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Der Graf ist entsetzt: Ferrari-Boss Luca di Montezemolo droht mit dem Ausstieg © getty

Ferrari-Boss Luca di Montezemolo grollt und droht im Finanzstreit in der Formel 1. Ein Revoluzzer will in die Formel 1.

Von Marc Ellerich

München - Nach Daimler-Boss Dieter Zetsche (Daimler-Boss droht mit Mercedes-Ausstieg) hat auch Ferraris starker Mann Luca di Montezemolo einen Ausstieg seines Rennstalls aus der Formel 1 angedroht.

"Ferrari hat viel Leidenschaft für die Formel 1", sagte der Italiener am Rande des Großen Preises von Bahrain, um dann unverhohlen hinzuzufügen: "Aber das muss keine endlose Geschichte sein."

Kurios ist allerdings der Anlass des Montezemolo-Statements.

Diskussion um Budget-Obergrenze

Denn anders als Zetsche, der sich betriebsinternen Ausstiegsforderungen gegenüber sieht und mit seinem Abschiedsszenario einer harten Bestrafung durch den Weltverband FIA in der Lügen-Affäre um Weltmeister Lewis Hamilton vorbeugen will, ist die Motivation des obersten Ferrarista eine völlig andere.

Montezemolo (Schumacher bleibt "Teil der Familie") passt es ganz und gar nicht, dass in der höchsten PS-Liga angeregt über eine Budget-Obergrenze diskutiert wird. Je nach Dicke des Geldbeutels stehen dabei sogar Forderungen nach einer generellen Kappung der Teambudgets auf lediglich 30 Millionen Euro im Raum.

FIA-Boss Max Mosley hat laut einem Bericht der "FAZ" die Teams aufgefordert, bis zur Weltratssitzung des Verbandes am Mittwoch in Paris (auf der auch das Urteil in der McLaren-Lügen-Affäre fallen wird), Vorschläge über ein finanzielles Limit zu erarbeiten.

Teams uneins

Bei den Rennställen gehen die Meinungen, was in der Frage sinnvoll und machbar ist, allerdings weit auseinander.

Williams, Red Bull, Brawn GP, Toro Rosso und Force India sollen sich nach dem "FAZ"-Bericht auf eine Grenze von 60 Millionen Euro jährlich geeinigt haben - exklusive die Fahrergehälter.

Renault und BMW sind prinzipiell für eine Deckelung, halten sich aber mit Zahlen zurück. Motorsport-Direktor Mario Theissen wehrt sich jedoch gegen allzu radikale Einschnitte und forderte eine sanfte Angleichung: "Wir können nicht von heute morgen Hunderte von Leuten auf die Straße setzen. Es muss ein schleichender Prozess sein."

Theissen liegt mit seiner Forderung in Übereinstimmung mit Renault-Rennstall-Chef Flavio Briatore. Der Italiener hat ebenfalls gerechnet und will eine schrittweise Reduzierung durchsetzen: "Ich würde mit 80 Millionen anfangen und bis 2012 Schritt für Schritt reduzieren."

Jackson kündigt Einstieg an

Doch es gibt noch wesentlich radikalere Denkmodelle - allerdings kommen die derzeit noch nicht aus der Vereinigung der Formel-1-Teams FOTA.

Offenbar gibt es zahlreiche Interessenten für einen Einstieg in die höchste PS-Liga, so etwa das amerikanische USF1-Projekt oder die britischen Autobauer von Aston Martin.

Als jüngster Interessent ist der Brite Paul Jackson auf den Plan getreten, vormals Arbeitgeber von Toyota-Pilot Timo Glock in der GP2 und dort Chef des i-Sport-Teams.

Für den Fall einer Budget-Obergrenze plant Jackson ab 2010 den Einstieg in die Königsklasse, wie er in einem Interview mit dem "Motorsport Magazin" erklärte.

Radikale Töne

Jackson dürfte mit seinem Projekt, bei dem er seinem früheren Schützling Bruno Senna einen Cockpit-Platz offerieren will, nicht von jedem mit offenen Armen empfangen werden.

Denn er bevorzugt die radikalen Töne. Für den Manager ist die Formel 1 ein riesiger Geldverbrennungsbetrieb. Jackson hat deshalb Reaktionäres im Sinn.

"Mein Ziel ist es, einigen Leuten in der Formel 1 in den Hintern zu treten und ihnen zu zeigen, dass sie Geld für nichts zum Fenster rausschmeißen."

"Keine klaren Regeln"

Der GP2-Rennstall-Boss ist allerdings skeptisch, dass sich die Formel 1 eine derart radikale Diät auferlegt, wie sie ihm vorschwebt: "Die Struktur der bereits existierenden Teams passt nicht zu einer 30-Millionen-Budgetgrenze."

Vielleicht hat Jackson dabei Teams wie Ferrari im Blick. Doch die Platzhirsche des Oberhauses werden sich von Jacksons forschen Sätzen so leicht nicht beeindrucken lassen.

Ferrari, das derzeit den schlechtesten Saisonstart seiner Geschichte erlebt (Bricht Ferrari den WM-Kampf ab?) , würde zum Beispiel lieber heute als morgen mehr Geld in seine Aufholjagd schießen, wie Montezemolo kaum verhohlen formulierte: "Es gibt keine klaren Regeln und deshalb eine Dreiklassen-Gesellschaft. Mit und ohne KERS. Mit und ohne Doppel-Diffusor. Und solche, die weder das eine noch das andere haben. Wer sich wie BMW McLaren, Renault und wir an die Regeln gehalten hat, steht jetzt hinten."

Montezemolo weiter: "Wir sind gezwungen, in so einer schwierigen Lage viel Zeit und Geld zu investieren, um unser Auto anzupassen."

Die Drohungen des italienischen Grafen dürften also nur das erste Donnergrollen des beginnenden Finanzgerangels sein.

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