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Oliver Kahn stand von 1994 bis 2008 beim FC Bayern München im Tor © getty

Mit einem Abschiedsspiel endet heute die Ära Oliver Kahn. Bayerns Ex-Torwart geht nach mehr als 20 Profijahren in den Ruhestand.

Von Conny Konzack

München - Der Fußball-Rentner packt das wahre Leben an:

Als Oliver Kahn jetzt aus dem Sardinien-Urlaub mit seiner alten (und wieder neuen) Familie kam, wurde auch klar, wie ernst dem Profi a.D. das Leben nach dem Fussball ist:

"Ich widme mich künftig einem Thema, das mir schon immer sehr am Herzen lag - der Jugend", sagte der 39-Jährige Sport1.de.

Mit einem Spiel gegen die deutsche Nationalmannschaft (ab 19.45 Uhr LIVE) verabschiedet sich Bayerns Ex-Torwart nach mehr als 20 Profijahren nun endgültig in den Ruhestand.

Danach will Kahn erstmal vom Profi-Fußball abschalten, eine Rückkehr als Nachfolger von Uli Hoeneß zum FC Bayern schließt er jedoch nicht aus.

Was er stattdessen in der nächsten Zeit plant, erklärte er im Gespräch mit Sport1.de.

Sport1: Welcher Beruf steht künftig in Ihrem Pass?

Oliver Kahn: Gute Frage, noch steht Profisportler drin.

Sport1: Sie haben sich selbst schon als Botschafter für "easy living" vorgestellt, einer Aktion, die Sparen mit Spaß ermöglicht. Wie "easy" ist denn jetzt Ihr Leben nach dem Fußball?

Kahn: Ja, tatsächlich habe ich jetzt ein "easy living", regeneriere meinen Körper von den 20 Jahren Strapazen, spiele etwas Golf und widme mich meiner neuen Aufgabe: Die Initiative kommt von den Augsburger Lechwerke AG, mit der ich den "easy living Millionenkick" zugunsten des Deutschen Kinderschutzbundes ins Leben gerufen habe. Unsere erste gemeinsame Aktion neben unserem Motivationsprogramm "Ich schaff's!" geht anlässlich meines Abschiedsspiels über die Bühne.

Sport1: Und zwar?

Kahn: Da versuchen zehn ausgewählte jugendliche Fußballer in der Halbzeit in der Münchner Allianz Arena, mich im Tor zu bezwingen - für je 100 000 Euro pro Treffer! Halte ich einen Ball, geht jeweils die gleiche Summe an den Deutschen Kinderschutzbund. Aber geschossen wird aus 16 Metern, damit ich eine Chance habe und möglichst viel für die Jugendlichen zusammen kommt....

Sport1: Sie haben interessante Angebote aus dem Ausland bestätigt. Wird das wirklich Ihr allerletzter Auftritt im Kasten?

Kahn: Ja. Für diese Aktion habe ich sogar noch mal mit meinem alten Torwarttrainer und Freund Sepp Maier trainiert, der allen Qualifikanten für diese Aktion vorher mit Ratschlägen, Tipps und Tricks hilft. Hoffentlich halte ich viele Bälle - für die gute Idee.

Sport1: Wie kamen Sie darauf?

Kahn: Der Hintergrund ist leider ernster Natur: Je länger ich den Beruf als Fußballprofi ausüben durfte, desto mehr reifte in mir der Gedanke, jungen Menschen etwas zurückzugeben. Schon seit Jahren kommen immer mehr Jugendliche zu mir und fragen nach Ratschlägen. Und ich habe gemerkt: Ums rein Fußballerische geht?s denen oft gar nicht, sondern vielmehr um fehlende Perspektiven für ihr Leben.

Sport1: Wo sehen Sie die Hauptprobleme?

Kahn: Man muss sich nur einmal die Zahlen vor Auge halten: In unserem Wohlstandsstaat gibt es immer noch 522.000 arbeitslose Jugendliche und zweieinhalb Millionen junge Mensche, die in Armut leben. Ich betone: Bei uns in Deutschland, mitten unter uns! Dazu kommt: Jeder fünfte Jugendliche ist entweder übergewichtig oder hat Ess-Störungen, die meisten Einsteiger als Raucher sind erst elf Jahre alt und 40 Prozent unserer Jugendlichen sind sofort nach der Schule Hartz-IV-Empfänger - viele davon haben schon psychische Krankheiten. Ich könnte noch viel mehr Zahlen auftischen, aber das reicht doch, oder?

Sport1: In der Tat. Wie sieht Ihr Job - sozusagen in langen Hosen - künftig aus?

Kahn: Ich werde in Zukunft viel Zeit in Schulen - zunächst in Bayern - verbringen und versuche, den Schülern zu vermitteln, dass man nicht nur mit Talent alleine, sondern vor allem mit Ausdauer, harter Arbeit und Leistung Erfolg im Leben hat. Ich denke, ich stehe für diese Tugenden - und habe ja auch immer danach gelebt. Ich freue mich riesig auf diese Besuche, weil mir der direkte Kontakt zu den Schülern wichtig ist. Alles, was wir mit unseren Aktionen für die Jugend investieren, ist gut angelegtes Geld. Auch mit dem Konzept "Ich schaff's!", einer super Idee, möchten wir erreichen, dass die Jugendlichen einen Fuß in unsere Gesellschaft bekommen.

Sport1: Was vermitteln Sie Ihren eigenen Kindern?

Kahn: Hoffentlich die richtigen Werte, die richtigen Tugenden. Das ist ja heute nicht mehr so einfach wie früher. Ich hatte es als Jugendliche leichter als die Heranwachsenden heute. Für mich gab es nur Fussball und Tennis, schon mit 12 wollte ich Profi werden, obwohl es in meiner Familie ja zwei Lehrer gibt. Heute ist es für die Jugendlichen doch viel schwieriger, sich zu orientieren.

Sport1: Woran liegt das?

Kahn: Die Einflüsse von Internet, Computer, Videospielen etc. sind dermaßen groß, dass es für die jungen Menschen doch immer wichtiger wird, sich mit den eigenen Fähigkeiten auseinander zu setzen. Jeder sollte in Ruhe wachsen können und die Chance haben, etwas selbst zu erreichen. Mit Leidenschaft, Begeisterung und Willen - der Schlüssel zu allem ist die Motivation! Die ist enorm wichtig. Talent alleine reicht nicht.

Sport1: Viele bekannte deutsche Sportler haben es versäumt, nach ihrer Karriere etwas an die Gesellschaft zurückzugeben. Sind Ihre neuen Tätigkeiten etwa der Beginn einer Oliver-Kahn-Stiftung?

Kahn: Warum nicht ? Nur muss das gut durchdacht sein. Ich sehe ja seit vielen Jahren, was die Franz-Beckenbauer-Stiftung alles auf die Beine bringt und überall hilft, wo Not herrscht. Das ist eine sehr, sehr gute Sache - wir sammeln zum Beispiel mit Golfturnieren oft viel Geld. So etwas könnte auch für mich mal interessant werden. Ich denke drüber nach.

Sport 1: Juckt es Sie nicht, sich als Feldspieler fit zu halten? So nach dem Motto: Torwart als Torjäger....

Kahn: Kann sein, dass ich später mal montagabends auf Platz 2 beim FC Bayern München auftauche. Da kicken immer die Alten gegeneinander. Hoeneß, Rummenigge Co. Aber eigentlich bin ich für die noch viel zu jung...

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