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Mercedes belegte in der vergangenen Saison den vierten Platz der Konstrukteurs-WM © imago

Bei den Testfahrten sorgt Mercedes mit viel Geheimnistuerei für Spekulationen. Red-Bull-Boss Horner hat Silber auf der Rechnung.

Von Olaf Mehlhose

München - Michael Schumacher zog ein positives Fazit.

Nachdem er bei seinem persönliches Testfinale in Barcelona auf Rang zwei gelandet war, zeigte sich der Mercedes-Superstar sehr zufrieden mit den ersten Eindrücken, die er im neuen Silberpfeil gesammelt hatte. (521624DIASHOW: Die Tests in Barcelona)

"Wir haben das Auto im Vergleich zum Vorjahr auf jeden Fall verbessert", meinte Schumi, der in der vergangenen Saison einen Platz hinter Teamkollege Nico Rosberg den achten Platz der WM-Wertung belegt hatte.

Aufgewertet wurde seine Zeit durch die Tatsache, dass er während der 127 Runden auf dem Traditionskurs in Montmelo eigentlich nur an der richtigen Rennabstimmung feilte. (SERVICE: Alle Resultate aus Barcelona)

Dass Red-Bull-Pilot Mark Webber den Circuit de Catalunya im Rennmodus allerdings noch deutlich schneller umkurvte, dürfte nicht nur Rekordchampion Schumacher zu denken geben.

Schumi wiegelt ab

Vielleicht auch deshalb stellte der 43-Jährige im gleichen Atemzug klar, dass es weder für Mercedes noch für die zahlreichen Anhänger des deutschen Vorzeige-Rennstalls einen Grund gäbe, in Euphorie zu verfallen.

"Die Frage ist, wie sehr wir uns im Vergleich zu den anderen Teams verbessert haben", betonte der siebenmalige Weltmeister: "Das ist etwas, was wir im Moment noch nicht wissen." (BERICHT: Detailarbeit statt Knalleffekte)

Brawn: Auto nicht siegfähig

Angesprochen auf die Erfolgsaussichten seines Rennstalls gab sich "Superhirn" Ross Brawn ähnlich zurückhaltend wie sein berühmter Angestellter.

"Noch nicht", antwortete der britische Teamchef auf die Frage, ob Mercedes bereits ein siegfähiges Auto habe: "Es gibt noch jede Menge zu tun, und es ist auch noch viel zu früh, um ein Urteil abzugeben.

[kaltura id="0_b55p0ze7" class="full_size" title="Mercedes Mit Zauber Nase zum Titel "]

Gleichzeitig betonte er, dass "beide Fahrer in der Lage sind, Rennen zu gewinnen, darüber besteht für mich kein Zweifel. Ich glaube nicht, dass wir jetzt bereits das Auto dafür haben, aber wir haben in den letzten 12 Monaten einen großen Schritt nach vorne gemacht."

Paranoia in Silber

Geht es darum, die wahre Leistungsstärke von Mercedes einzuschätzen, fischen die Widersacher im Kampf um Rennsiege und WM-Punkte ebenfalls im Trüben. Fraglich ist, ob die Silbernen beim Kräftemessen in Barcelona überhaupt alle Karten auf den Tisch gelegt haben.

"Auto, Motor und Sport" berichtete von einem einmaligen Versteckspiel in der Box der selbsternannten "deutschen Nationalmannschaft der Formel 1".

Sobald die Silberpfeil-Piloten ihr neues Arbeitsgerät an den Mercedes-Kommandostand lenken, würden sofort ein paar Mechaniker bereit stehen, die den Wagen - insbesondere den Diffusor - verdeckten, so die Beobachtung.

Mehr noch: Der Wagen parke immer so, dass er nicht von oben fotografiert werden könne, und die gesamte Garage der Silbernen werde durch meterhohe Wände abgeschirmt.

Was verbirgt Mercedes?

Die fast schon penetrante Geheimniskrämerei wirft bei der Konkurrenz sowie der stets wissbegierigen Formel-1-Presse natürlich die Frage auf, welches Detail ihres neuen Gefährts die Silbernen denn mit aller Macht verbergen wollen.

Zahlreiche Spekulationen über die neueste technische Errungenschaft beim Vierten der Team-WM 2011 machten bereits die Runde.

Besonders hartnäckig halten sich Gerüchte um einen Mini-Flügel auf dem Diffusor zur Umleitung der Abgase und eine bereits mehrfach kolportierte Strömungshilfe im Frontflügel.

Neuerdings gibt es nun auch die Vermutung, Mercedes teste ein System, bei dem der verstellbare Heckflügel mit einem passiven F-Schacht gekoppelt werde.

Horner mit Respekt

Die endgültige Auflösung, ob es sich um einen Geniestreich oder doch nur heiße Luft handelt, wird es wohl erst beim Saisonauftakt in Australien geben.

Der Klassenprimus Red Bull hat das Team mit dem Stern auf jeden Fall auf der Rechnung.

"Sie sind ein gutes Team", unterstrich Teamchef Christian Horner: "Sie haben einige gute Leute, daher wäre es verrückt, sie zu unterschätzen. Aber die Stoppuhr lügt nie. Daher werden wir in Melbourne sehen, wie die Hackordnung aussieht."

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