vergrößernverkleinern
Lewis Hamilton entsteigt seinem Boliden - verlässt sein Team die Formel 1? © imago

Für McLaren-Mercedes beginnt die Woche der Wahrheit. Folgt der Ausstieg? Auch ein zweites deutsches Team hat schwer zu kämpfen.

Manama/München - Mercedes droht eine Vollbremsung, BMW fährt im Schneckentempo hinterher - die renommierten deutschen Autobauer stecken mitten in der Wirtschaftsflaute auch in der Formel 1 in einer tiefen Krise.

Für die Silberpfeile könnte schon in dieser Woche 15 Jahre nach dem Wiedereinstieg in der Königsklasse das Ende eingeläutet werden. Am Montag diskutiert der Daimler-Vorstand nach "Focus"-Informationen über mögliche Ausstiegsszenarien (Daimler-Boss droht mit Mercedes-Ausstieg), am Dienstag werden die tiefroten Quartalszahlen des Konzerns vorgelegt, und am Mittwoch entscheidet der Automobil-Weltverband FIA über die Strafe in der "Lügen-Affäre".

Das Unmögliche scheint möglich

"Eine Formel 1 ohne Mercedes ist einfach nicht vorstellbar", sagt Force-India-Pilot Adrian Sutil beim Großen Preis von Bahrain 98107(Bilder des Rennens). Williams-Fahrer Nico Rosberg vergleicht einen möglichen Abschied des Teams von Weltmeister Lewis Hamilton mit einer "Katastrophe".

Das Unvorstellbare scheint aber tatsächlich möglich zu sein, nachdem Konzernchef Dieter Zetsche angekündigt hat, im Fall einer "unangemessenen Bestrafung durch die FIA das Engagement zu überdenken".

Bei der Verhandlung in Paris ist von einer Geldbuße, über den Abzug von WM-Punkten, einer Sperre für mehrere Rennen bis hin zum WM-Ausschluss alles denkbar. Letztmals war 2005 das BAR-Team - Vorgänger des heutigen WM-Spitzenreiters Brawn-Mercedes - wegen eines geheimen Benzin-Zusatztanks für zwei Rennen gesperrt worden.

"Muss eine Strafe geben"

"Es wäre bitter, ein Team für mehrere Rennen zu verlieren, auf der anderen Seite muss es eine Strafe für die Lüge gegenüber den Rennkommissaren geben", sagt Sebastian Vettels Red-Bull-Teamchef Christian Horner.

Neben den ständigen Negativ-Schlagzeilen - der Spionage-Affäre mit der Rekordstrafe von 100 Millionen Dollar für McLaren-Mercedes folgte nun die Lügen-Affäre um Weltmeister Lewis Hamilton - spricht auch das klare Votum der Arbeitnehmer gegen die Formel 1 für einen Ausstieg.

Ausgaben von 100 Millionen

Mit Blick auf die im Konzern geplanten Einsparungen von zwei Milliarden Euro müssen die Arbeiter Gehaltseinbußen von mehr als zehn Prozent hinnehmen und um ihren Arbeitsplatz zittern. Da sind die Ausgaben von mehr als 100 Millionen Euro für die Formel 1 zumindest für sie ein unnötiger Luxus.

"Wir haben ein sehr vernünftiges Budget und sind allen Überprüfungen im Haus unterworfen", sagt Mercedes-Sportchef Norbert Haug und fürchtet um die Zukunft seiner Abteilung: "Das sind auch viele Arbeitsplätze. Dabei ist die Formel 1 für viel Geld eine sehr günstige Geschichte."

Heidfeld: "Katastrophe"

Zu dieser Auffassung kam auch der BMW-Vorstand bei der letzten Überprüfung vor der Saison, allerdings war zu diesem Zeitpunkt der Absturz auf der Rennstrecke nicht abzusehen (Bei BMW liegen die Nerven blank). Die Münchner sind mit dem Ziel WM-Titel in die Saison gestartet, doch nach vier Rennen sind sie am Ende (BMW in der Krise): Beim Wüstenrennen von Bahrain belegten Robert Kubica (Polen) und Nick Heidfeld (Mönchengladbach) die beiden letzten Plätze (DATENCENTER: Ergebnis und WM-Stand).

Heidfeld bezeichnet das als "Katastrophe", Kubica übt noch deutlichere Kritik: "Wir müssen vielleicht einen etwas anderen Weg einschlagen, denn die Geschwindigkeit unserer Weiterentwicklung war nicht ideal - wie schon im Vorjahr."

Kubica glaubt nicht an Wende

Auch Mario Theissen ist von der rasanten Talfahrt überrascht worden.

"Diese Situation ist ungewohnt für alle im Team. Denn seit unserer Gründung ging es drei Jahre nur bergauf. Wir haben seit 2006 unsere ambitionierten Ziele erreicht, bisweilen sogar übererfüllt", sagt der BMW-Motorsportdirektor: "Jetzt wird sich zeigen, wie stark das Team ist. Ich bin zuversichtlich, dass wir in die Erfolgsspur zurückkehren werden."

Ein neues Aerodynamik-Paket soll beim nächsten Rennen am 10. Mai in Barcelona die Wende bringen. Doch Kubica ist skeptisch: "Ich glaube nicht, dass es am Gesamtbild sehr viel ändert. Wir werden der Spitze etwas näherkommen, aber wir werden plötzlich nicht einen Sprung aus der siebten in die erste Reihe machen."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel