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Michael Schumacher ist bis Ende 2012 bei Mercedes unter Vertrag © imago

Der Weltmeister gratuliert dem Mercedes-Star zu seiner Bestzeit in Barcelona. Schumi ist forsch und vorsichtig zugleich.

Von Marc Ellerich

München - Michael Schumacher war in diesem Test-Winter schon einmal der Allerschnellste.

Vor genau einem Monat hatte sich der Mercedes-Star bei den Probefahrten in Jerez an die Spitze des Tableaus geschoben. Seinerzeit winkte die Konkurrenz - so sie denn Notíz genommen hatte - nach Schumachers Bestzeit müde ab.

Eine Showrunde sei das gewesen, stichelte seinerzeit Red-Bull-Pilot Mark Webber, eine Zeit, die vor allem die deutsche Öffentlichkeit beruhigen sollte angesichts der ziemlich holprigen Mercedes-Form. 362290(Bilder der Tests)

Rosberg Dritter

Wie sich das Bild und die Kommentare der Konkurrenten gewandelt haben. Am vorletzten Tag der abschließenden Testfahrten in Barcelona hatte Schumacher im Mercedes erneut die Bestzeit vorgelegt, ja mehr noch, es war die bisher beste Zeit des Winters. (STATISTIK: Die Resultate aus Barcelona)

1:21,249 Minuten hatte Schumacher für seine schnelle Runde benötigt. Der MGP W02 war dabei auf ein sehr leichtes Qualifying-Setup abgestimmt - allerdings mit den weichen, nicht den superweichen Pirelli-Pneus unterwegs.

Nachmittags bestätigte Nico Rosberg als Drittschnellster den deutlichen Sprung, den Mercedes quasi über Nacht gemacht hatte, doch vor allem die Schumacher-Zeit beeindruckte die Konkurrenz.

Vettel überrascht

"Heute waren sie sehr, sehr schnell", kommentierte Weltmeister Sebastian Vettel, selbst nach Problemen mit dem Unterboden und dem Motor seines Red Bull deutlich abgeschlagen, die Fabelzeit seines Freundes.

"Auch wenn die Zeit mit wenig Benzin gefahren wurde, hat sie uns doch überrascht. Und viele andere sicher auch", zitierte "auto, motor und sport" Vettel.

"So eine Zeit muss man erstmal fahren", applaudierte Vettel dem Mercedes-Team und seinem früheren Vorbild Schumacher: "Es scheint, als hätten sie kurz vor Ende noch einmal einen Zahn zugelegt. Ob sie das in Australien bestätigen können, bleibt abzuwarten." Auf jeden Fall aber sei die Silber-Crew schlagartig "in der Liste nach oben gerutscht".

Schumi: Kein WM-Favorit

Schumacher, der bei seiner Fahrt auf Platz eins den in sämtlichen Tests überzeugenden Ferrari-Star Fernando Alonso um gut drei Zehntelsekunden hinter sich gelassen hatte, war danach sehr zufrieden.

"Uns ernst zu nehmen, ist nicht allzu verkehrt", meinte Schumi forsch gegenüber "auto, motor und sport": "Die Zeit, die wir gefahren sind, war nicht so schlecht. Das muss man mal festhalten."

Dennoch ließ sich der Routinier nicht von der eigenen Glanztat übermannen. Er zähle seinen silbernen Rennstall weiterhin nicht zum Anwärter-Kreis auf die WM-Krone, sagte Schumacher auf dem Cirucit de Catalunya: "Wir haben, glaube ich, schon am Anfang gesagt, dass wir uns nicht in dieser Position sehen."

"Definitiv optimistischer"

Er reise aber "definitiv optimistischer" zur Saisoneröffnung beim Grand Prix in Melbourne, so Schumacher. Vorsichtig blieb er dennoch: "Ich gehe mal davon aus, dass nicht alle ihre Karten völlig aufgedeckt haben. Wenn wir in Australien vorne ein Wörtchen mitreden, dann wären wir nicht unzufrieden."

Das "realistische Ziel" des Teams - zunächst Podiumsplatzierungen, dann Rennsiege - bleibe "nach wie vor unverändert, hielt der 42-Jährige fest.

Zufrieden, optimistisch und dennoch zurückhaltend gab sich auch Schumachers Vorgesetzter, Motorsportchef Norbert Haug.

"Vielleicht muss man den Favoritenkreis erweitern", stellte der mächtige Funktionär fest: "Wir wollen jetzt aber nicht übermütig werden."

Haug erfreut

Aber immerhin: "Alles, was die Simulationen versprochen haben, ist auf der Rennstrecke angekommen", meinte Haug und freute sich über die gelungene Strategie seines Teams, die bisher voll aufgegangen zu sein scheint.

Mit einer Basisversion hatte Mercedes zunächst den Testbetrieb aufgenommen und diese dann in der Barcelona-Woche in zwei Schritten generalüberholt. "So haben wir unseren Ingenieuren fünf Wochen mehr Entwicklungszeit gegeben", bilanzierte Haug.

Bestätigung über Long-Runs?

Nun will sein Rennstall den explosionsartigen Formanstieg bestätigen. Um herauszufinden, ob die neue Technik - darunter Auspuff, Unterboden, Heckflügel - sich auch über die Renndistanz bewähren, bleibt Mercedes nicht mehr viel Zeit, nur noch am Samstag darf geübt werden.

Und der Wetter-Gott hat sich noch eine zusätzliche Hürde für die Silbernen ausgedacht: In Barcelona regnet es in Strömen.

Aber vielleicht überrascht der einstige Regengott Schumacher ja gerade deshalb ein weiteres Mal.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: Die News im TV auf SPORT1)

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