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Sean Dundee (M.) erzielte für Karlsruhe 36 Bundesligatore © imago

Der Verband geht nach den Manipulationsvorwürfen in die Offensive. Sean Dundee bestätigt unterdessen Bestechungsversuche.

Berlin/Frankfurt - Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) geht nach dem Anfangsverdacht um manipulierte Spiele im deutschen Fußball in die Offensive.

Der DFB nahm am Montag im Zusammenhang mit den Manipulationsvorwürfen für das Bundesligaspiel Hannover 96 gegen den 1. FC Kaiserslautern (5:1/26. November 2005) sowie der Zweitligabegegnung Karlsruher SC gegen Sportfreunde Siegen (2:0/7. August 2005) Kontakt mit der Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main auf.

Dies sei in Absprache mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) geschehen, teilte der DFB mit. Das besagte Zweitligaspiel war bereits im Jahr 2007 Gegenstand eines früheren Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen den Malaysier William Bee Wah Lim.

Damals wurde die Partie jedoch aus Mangel an Beweisen nicht zur Anklage gebracht. Der DFB prüft nach den neuen Verdachtsmomenten durch den kanadischen Enthüllungsautor Declan Hill sowie des Nachrichtenmagazins "Spiegel", ob das sportgerichtliche Verfahren wieder aufzunehmen ist.

Inzwischen hat Karlsruhes ehemaliger Stürmer Sean Dundee in der "ARD" bestätigt, 2005 von einem angeblichen Fan ein finanzielles Angebot für eine Manipulation bekommen zu haben.

"Der hat nur gesagt, ob ich mir vorstellen kann für Geld - 10-, 15-, 20 000 Euro - einen Elfmeter zu verschießen. Ich habe gesagt, so etwas mache ich nicht", sagte das frühere "Tor-Krokodil". Der 35-Jährige erklärte weiter, dass zwei weitere KSC-Spieler Angebote erhalten hätten.

Buchautor relativiert Vorwürfe

Gleichzeitig relativierte Buchautor Declan Hill allerdings seine Vorwürfe.

"Ich habe nie gesagt, Bundesliga- oder WM-Spiele seien manipuliert worden", erklärte Hill bei der Präsentation seines Buches "Sichere Siege" in Berlin. "Ich bin in diversen Medien falsch zitiert worden."

"Jeder kann sich bedienen"

Der DFB kündigte dennoch an, auch bezüglich der Bundesligapartie Hannover-Kaiserslautern, die bislang keine staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen nach sich zog, die Veröffentlichungen auswerten und in die laufende Prüfung einbeziehen zu wollen.

Hill kritisierte die fehlende Sensibilisierung der Fußball-Funktionäre für das Thema Wettmanipulation. "Es ist wie ein großer Süßigkeitenladen ohne Tür. Jeder kann hereinspazieren und sich bedienen", sagte er.

"Der Sport, den wir alle lieben, ist wegen Korruption und Manipulation in großer Gefahr."

Damba verteidigt sich

In seinem Buch berichtet der 43-Jährige über eine international operierende Wettmafia, die neben den beiden deutschen Ligaspielen unter anderem auch das Achtelfinale der WM 2006 in Deutschland zwischen Ghana und Brasilien (0:3) manipuliert haben soll.

Der von Hill als Drahtzieher des vermeintlichen WM-Betrugs genannte ehemalige ghanaische Nationalkeeper Abukari Damba hat die Anschuldigungen inzwischen via "Bild"-Zeitung zurückgewiesen.

"Der Mann hat mich gelinkt, der will mich und meine Familie fertigmachen", behauptet der 36-Jährige. "Ich bin ein unschuldiger schwarzer Mann." Er habe, schränkte Damba ein, den Spielern "nur erlaubt, mit Vermittlern vor dem Spiel zu sprechen. Ich selbst habe kein Geld weitergegeben, damit sie das Spiel verlieren."

Zwei weitere Spiele verschoben?

Laut "Bild" sollen auch das WM-Achtelfinale England gegen Ecuador (1:0) und Italien gegen die Ukraine (3:0) manipuliert worden sein.

Der DFB hat das Frühwarnsystem Sportradar beauftragt, die deutschen Liga-Spiele nach Auffälligkeiten zu überprüfen. Den illegalen Wettmarkt in Asien könnten solche Systeme jedoch nicht kontrollieren, entgegnete Hill, der von einem "Multi-Milliarden-Geschäft" spricht.

Der promovierte Wissenschaftler hat sich während der dreijährigen Recherche auch mit FIFA-Präsident Joseph S. Blatter getroffen und über seine Ergebnisse gesprochen. "Ich glaube nicht, dass es stimmt", wird Blatter in dem Buch zitiert. Aber wenn es so wäre, "dann haben wir versagt. Absolut".

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