Mercedes mischt das Testfinale in Barcelona mit Fabelzeiten auf. Ist dem deutschen Rennstall der große Wurf gelungen?

Tests sind Tests, das sollten die Fans der Silberpfeile nie vergessen.

Es wird gepokert, getarnt, getrickst, getäuscht, was das Zeug hält.

So lag zum Beispiel am Finaltag zur Mittagszeit auf dem Circuit de Catalunya in Montmelo Sebastian Vettel, der jüngste Dreifach-Weltmeister der Formel-1-Geschichte, mehr als zwei Sekunden hinter der Bestzeit von Mercedes-Star Nico Rosberg.

Rosberg? Mercedes? Wie kann das sein, das werden sich nicht nur die aufgescheuchten Journalisten im Pressezentrum der Rennstrecke vor den Toren Barcelonas gefragt haben.

Mercedes - ist das nicht das Team, das seit seiner Rückkehr in die Formel 1 2010 sehr viel versprochen und bis auf einen Rennsieg des besagten Rosberg äußerst wenig davon eingelöst hat?

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Der deutsche Renommier-Rennstall, der den Rekord-Weltmeister Michael Schumacher während seiner Zweit-Karriere verschlissen hat und sich nach dem dritten Krisenjahr in Folge von seinem langjährigen Motorsportchef Norbert Haug als einem der Väter des Misserfolgs trennte.

Der Abschied des anderen, Motorsport-Legende Ross Brawn, schien bis vor Kurzem ebenfalls Beschlusslage zu sein, der vermeintliche Nachfolger ist vom neuen Führungsduo Niki Lauda und Toto Wolff bereits angeheuert worden.

Was Brawn, das einstige Superhirn der Formel 1, indes retten könnte, ist die verblüffende Tatsache, dass Mercedes bei den diesjährigen Wintertests, vor allem beim Finale auf dem Circuit de Catalunya, das Feld der elf Teams gewaltig aufgemischt hat.

Rosberg und sein neuer Nebenmann Lewis Hamilton brannten Fabelzeiten in den Asphalt. So flott wie das Silber-Duo war seit dem Umbau der Strecke 2007 kein Pilot mehr auf dem Circuit de Catalunya unterwegs gewesen.

Es sieht - sollten nicht alle Eindrücke täuschen - tatsächlich so aus, als sei den beiden Platzhirschen Red Bull und Ferrari ein harter WM-Konkurrent erwachsen. Zumindest könnten die neuen Silberpfeile McLaren als dritte Kraft im Favoriten-Rondell ablösen.

Vorfreude ist erlaubt, Vorsicht dennoch geboten. Revolutionen finden in der Formel 1 eher selten statt.

Für die letzte sorgte 2009 ein Team namens Brawn GP.

Ob dem englischen Rosen-Liebhaber Brawn der nächste umtoste Coup seiner beeindruckenden Karriere gelungen ist, wird man frühestens beim Saisonstart in Australien erleben.

Bis dahin dürfen vor allem die Fans träumen - und die neue Mercedes-Crew macht vielleicht sogar ein klein wenig dabei mit.