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Noch einmal vereint beim Training: Oliver Kahn (r.) und Sepp Maier © getty

Tränen, Golf und Fitness: Freund und Mentor Sepp Maier spricht im Interview mit Sport1.de über das Abschiedsspiel von Oliver Kahn.

Von Christian Paschwitz

München - Sein Credo lautete: Immer weiter! Doch nun ist für Oliver Kahn endgültig Schluss.

Bayerns Ex-Torwart verabschiedet sich nach mehr als 20 Profijahren in den Ruhestand. Mit einem Abschiedsspiel am Dienstag (20 Uhr) in der Münchner Allianz-Arena gegen die deutsche Nationalmannschaft.

"Ich glaube schon, dass da bei ihm Tränen fließen", sagt Ex-Nationalkeeper Sepp Maier im Interview mit Sport1.de.

Bei Sport1.de spricht Kahns langjähriger Wegbegleiter und Torwart-Trainer über die gemeinsamen Jahre mit dem "Titan" - und eine mögliche Zukunft.

Sport1: Sie haben mal gesagt: Oliver Kahn hat die beste Einstellung mitgebracht, die ich je bei einem Profi erlebt haben. War das letzte Training mit dem "Titan" also noch mal richtig Ernst?

Sepp Maier: Wir haben wie immer viel geflachst und Gaudi gemacht. Denn der Oliver ist ja trotz seines Ehrgeizes schon in den letzten Jahren immer lockerer geworden. Aber wir haben natürlich kein Kaffeekränzchen abgehalten: Er musste sich schon erst mal wieder ans Arbeitsgerät gewöhnen. Oliver hat ja drei Monate nichts mehr getan, außer einem Golfball hat er nix Rundes gesehen. Da mussten wir schon sehen, dass er wieder reinkommt. Aber er hat das ganz gut gemeistert.

Sport1: Also dürfte er kein Problem damit haben, die 75 Minuten seines Abschiedsspiels zu "überleben", wie er es selbst formuliert hat?

Maier: Er wird wirklich eine gute Figur machen. Denn er ist fitter, als ich erwartet habe nach drei Monaten Pause. Ich war echt überrascht, er ist schlanker als je zuvor. Ich habe mir nur wieder mal gedacht: Ist eigentlich schade, dass der Oliver aufgehört hat.

Sport1: Warum?

Maier: Körperlich könnte er auf alle Fälle noch eine Saison dranhängen. Auf der anderen Seite ist aber gut, wenn man auf der Leistungsobergrenze aufhört. Irgendwann muss halt mal Schluss sein. Und deshalb steigt jetzt ja auch noch mal ein großes Abschiedsfest in der Arena.

Sport1: Was schenken Sie ihm denn zum Abschied?

Maier: Geschenke von mir gibt's keine. Die schönsten Geschenke haben wir uns sowieso selber gemacht. Das war eine schöne Zeit, diese 14 Jahre, ich möchte das nicht missen - nicht nur wegen des Erfolgs, sondern auch, weil es menschlich so toll passte mit ihm. Wir werden uns aber sicherlich nicht aus den Augen verlieren. Für uns wird es viel leichter ohne diesen ganzen Stress am Hals. Und darauf freue ich mich.

Sport1: Hat er Ihnen gegenüber eigentlich die Sorge darüber bekundet, sich emotional überwältigen zu lassen von der Atmosphäre und ein Tränen zu vergießen so wie im Mai Ottmar Hitzfeld?

Maier: Der Olli ist doch viel zu stabil, warum sollte er da flennen? Der Oliver ist doch kein Milchmädchen, sondern ein gestandener Mann.

Sport1: Naja, aber selbst die härtesten Kerle sind manchmal dicht am Wasser gebaut...

Maier: Jetzt wo Sie es sagen, und ich mich an mein eigenes Abschiedsspiel erinnere: Er wird wohl wirklich Gänsehaut bekommen und frösteln. Besonders wenn er dann in der 75. Minute vom Rasen geht und ihn die ganzen Leuten mit Standing Ovations verabschieden. Das geht dann schon unter die Haut. Mensch, da kriege ich selbst jetzt ja wieder Gänsehaut nur vom Reden. Ich habe das ja schon mal miterlebt: 1980 vor 78.000 im Olympiastadion, und ich kann das ganz gut nachfühlen. Wenn ich da dran denke, stellen sich mir die Haare auf?

Sport1: Also doch.

Maier: Ich habe da auch ein paar Tränen verdrückt, das ging mir sehr nahe. Und wie ich das jetzt so erzähle, weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr, ob der Oliver wirklich so hart ist. Ich korrigiere also: Ich glaube schon, dass bei ihm Tränen fließen und ihm unter die Haut gehen.

Sport1: Vielleicht sogar Freudentränen, wenn er endlich mal ein Tor schießt?

Maier: Ich würde es ihm gönnen, obwohl er doch Tore verhindern soll, und nicht schießen. Wir haben allerdings keine Elfmeter simuliert oder heimlich geübt. Müssen wir auch nicht: Der Oliver und ich, wir sind doch Situationskomiker. Und wenn die Situation kommt (dass Kahn einen Elfmeter schießt, Anm. d.R.), dann wird er das schon machen.

Sport1: Ist es eigentlich gut, dass Kahn nach seiner Karriere gleich wieder so viel um die Ohren hat, unter anderem Torhüter-Talente in Asien castet und Fernseh-Experte wird?

Maier: Auf jeden Fall, da kommt er dann auch nicht auf dumme Gedanken. Er will ja in China einiges machen in Sachen Nachwuchsarbeit. Mit mir zusammen ist da aber nichts angedacht. Auf jeden Fall aber wird er schauen, dass er im Golf schön weit vorankommt. Das ist wohl sein Hauptaugenmerk.

Sport1: Wozu Sie ihn gebracht haben?

Maier: Das stimmt, er hatte ein paar Mal bei mir zugeschaut. Dann hat er es während eines Trainingslagers selber mal angefangen. Er kann's auch schon ganz gut und möchte immer besser werden. Das ist das Gleiche bei ihm wie beim Fußball: Er möchte überall perfekt sein. Denn wenn der Oliver Kahn was anfängt, dann macht er es gescheit oder gar nicht.

Sport1: Trauen Sie ihm eine zweite Karriere als Golfer zu?

Maier: Vielleicht sehen wir ihn irgendwann mal neben Tiger Woods spielen. Von mir kann er auch noch ein bisschen Anschauungsunterricht nehmen. Und schon jetzt sind wir dauernd gemeinsam bei irgendwelchen Charity-Turnieren unterwegs.

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