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Joachim Löw ist seit August 2006 Bundestrainer © getty

Auch der Bundestrainer kritisiert das Trainer-Hopping. Zwischen Oliver Bierhoff und Michael Ballack droht neuerlicher Streit.

München - Bundestrainer Joachim Löw hat seinen "untreuen" Kollegen die Leviten gelesen und das Trainer-Hopping in der Fußball-Bundesliga kritisiert.

"Es kann nicht sein, dass man bei einem besseren Angebot sofort den Klub wechselt. Das halte ich für eine gefährliche Entwicklung. Es muss Werte und Regeln geben, an die man sich hält", sagte der 49-Jährige im Interview mit dem "Express".

Als "fragwürdig" bezeichnete Löw zudem die Tendenz, dass in den Trainer-Verträgen immer häufiger Ausstiegsklauseln zu finden seien. Diese halte er "für falsch", meinte Löw.

"Die Klubs haben überhaupt keine Planungssicherheit mehr. Außerdem ist das Signal, das nach außen gesendet wird, verheerend. Ich teile da die Meinung von Jupp Heynckes. Ich habe in meiner Karriere noch nie einen Vertrag gebrochen und habe es auch in Zukunft nicht vor."

Löw appelliert an Vorbildfunktion

Dass Felix Magath, Martin Jol, Bruno Labbadia oder Christoph Daum zuletzt trotz noch laufender Verträge einen Wechsel forciert hatten, hält Löw mit Blick auf die seiner Meinung nach ohnehin nicht sonderlich stark ausgeprägten Moralvorstellungen der Spieler für gefährlich. 113025(DIASHOW: Das Trainerkarussell)

"Als Trainer muss man vorangehen. Ich kann doch den Spielern nicht sagen, dass sie zu ihrem Wort stehen müssen, wenn ich es nicht selbst vorlebe. Ich erwarte schließlich auch von den Spielern, dass sie zu ihrem Wort und ihren Verträgen stehen", sagte Löw.

"Wo bleibt da die Identifikation mit dem Verein, seinen Fans und dem Umfeld?" fragt er sich.

"Wirkung auf junge Spieler verheerend"

Zuvor hatten bereits Bayer Leverkusens neuer Coach Heynckes, Liga-Boss Reinhard Rauball, Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff und DFB-Sportdirektor Matthias Sammer an die Vertragstreue der Übungsleiter appelliert. (Heynckes kritisiert Labbadia)

"Die Trainer haben auch einen erzieherischen Auftrag, sollen Vorbild sein. Wenn keiner seinen Vertrag einhält, dann ist das schlecht und unglaubwürdig. Die Wirkung auf junge Spieler ist verheerend", sagte Sammer.

Grundsatzgespräch nach erfolgreicher Quali

Löw stellte derweil klar, dass er auch in Zukunft an seinen abgeschlossenen Verträgen festhalten will.

Ob er seinen nach der WM 2010 in Südafrika auslaufenden Vertrag beim DFB noch einmal verlängern wird, steht derzeit jedoch noch nicht fest.

"Erst einmal möchte ich die WM-Qualifikation schaffen. Dann kann man sich zusammensetzen und ein Grundsatzgespräch führen, wie es weitergeht", sagte Löw, der die angedachte Vertragsverlängerung des DFB mit Teammanager Bierhoff "ein wichtiges Signal" nannte.

Bierhoff attackiert Michael Becker

Derweil schoss Bierhoff am Mittwoch einen verbalen Giftpfeil in Richtung des Beraters von DFB-Kapitän Michael Ballack.

Bierhoffs Vorwurf: Der Rechtsanwalt Michael Becker lanciere bewusst Interviews mit seinem Schützling.

"Ich habe das Gefühl, dass er immer wieder angestachelt wird. Dass solche inszenierten Interviews vor so einer Reise stattfinden, gehört offenbar zu der Arbeitsweise seines Beraters", sagte Bierhoff mit Blick auf ein "FAZ"-Interview kurz vor der Asien-Reise der Nationalmannschaft.

In diesem Interview hatte Ballack erneut über die Folgen der Ohrfeigen-Affäre mit Lukas Podolski spekuliert.

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