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Michael Schumacher ist bis Ende 2012 bei Mercedes unter Vertrag © imago

Die Winter-Tests sind vorbei. SPORT1 benennt Gewinner und Verlierer der Vorbereitung - und wagt eine Prognose für den Start.

Von Marc Ellerich

München - Die Wintertests sind vorüber, die Teams haben zehntausende Kilometer abgespult, um sich für die neue Saison in Form zu bringen. (STATISTIK: Die Resultate aus Barcelona)

Wer steht wo? Welches Auto ist ein Volltreffer? Und wer hat noch viele Hausaufgaben vor sich, oder - schlimmer noch - geht beim ersten Grand Prix womöglich sogar mit einem Flop an den Start? (STATISTIK: Die Resultate aus Jerez)

Das sind die Fragen, und sie zu beantworten, fällt sogar Experten wie Weltmeister Sebastian Vettel schwer. "Dieses Jahr ist es sehr schwierig. Wir wurden oft genug überrascht", stellte der Red-Bull-Star nach dem Testfinale auf dem Circuit de Catalunya in Barcelona fest. 362290(Bilder der Tests)

SPORT1 untersucht, wie die Kräfte zwei Wochen vor dem Saisonstart verteilt sind. (STATISTIK: Die Resultate aus Valencia)

Top-Teams

Red Bull: Das Weltmeister-Team hat die zweitmeisten Kilometer aller zwölf Rennställe abgespult. 6129 Kilometer rissen Vettel und Mark Webber an 15 Testtagen herunter, nur Ferrari fuhr mehr. Vier Mal glänzte Vettel als Tagesschnellster, einmal lag Webber vorne. Das ist der absolute Bestwert aller Teams.

Teamchef Christian Horner sagte: "Wir sind vielleicht in der besten Form aller Zeiten."

SPORT1-Prognose: Der RB7 ist zuverlässig und sehr, sehr schnell. Der Titelverteidiger wird für alle Herausforderer von Beginn an eine ganz harte Nuss.

Ferrari: Das italienische Top-Team mit seinen Stars Fernando Alonso und Felipe Massa ist der eigentliche Gewinner der Testfahrten. Egal ob Kilometer-Leistung des Teams (6975 km), Kilometer-Leistung der Fahrer (Felipe Massa mit 3502 km vor Fernando Alonso mit 3456 km) oder die durchschnittliche Platzierung nach allen 15 Probefahrten - Ferrari ist Erster.

SPORT1-Prognose: Zwischen den Roten und Red Bull geht es von Anfang an extrem eng zu. Ferrari ist ganz gewiss erster und härtester Gegner des Weltmeister-Teams.

Mercedes GP: Das "deutsche Nationalteam" um Michael Schumacher und seinen jungen Kollegen Nico Rosberg legte nach mittelmäßigen Eindrücken in den Tests davor in Barcelona ein furioses Finale hin. Schumacher fuhr eine Bestzeit, die selbst Vettel überraschte. "Sie sind in der Liste nach oben gerutscht", urteilte der Weltmeister.

Wichtige Updates am MGP W02 schlugen voll ein. Nun muss Mercedes den starken Eindruck im Rennen bestätigen. Immerhin: Mit 5591 Kilometern liegen die Silberpfeile auf Platz vier aller Teams.

SPORT1-Prognose: Mercedes sieht sich beim ersten Grand Prix des Jahres noch nicht als Sieganwärter. Aber Platz drei könnte mit etwas Glück drin sein. Dafür müssen Schumi und Rosberg aber Lotus Renault und Sauber schlagen.

Lotus Renault: Mit seiner Front-Auspuff-Lösung überraschte das Team die Konkurrenz, inzwischen findet sich der Renault-Kniff auch bei Red Bull, Ferrari und Mercedes. Und schnell war das Auto von Anfang an: Der später bei einer Rallye schwer verunglückte Robert Kubica glänzte auf Anhieb mit der Bestzeit der ersten Testwoche in Valencia. Sein deutscher Ersatzmann Nick Heidfeld bestätigte diese in Jerez. Die 5031 Test-Kilometer des Teams reichen allerdings nur zu Platz sieben. Teamchef Eric Boullier sagte: "Wir stehen definitiv besser da als vor einem Jahr." In Melbourne wurde Kubica 2010 Zweiter.

