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Das Lotus-F1-Team bricht die Testfahrten in Barcelona bereits nach sieben Runden ab © imago

Wegen eines defekten Chassis bricht Lotus die Barcelona-Tests frühzeitig ab. Rückkehrer Räikkönen verliert wertvolle Tage.

Von Olaf Mehlhose

München - Bereits nach sieben Runden war Schluss.

Ein Riss im Chassis des neuen Boliden beendete die Testfahrten des Lotus-F1-Team in Barcelona am ersten Tag frühzeitig. (515775DIASHOW: Räikkönens neuer Schwarzer)

Romain Grosjean hatte im E20 gerade einmal 32,585 Kilometer zurückgelegt.

Ursprünglich hatte der Rennstall geplant, das Auto einzufliegen, das bei den Jerez-Tests noch problemlos funktioniert hatte. Bei einer Prüfung im Werk in Enstone stellte sich allerdings heraus, dass bei dem Modell derselbe Fehler auftreten könnte. (SERVICE: Die Resultate aus Jerez)

Weil die Sicherheit der Piloten unter diesen Umständen nicht garantiert werden konnte, reiste Lotus kurzerhand ab.

Teamchef Eric Boullier sprach von einer "harten, aber richtigen Entscheidung."

Boullier zuversichtlich

Damit der Abstand auf die Konkurrenten zum Saisonstart nicht weiter anwächst, ist es aber unabdinglich, dass das Chassis-Problem bis zum Start der abschließenden Tests in Barcelona (1. - 4. März) gelöst wird. (DATENCENTER: Der Rennkalender 2012)

Boullier zumindest scheint sich darüber keine Sorgen zu machen: "Das Positive ist, dass wir den Grund schnell herausgefunden haben, und unser Design-Büro schon eine Lösung entwickelt hat."

Chassis zu weich

Über den Grund für das lädierte Chassis gab es unterdessen viele Vermutungen.

Die derzeit plausibelste Erklärung ist, dass sich das Team beim Bau des neuen Autos verspekuliert und ein zu leichtes Fahrgestell entworfen hat, das insbesondere im Bereich der Vorderachse zu weich geraten ist.

Lotus plant offenbar die Chassis-Problematik durch Nachlaminieren in den Griff zu bekommen. Im Vorjahr konnte das Force-India-Team einen ähnlichen Defekt an seinem Boliden auf diesem Weg zügig beheben.

Einem viertägigen Einsatz auf dem Circuit de Catalunya sollte demnach nichts im Wege stehen.

Zusätzlicher Testtag

Fakt ist aber, dass das ambitionierte Team in schwarz-gold durch die eingebüßten Testtage entscheidend zurückgeworfen wird.

Um das Desaster in Grenzen zu halten, beantragte Lotus einen Extra-Testtag am 6. März - dazu ist es allerdings notwendig, dass die anderen Teams dem Gesuch einheitlich zustimmen.

Die Chancen stehen nicht schlecht. "Der Antrag wird wahrscheinlich akzeptiert", sagte Mercedes-Boss Ross Brawn.

Teilschuld bei Lotus

Zumindest eine Teilschuld für den ausgefallenen Barcelona-Testlauf, muss Lotus bei sich selbst suchen.

Starpilot Kimi Räikkönen monierte bereits in Jerez, dass die Lenkung nicht einwandfrei funktionierte.

Da der Fehler durch eine Änderung Lenkungseinstellungen behoben werden konnte, wurde die Ursache nicht mehr weiter verfolgt.

Räikkönen verliert zwei Tage

Dem Finnen, der in Andalusien mit seiner Bestzeit an Tag eins (Bericht) für einen vielversprechenden Auftakt gesorgt hatte, dürften die beiden verlorenen Arbeitstage gründlich die Laune verhagelt haben - auch wenn sich aus dem Minenspiel des "Iceman" erwartungsgemäß nichts ablesen ließ. (SERVICE: Die Resultate aus Barcelona)

Nach seiner zweijährigen Formel-1-Abstinenz ist für den 31-jährigen Rückkehrer jeder Test Gold wert.

Experten bezweifeln ohnehin, dass er die Umstellung auf die Königsklasse nach seinem Rallye-Intermezzo problemlos bewältigen wird.

"Kimi wird Zeit brauchen"

Der frühere Formel-1-Pilot Anthony Davidson ist sich sicher, dass Räikkönen "Probleme haben wird. Wir haben das ja auch bei Michael (Schumacher, d. Red.) gesehen. Er hat Zeit gebraucht, um wieder voll reinzukommen, und Kimi wird sie auch brauchen".

Und weiter: "Der Unterschied zwischen einem Rallye- und einem Formel-1-Auto ist gewaltig. In der Formel 1 sprechen wir ständig über feinste Details, da geht es um Bruchteile von Sekunden."

Die dezimierte Vorbereitung macht die Aufgabe für den Ex-Champion jedenfalls nicht einfacher.

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