine Zukunft (Lewis, der Lügenbaron). Als Entscheidung ist vom Freispruch bis zum WM-Ausschluss alles möglich. "Wir kooperieren mit der FIA. Ansonsten wollen wir uns auf den Sport konzentrieren, jeder weiterer Kommentar zu diesem schwebenden Verfahren bringt Unruhe", sagte Haug.

Whitmarsh bleibt gelassen

McLaren-Chef Martin Whitmarsh reagierte gelassen auf die Aussagen vom Hauptanteilseigner Mercedes-Benz, der 40 Prozent des gemeinsamen Rennstalls besitzt.

"Das ist momentan nicht meine größte Sorge. Zetsches Kommentare waren ausgewogen, wir werden einen Weg finden", sagte Whitmarsh: "Wir nehmen nichts als gegeben hin und müssen für alle unsere Partner Leistung bringen, inklusive Daimler."

Man wisse, dass in der Krise der Automobilindustrie niemand eine Zusage über mehrere Jahre geben könne, aber er mache sich derzeit keine Sorgen über einen Ausstieg von Mercedes.

Top-Thema in Bahrain

Die Diskussionen um ein baldiges Ende des Formel-1-Engagements von Mercedes-Benz waren trotzdem das beherrschende Thema beim Großen Preis von Bahrain.

BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen sagte, dass es bei den Münchnern keine Ausstiegsdiskussionen gebe: "Mercedes muss wissen, was sie machen."

Rosberg: "FIA braucht Mercedes"

Der im Winter von den Silberpfeilen umworbene Williams-Pilot Nico Rosberg sagte: "Vielleicht wollen sie mit diesen Aussagen Druck auf die FIA machen. Die FIA braucht Mercedes. Ein Ausstieg dieser Supermarke wäre eine Katastrophe für die Formel 1."

Er denke, dass Mercedes die eine oder andere Strafe bekommen werde, "aber hoffentlich keine zu harte".

Entschuldigungsbrief an Mosley

Im Kampf um ein mildes Urteil hatte sich das Team wegen der "Lügen-Affäre" schon von McLaren-Sportdirektor Dave Ryan getrennt. Zudem gab Ron Dennis, Intimfeind von FIA-Präsident Max Mosley, seinen Posten als McLaren-Boss auf.

Zuletzt hatte Whitmarsh ebenfalls seinen Rücktritt angeboten und einen Entschuldigungsbrief an FIA-Chef Mosley geschrieben. "Wir haben in den letzten Jahren als McLaren nicht immer alles richtig hinbekommen, wir müssen auch im Verhältnis zur FIA besser werden", sagte Whitmarsh.

Versuchte Imagewandlung

Als Teil dieser Wandlung versuchte sich McLaren-Mercedes in Bahrain so offen wie nie zuvor zu präsentieren - mit Cocktails, rockiger Musik und dem Motto "Don t worry, be happy".

Auch der an der "Lügen-Affäre" beteiligte Weltmeister Lewis Hamilton, der sich öffentlich entschuldigt hatte, präsentiert sich nach "einer besonders schwierigen Zeit" einsichtig.

"Als ich Nelson Mandela getroffen habe, hat er mir gesagt, dass er mit seinen 90 Jahren noch immer lernt, und auch ich werde an jedem einzelnen Tag meines Lebens noch etwas dazulernen", sagte der 24-jährige Brite.

Hamilton glaubt an eine Zukunft von McLaren-Mercedes: "Ich werde meinem Team nicht den Rücken kehren, nur weil es einmal hart wird. Wir haben noch eine lange Reise vor uns." Ob sie mit Mercedes weitergeht, entscheidet sich am Mittwoch. (Hamilton schwört McLaren Treue)

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