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Seinen Roten Renner hat Schumacher gegen einen Silberpfeil eingetauscht
Michael Schumacher ist bis Ende 2012 bei Mercedes unter Vertrag © Getty Images

Die Wintertests 2011 nähern sich ihrem Höhepunkt: Das Mercedes-Team scheint in Barcelona pünktlich in Form zu kommen.

Von Marc Ellerich

München - Das große Finale der diesjährigen Wintertests ist in vollem Gange. Zwei Mal hat die Formel 1 noch Zeit zu üben, und zunehmend aufgeregt beobachtet die Szene das Defilee der Kandidaten.

Wer ist schon topp, wer wird ein Flop? Diese Frage beschäftigt die Beobachter fast täglich seit dem Beginn der Übungsfahrten Anfang Februar.

Und fast immer im Mittelpunkt des Interesses: das Mercedes-Team von Rekord-Weltmeister Michael Schumacher und seines jungen Kollegen Nico Rosberg.

Aber eigentlich ist es nur eine Frage, welche die professionellen Beobachter fesselt: Kann Mercedes den selbst formulierten Anspruch erfüllen und im zweiten Jahr seines Bestehens mit den Besten der Branche - Red Bull, Ferrari, McLaren - mithalten?

Schumi gelassen

Nein, lautete nach den bisherigen drei Testserien in Valencia, Jerez und Barcelona die Antwort. Und nein lautete sie noch drei Tage vor Schluss der finalen Übungsfahrten, die ebenfalls in Barcelona stattfinden. (STATISTIK: Die Resultate aus Barcelona)

Deutlich über eine Sekunde fehlte Schumi am dritten Tag auf den Besten des zweiten Tages, den mexikanischen Sauber-Rookie Sergio Perez. Und auf seinen früheren Teamkollegen Felipe Massa im Ferrari, der als Referenz wohl eher in Frage kommt als Hinterbänkler-Pilot Perez, waren es immerhin acht Zehntelsekunden.

"Glaubst du, dass ihr Rennen gewinnen könnt?", wurde Schumacher vor seinem letzten Testtag am Donnerstag gefragt. "Im Moment sind wir nicht in dieser Position", antwortete der alternde Superstar - und war dennoch die Ruhe selbst.

"Wir stehen im Tal"

"Schön, sonnig, entspannt" sei sein Tag gewesen, bemerkte Schumacher fröhlich: "Wir haben mit dem Auto große Fortschritte gemacht, also bin ich glücklich." 362290(Bilder der Tests)

Der 42-Jährige hatte offenbar gute Gründe für seinen Überschwang, die sich entfernten Beobachtern zunächst nicht auf Anhieb erschlossen.

Zumal Schumacher selbst noch von Defiziten sprach. "Wir stehen im Tal", antwortete er, aber im selben Atemzug folgte dann der Satz, der die gute Laune des siebenmaligen Champions wohl erklärt: "Die Entwicklungskurve ist so, wie wir sie uns vorstellen."

Brawn optimistisch

Damit lag Schumacher voll auf Linie mit seinem Teamchef, Weltmeister-Macher Ross Brawn. Auch der gab sehr optimistische Antworten, als ihn die Journalisten zur Leistungsstärke des MGP W02 löcherten.

Natürlich könne er nicht wissen, was die Rivalen so trieben, meinte Brawn auf dem Circuit de Catalunya vorsichtig - und kam dann doch in Fahrt.

Er habe am Auto des großen Favoriten Red Bull nichts gesehen, was ihm Sorgen mache, bekundete das "Superhirn" der PS-Liga reichlich offensiv ? der RB7 gilt der versammelten Konkurrenz einhellig als der Maßstab.

Red Bull als Maßstab

Brawns Urteil weist in dieselbe Richtung: Red Bull sei "der Referenz-Punkt in der frühen Phase der Saison". Man müsse das Weltmeister-Team schlagen, wenn man Rennen gewinnen wolle. "Aber ich glaube nicht, dass das unmöglich ist", so der Mercedes-Vorsteher.

Auch sei das diesjährige Mercedes-Modell eindeutig besser als das vom Vorjahr, wie Brawn mittlerweile findet, denn: "Das Auto macht exakt, was wir erwartet haben, die Rundenzeiten und die Aero-Performance sind so, wie wir es uns vorgestellt haben."

Haug: Das kann sich ändern

Höchst bemerkenswert waren zudem die Bemerkungen von Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug zum Thema.

Mercedes habe "vielleicht mindestens ein Dutzend Autos" als Konkurrenten, sagte Haug zurückhaltend.

Und weiter: "Es ist vielleicht sehr klar, wer im Moment der Schnellste ist und die konstantesten Rundenzeiten hat. Und es gibt vielleicht ein zweiplatziertes Team." Um den Platz dahinter kämpften im ersten Grand Prix jedoch "vielleicht eine Handvoll" Rennställe.

Doch dann kam das große Aber des erfahrenen Funktionärs. "Wie wir in den vergangenen Jahren gesehen haben, kann sich das ändern. Es kann sich nach den Tests ändern, und es kann sich von einem Tag auf den anderen ändern", sagte Haug nach Schumachers fünftem Platz am zweiten Testtag.

Bestzeit am Vormittag

Wenige Stunden später, am Freitagvormittag, zeigte sich: Haug dürfte Recht behalten.

Über Nacht hatte Mercedes seinen Rennwagen generalüberholt. Und morgens, ausgestattet mit einem neuen Frontflügel, neuen Aufhängungen und weiteren Updates, raste Schumacher zur vorläufigen Bestzeit. Laut "espnf1.com" simulierte Schumi eine Qualifying-Runde, hatte also sehr wenig Sprit an Bord.

Mit seiner Zeit von 1:21,268 Minuten - die bisher beste der gesamten Testwoche - führte Schumacher das elfköpfige Feld an - drei Zehntelsekunden vor dem zweitplatzierten Ferrari-Star Fernando Alonso.

Weltmeister Sebastian Vettel fehlten im Red Bull satte 1,7 Sekunden.

Der silberne Aufschwung, so ist der vorläufige Eindruck, hat begonnen. Der Mercedes nähert sich, nein, er rast zu seiner Bestform.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: Die News im TV auf SPORT1)

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