SPORT1-Prognose: Renault hat Podiums-Potenzial, allerdings auch erbitterte Konkurrenz. Mercedes, McLaren, Sauber, Williams und Toro Rosso gilt es zu schlagen.

Sauber: Die Szene machte Augen, als der mexikanische Rookie Sergio Perez am drittletzten Testtag in Barcelona die Konkurrenz in Grund und Boden fuhr. Schon vorher mischten Perez und sein japanischer Kollege Kamui Kobayashi immer wieder ganz vorne mit. Beim Durchschnittswert aller 15 Test-Platzierungen bringt es Sauber auf Platz vier, und die Kilometer-Leistung (5914 km) reichte sogar für den dritten Platz hinter Ferrari und Red Bull.

SPORT1-Prognose: Das Team ist einer der heißesten Tipps auf eine Podiumsplatzierung in Melbourne.

Mittelfeld

McLaren: Blufft das Weltmeister-Team oder ist es wirklich nur guter Durchschnitt? Bei allen signifikanten Parametern kam McLaren nur auf bestenfalls annehmbare Werte. 4565 Testkilometer reichten zum drittletzten Platz aller Teams. Bestzeiten? Fehlanzeige. Die Piloten Lewis Hamilton und Jenson Button klingen enttäuscht. Button: "Es ist sicherlich nicht die beste Art, in eine Saison zu gehen."

Allerdings kämen vor dem Start noch einige Updates ans Auto, so der Champion von 2009. Trostpflaster oder Durchbruch? Man wird sehen.

SPORT1-Prognose: In der zuletzt gezeigten Form ist das englische Traditionsteam nicht einmal ein Kandidat fürs Podium in Melbourne. Abschreiben sollte man McLaren deswegen aber noch nicht.

Williams, Force India, Toro Rosso: Alle Drei deuteten ihr Potenzial an. Bei Williams überzeugte Rubens Barrichello sogar mit einer Bestzeit, allerdings bereitet dem Team vor allem KERS große Probleme. Williams hat 4873 Testkilometer absolviert und liegt damit hinter Force India (5435 km) und Toro Rosso (5348 km). "Wir sind noch nicht da, wo wir sein sollten", analysierte Barrichello.

Force Indias Kilometer-Leistung reichte immerhin zu Platz fünf aller Teams, dafür konnte der Rennstall des Deutschen Adrian Sutil nicht durch Tempo überzeugen. Sutil sieht bis zum Saisonstart noch "einige Baustellen" bei Force India.

Toro Rosso schnitt sehr solide ab. In Sachen Kilometerleistung und Tempo lag der kleine Red-Bull-Bruder in der Mitte des Feldes, manchmal glänzte Toro Rosso sogar mit schnellen Zeiten.

SPORT1-Prognose: Drei Mittelfeld-Kandidaten, die durchaus für Überraschungen gut sind. Toro Rosso scheint in der besten Ausgangslage zu sein.

Nachzügler

Lotus, Virgin, Hispania: Die Hinterbänkler. Immerhin einmal glänzte Lotus-Fahrer Jarno Trulli sogar mit einer Tagesbestzeit. Lotus-Technikchef Mike Gascoigne sieht sein Team gar im Mittelfeld.

Wahrscheinlicher ist, dass das Duell zwischen den Newcomern in die zweite Runde geht. Den ersten Sieg landete das Virgin-Team von Timo Glock bei den Testkilometern. 4585 km wurden geleistet, Lotus schaffte 3974. Bei der durchschnittlichen Platzierung aller 15 Testtage drehten die Malaysier dann den Spieß um: 8,83 zu 9,67 lautet hier der Wert. Hispania kam wie 2010 auf keinen einzigen Testkilometer.

SPORT1-Prognose: Das Mittelfeld ist zu stark besetzt, als dass Lotus und Virgin den Teams davor ernsthaft Konkurrenz machen könnten. Hispania fährt um die Rote Laterne.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: Die News im TV auf SPORT1)

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