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Weltmeister Sebastian Vettel hat mit dem Red-Bull-Team 20 Rennsiege eingefahren © getty

Die Top-Teams haben nach den ersten Tests Arbeit vor sich. Mercedes wartet aufs Auto. Räikkönen sorgt für Aufsehen. Test-Fazit.

Von Christoph Lother

München - Die ersten Tests in der neuen Saison sind absolviert, doch das interessierte Publikum stochert weiter im Nebel.

Die im spanischen Jerez gedrehten Runden lassen reichlich Raum für Spekulationen, mit ernsthaften Erkenntnissen ist wohl erst während der zweiten Testphase in Barcelona vom 21. bis 24. Februar zu rechnen (DATENCENTER: Rennkalender 2012).

Und neben Doppel-Weltmeister Sebastian Vettel im Red Bull nutzten auch die Piloten der anderen Topteams die ersten Kilometer im neuen Jahr vor allem dazu, sich an ihre neuen Boliden zu gewöhnen.

Das endgültige Feintuning für den Saisonstart am 14. März in Australien wird später folgen.

Alles im Soll bei Red Bull

"Wir stehen da, wo wir erwartet hatten, zu stehen", lautete das lakonische Fazit von Red-Bull-Renningenieur Ian Morgan (SERVICE: Resultate aus Jerez).

Die technischen Probleme, mit denen Vettel und Mark Webber in Jerez zu kämpfen hatten, brachten Morgan keineswegs aus der Ruhe. (BERICHT: Namenlose Neue zickt)

"Das ist Teil und Sinn solcher Tests. Du bringst ein komplexes Auto erstmals auf die Strecke und es bedarf nur eines kleinen Teilchens, dein Programm durcheinander zu bringen."

Die Blicke richten sich bereits nach Barcelona: "Wir werden das Auto nun als Ganzes nach Hause bringen, alles genau untersuchen, es auseinanderbauen und dann für die Tests in Barcelona wieder zusammensetzen. Alles in allem war es eine positive Woche."

Vettel muss RB8 kennen

Auch Vettel zeigte sich ob der zwischenzeitlichen Probleme mit Motor und Elektronik unbesorgt: "Es ist völlig normal, kleinere Schwierigkeiten zu haben."

Insgesamt seien seine "Eindrücke von unserem neuen RB8 extrem positiv, auch wenn wir uns erst noch richtig 'kennen lernen' müssen", sagte der 24-Jährige.

[kaltura id="0_k5ws7pdc" class="full_size" title="Vettel stellt den RB8 vor"]

Mehr Speed? Vettel zweifelt

Das Ziel für die kommenden Wochen gab der Heppenheimer auch schon aus:

"Das, worauf wir uns am meisten konzentrieren, ist natürlich die Geschwindigkeit. Ich denke, es ist immer möglich, ein schnelles Auto zuverlässiger zu machen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob man auch ein zuverlässiges Auto noch schneller machen kann."

Alonso sieht Verbesserungsbedarf

Für WM-Konkurrent Ferrari verliefen die ersten Tests im neuen Jahr ebenfalls nicht ganz reibungslos. (BERICHT: Ferrari im Bann der "Roten Hexe")

Zwar markierte Fernando Alonso am letzten der vier Testtage in Jerez die Tagesbestzeit, doch zuvor hatte die Scuderia neben Geschwindigkeits- auch mit Hydraulikproblemen zu kämpfen.

"Es gibt noch viel zu tun, speziell auf den Gebieten der Aerodynamik und der Zuverlässigkeit", bilanzierte der Spanier.

"Rote Hexe" bringt Zuversicht

Wirkliche Sorgen macht sich Alonso um seinen neuen Boliden, der wegen seiner wenig attraktiven und markanten Buckelnase in den Medien schon als "rote Hexe" tituliert wurde, aber nicht ( 514525 DIASHOW: Ferraris "rote Revolution" ).

"Über den gesamten Zeitraum des Tests haben wir uns stark verbessert. Obwohl das Auto sehr komplex ist, haben wir in Jerez sofort die erwarteten Rückmeldungen bekommen, sobald wir Veränderungen vornahmen", sagte Alonso.

Ähnlich wie Vettel gibt sich auch der Weltmeister von 2005 und 2006 hinsichtlich des bevorstehenden Trips nach Barcelona optimistisch:

"Tiefgründige Setup-Arbeit konnten wir noch nicht betreiben, weshalb ich davon ausgehe, dass wir einen Schritt nach vorn machen werden, sobald wir uns intensiver damit befassen können."

McLaren hat Luft nach oben

Einen Schritt nach vorn machen möchte in Barcelona gewiss auch McLaren (BERICHT: McLaren hat nur ein Ziel).

Noch hat sich die gegenüber der Konkurrenz deutlich tiefere und auf eine Steigerung der Aerodynamik ausgelegte Nase des MP4-27 jedenfalls nicht ausgezahlt.

So musste sich Jenson Button an den ersten beiden Tagen in Jerez jeweils mit Rang acht begnügen, auch Lewis Hamilton blieb zweimal als Vierter hinter Titelverteidiger Vettel zurück.

Schumi noch im alten Auto

Für Mercedes geht die Saison mit der Präsentation des neuen Boliden am 21. Februar in Barcelona erst richtig los (Schumi: Kein Weltmeister-Auto).

In Jerez fuhren Michael Schumacher und Nico Rosberg noch mit dem Auto von 2011, die jeweiligen Bestzeiten der beiden Deutschen am zweiten und dritten Tag blieben somit weitgehend bedeutungslos.

Der angeblasene Diffusor, mit dem die Mercedes-Piloten bislang noch unterwegs waren, ist ab dieser Saison verboten und so dienten die absolvierten Runden auf dem Circuito de Jerez wohl allenfalls als Reifentests. Dafür überraschte das Silberpfeil-Team mit einem neuartigen F-Schacht in der Frontpartie, den die Piloten nahezu unbemerkt in Spanien erprobten.

Lotus und "Iceman" überraschen

Spannung verspricht auch die weitere Entwicklung von Lotus.

An allen vier Testtagen in Jerez schaffte es einer der beiden Piloten unter die Top-Five. Rückkehrer Kimi Räikkönen gelang am ersten Tag sogar die Bestzeit. (Cooler Iceman: Bestzeit interessiert mich nicht)

"Ich hatte bei der ersten Ausfahrt mit einem neuen Rennauto schon viel schlechtere Eindrücke", zeigte sich der "Iceman" zufrieden: "Diesmal ist das erste Gefühl gut, und es trügt mich selten."

Und auch die Konkurrenz war beeindruckt. "Dieser Lotus ist ein echt gutes Auto", lobte Vettel.

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