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Oliver Kahn war unter anderem dreimal Welttorhüter des Jahres © getty

Eingehüllt in eine Bayern-Fahne hat Oliver Kahn die Fußball-Bühne verlassen. Es war ein bewegender Abend voller Emotionen.

Von Daniel Rathjen

München - Eine Ära ist zu Ende. Nach 86 Länderspielen, 140 Europapokaleinsätzen, 557 Liga-Partien, acht Meistertiteln, sechs Pokalsiegen, dem Gewinn des Weltpokals, der Champions League und des UEFA-Cups hat Oliver Kahn offiziell seine Torwarthandschuhe an den Nagel gehängt.

Am Dienstagabend wurde der 39-Jährige zuerst zum Ehrenspielführer ernannt und stand dann das letzte Mal im Gehäuse des FC Bayern. Im Freundschaftsspiel gegen die deutsche Nationalmannschaft gab es dabei ein 1:1 (0:1).

Piotr Trochowski brachte das Team von Bundestrainer Joachim Löw unter freundlicher Mithilfe von Breno in Führung (33.), Miroslav Klose glich für den Rekordmeister nach schönem Pass von Massimo Oddo aus (51.).

Gänsehaut-Atmosphäre inklusive

Die Gänsehaut-Atmosphäre war dabei inklusive. 69.000 Zuschauer in der ausverkauften Allianz Arena bereiteten dem "Titan" einen atemberaubenden Abschied.

Als Kahn in der 75. Minute den Platz verließ und Michael Rensing ihn als sein legitimer Nachfolger betrat, schäumten die Emotionen über.

Das Flutlicht wurde gedimmt, ein Spotlight auf den Protagonisten gerichtet - Opernsänger Paul Potts intonierte "Time to say goodbye", während der Torwart seine Ehrenrunde drehte.

Im Gegensatz zu den letzten Auftritten eines Rudi Völler oder Jürgen Klinsmann flossen zwar keine Tränen - der "Titan" blieb eisern. Ungerührt war er deshalb aber noch lange nicht.

Das ist der Gipfel für mich

Um 20.00 Uhr schritt der dreimalige Welttorhüter des Jahres durch den Spielertunnel, wurde vom Blitzlichtgewitter der Fotografen geblendet und nochmals gefeiert. "Ich warte schon so lange auf den einen Moment", sang die Gruppe "Ich Ich", die mit ihrem Hit "So soll es bleiben" die Eröffnungs-Show vor der Abschieds-Gala abrundete.

"Ich glaube, das war das Größte, was ich in meiner Karriere erlebt habe - das ist der Gipfel für mich. Ich kann mich nur bedanken", sagte Kahn.

Bereits im Vorfeld gab es Lob und Umarmungen zuhauf. Eine halbe Stunde vor dem Anpfiff zum "Spaßspiel für die Zuschauer" (Bundestrainer Joachim Löw) grüßten internationale Trainer- und Fußballergrößen wie Jose Mourinho und Luis Figo, sogar der langjährige Konkurrent Jens Lehmann via Stadionleinwand.

"Mit seiner Einstellung war er immer ein Ansporn für mich", sagte der mit Pfiffen bedachte Lehmann.

"Ooooliii"-Sprechchöre

"Mir hat es immer gefallen, wenn er nach außen etwas bösartig rübergekommen ist", meinte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge.

Während der Partie schwappten La-Ola-Wellen permanent über die Tribünen, untermalt von langgezogenen "Ooooliii"-Sprechchören.

Zwischendurch gab es stehende Ovationen. Besser hätte die persönliche "Statistik" nicht sein können.

Einblick ins Seelenleben

"Die Emotionen sind unbeschreiblich, ich sauge alle Gefühle auf", gab der Keeper in der Halbzeit einen Einblick in sein Seelenleben.

Der Verlauf des "Sommerkicks" ist schnell erzählt. Die Teams waren engagiert, aber bei weitem nicht übermotiviert. Zweikämpfe wurden teilweise mit Handbremse begangen, enge Manndeckung nicht ganz ernst genommen.

Es war Sommerfußball. Die DFB-Elf begnügte sich beim Aufgalopp für den Start in die WM-Qualifikation am kommenden Samstag in Liechtenstein sowie vier Tage später in Finnland mit dem von Bundestrainer Löw geforderten Trainingsspiel.

Premiere für Oddo

Nur der Gladbacher Marko Marin und Bastian Schweinsteiger, einziger Bayern-Profi im weißen Deutschland-Dress, zeigten anfangs ihre Dribbelkünste und prüften Keeper Kahn.

Bei Bayern kam Neuzugang Oddo das erste Mal auf der rechten Abwehrseite zum Zug und demonstrierte mit feinen Pässen (wie beim Pass auf Klose vor dem Treffer zum 1:1) und gutem Auge, dass er durchaus eine Verstärkung sein kann.

Lukas Podolski hätte mit ein wenig mehr Präzision im Abschluss (46./57.) ebenso für mehr Tore sorgen können wie Luca Toni, der in der ersten Halbzeit gleich doppelt völlig frei vor Robert Enke vergab (4./21.).

Sechs Ersatzspieler bei Löw

Im zweiten Abschnitt brachte Löw alle sechs Ersatzspieler, darunter Bremens Torhüter Tim Wiese und die Rückkehrer Andreas Hinkel und Christian Pander.

Mit 850 geladenen Gästen stieg in einem VIP-Zelt anschließend eine rauschende Party steigen. "Fast alle, die mich begleitet haben, kommen", hatte Kahn angekündigt.

"Ein Titan geht, doch eine Legende bleibt", hatten Fans auf ein Plakat gepinselt.

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