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Gespanntes Warten: Wie urteilt die FIA in der Lügen-Affäre um Lewis Hamilton © imago

Am Mittwoch tagt in Paris der FIA-Weltrat. Seine Beschlüsse könnten die Formel 1 radikal verändern. Was wird mit McLaren?

Von Marc Ellerich

München - Die Königsklasse fiebert angespannt der Sitzung des FIA-Weltrats in Paris entgegen.

Am Mittwoch versammelt sich das mächtige Gremium des Automobil-Weltverbands in der französischen Metropole, und seine Beschlüsse könnten das Gesicht der höchsten PS-Liga komplett verändern.

Der Weltrat fällt sein Urteil in der Lügen-Affäre um Weltmeister Lewis Hamilton und sein McLaren-Mercedes-Team (Hamilton disqualifiziert).

Silber im Büßergewand

Von einem milden Urteil gegen die Silberpfeile, wie es zum Beispiel Formel-1-Mogul und Weltratsmitglied Bernie Ecclestone erwartet, bis zu einer Sperre für mehrere Rennen und einer Millionen-Strafe liegt alles im Bereich des Möglichen.

Um die Bestrafung durch den Weltverband möglichst milde zu gestalten, schlüpfte McLaren-Mercedes vor aller Augen ins Büßergewand.

McLaren-Boss Ron Dennis, der als Schlüsselfigur in der Lügen-Affäre galt, wurde von Partner Mercedes zum Abgang genötigt.

Haug: "Saubere Lösung"

Durch ein wahres SMS-Bombardement soll er Weltmeister Hamilton und McLaren-Sportdirektor Dave Ryan in Melbourne wiederholt zur Unwahrheit aufgefordert haben.

In der Folge beichtete Lewis Hamilton unter Tränen seinen Fehler und entschuldigte sich mehrfach öffentlich für die Affäre ("Lewis, der Lügenbaron"). Sogar an Rücktritt habe er gedacht, räumte Hamilton neulich wieder ein. Auch der neue McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh bot seine Demission an.

Bei dem Pariser Verfahren will der Rennstall laut Sportchef Norbert Haug eine "saubere Lösung" suchen. Man werde die Betrugsvorwürfe nicht anfechten.

1,3 Milliarden Verlust

Sollten der vorauseilende Gehorsam und die Demut der Silbernen nichts bringen, könnte dies drastische Folgen für die Königsklasse haben.

Der Daimler-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche hatte bereits am Wochenende den Rückzug des Rennstalls angedeutet: "Wenn sich das Umfeld ändern sollte, etwa durch eine unangemessene Bestrafung durch die FIA, wäre es möglich, dass wir das Engagement überdenken." (Daimler-Boss droht mit Mercedes-Ausstieg)

Am Dienstag musste der Manager dann öffentlich den dramatischen Quartalsverlust des Autobauers aus Untertürkheim verkünden: 1,3 Milliarden Euro beträgt das Minus.

Betriebsrat fordert Ausstieg

Doch bereits vor Veröffentlichung der Zahlen geriet der Daimler-Boss unter Druck. Ein Stuttgarter Betriebsrat forderte den Ausstieg aus der Formel 1. Das Engagement habe angesichts der Wirtschaftskrise keinen Rückhalt mehr in der Belegschaft.

Sollte die FIA also eine Millionenstrafe verhängen - analog der 100-Millionen-Dollar-Buße in der Spionage-Affäre - könnte es das Ende für Mercedes in der Formel 1 bedeuten.

Kommt die Obergrenze?

Doch der Termin in der französischen Kapitale ist noch einem zweiten Grund eminent wichtig für die Königsklasse.

Nach Vorstellung von FIA-Präsident Max Mosley soll der Weltrat in Paris die Einführung einer Budget-Obergrenze beschließen. Dem Briten schwebt ein Limit von 34 Millionen Euro vor.

Doch darüber wird heftig gestritten, den Teams ist das Tempo in dieser Frage zu hoch.

Fest steht, dass ein "Ja" des Weltrats zur Kappung die Formel 1 revolutionieren würde.

Acht Interessenten

Laut einem Bericht von "Motorsport-Total.com" stehen die Bewerber, die Interesse an einem Einstieg in die Königsklasse haben, Schlange (FIA-Köder wird geschluckt).

Die Namen von acht Teams kursieren: USGPE (vormals USF1), die GP2-Teams ART, Campos, iSport, ferner Lola, Epsilon-Euskadi, Prodrive und der A1GP-Stall von Toni Texereira.

Allerdings erhalten nur drei davon den Zugang zum Elite-Zirkel des Motorsports. Voraussetzung: die Budgetgrenze kommt.

Montezemolo grollt

Ferrari hat bereits seinen Widerstand gegen eine Begrenzung angekündigt (Auch Ferrari droht mit Formel-1-Aus). Wie sein Kollege Zetsche, drohte Ferrari-Boss Luca di Montezemolo mit dem Ausstieg seines Rennstalls.

Der Formel 1 stehen spannende Tage bevor.

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