In seiner Sport1.de-Kolumne lobt DSF-Experte Udo Lattek den Meister und fällt ein hartes Urteil über Klinsmanns Arbeit bei Bayern.

Hallo Fußball-Freunde,

Glückwunsch an Felix Magath und den VfL Wolfsburg zur deutschen Meisterschaft, mit der ich spätestens nach dem 33. Spieltag gerechnet hatte.

Die Stärke des VfL war ihre Konstanz - und die Schwäche der anderen Mannschaften.

Wolfsburg ist durchmarschiert. Dagegen sind die anderen Teams nacheinander alle eingeknickt, wenn sie Tabellenführer waren - Hertha, HSV, Hoffenheim waren kurzfristig oben und sind dann weggebrochen.

Der FC Bayern dagegen hat es in der ganzen Saison kein einziges Mal an die Tabellenspitze geschafft. Das spricht für sich und eine eindeutige Sprache über die Arbeit von Jürgen Klinsmann.

Ich glaube, er hätte ein bisschen mehr Sachverstand vom Fußball haben müssen. Ich will damit nicht sagen, dass er keine Ahnung hat.

Aber er war mehr ein Trainer, der die Mannschaft körperlich fit machen will, der sich auf die Leichtathletik konzentriert hat. Wenn man mit ihm über Fußball und Taktik sprechen wollte, dann hat er Defizite gehabt.

Eine Mannschaft merkt sofort, was mit einem Trainer los ist. Ich habe Uli Hoeneß gesagt, dass es vielleicht noch zur Meisterschaft gereicht hätte, wenn er Klinsmann früher entlassen hätte.

Aber Uli hat mir erklärt, dass sie Klinsmann aus menschlicher Perspektive nicht sofort wieder fallen lassen wollten - das hat mir sehr imponiert.

Überhaupt nicht imponiert hat mir dagegen das Vorgehen des Bielefelder Vorstands, Michael Frontzeck einen Spieltag vor Schluss gegen Jörg Berger auszutauschen.

Eine solche Entscheidung ist normalerweise nicht nachvollziehbar und für mich absolut grenzwertig.

In fünf Spielen kann man als Trainer noch etwas bewegen, das hat Jupp Heynckes bei Bayern gezeigt. Aber für ein Spiel - da kann man als Trainer überhaupt nichts mehr machen.

Du kannst dich höchstens als Kasper an die Seitenlinie stellen, ein bisschen mit den Händen wedeln und dann muss es funktionieren. Hat es bei Berger aber nicht.

Stattdessen hat der alte Trainerfuchs Hans Meyer meine Gladbacher gerettet und Cottbus immerhin noch die Relegation erreicht.

Dort traue ich Energie alles zu, weil sie unheimlich heimstark sind. Sie haben nur den Nachteil, dass das erste Spiel zu Hause ist.

Aber grundsätzlich halte ich Cottbus für so stark und so gut besetzt, dass sie den Klassenerhalt sozusagen im Nachsitzen schaffen werden.

Euer Udo Lattek

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