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Oliver Kahn wurde in seiner Karriere mit dem FC Bayern achtmal Deutscher Meister © getty

Torwart-Legende Oliver Kahn wird 40 Jahre alt. Sport1.de-Mitarbeiter Conny Konzack erinnert sich an seine Zeit mit dem "Titan"

Von Conny Konzack

München - Die gute Nachricht vorweg, Olli: Du wirst heute erst 40!

Die noch bessere gleich hinterher: Du hast es (längst) geschafft!

Was?

Den "Einstieg" ins richtige Leben. Das begann bei Dir so etwa 2005:

Du warst der (sportliche) Held, der seinem blitzsauberen Image selbst einige (menschliche) "Falten" verpasst hatte.

Als weltbester Torhüter wurdest Du sogar in England gefeiert, warst gut drauf und eng dran, die rechte Hand von Jürgen Klinsmann für die WM 2006 in Deutschland zu werden.

Bis Dich dieser eiskalt abservierte. Der Titan war plötzlich verletzbar und angreifbar geworden.

Bekenntnisse vor dem Confed Cup

Doch mit den bösen, aber nun mal wahren Geschichten, die Dein Leben begleiteten, bis Du auch erst so richtig gereift. Das begann mit einem bemerkenswert ehrlichen Interview schon vor dem Confederations Cup 2005, als Du noch Klinsmanns Nummer eins warst:

Wir saßen in Deinem kargen Hotelzimmer, bestellten einen Kaffee nach dem anderen, Klinsmann, der dich mehrmals (unter Strafandrohung) zum Mannschaftsessen bat, hatte keine Chance. Denn aus Deinen Lippen, die oft so beißend zusammengepresst waren, sprudelte es nur so heraus. Mit dem Kernsatz:

"Ich habe wohl so ziemlich alles richtig gemacht, habe fast zwanzig Jahre nur für den Fussball gelebt, gedacht und gelitten - nur die zwei Jahre, in denen ich privat viel Mist gebaut habe, würde ich gerne aus meinem Leben streichen."

Ein seelischer Befreiungsschlag

Als damaliger Sportchef einer großen deutschen Illustrierten, der 30 Jahre mit Sportlern viel erlebt hatte, traute ich meinen Ohren nicht: War das das erste, öffentliche Schuldbekenntnis, eine Art Abbitte-Leistung, eine seelischer Befreiungsschlag?

Ja, das war's.

Das Interview wurde zwar durch Deinen Anwalt bis Mitternacht noch elfmal (!) "modifiziert", aber die Wirkung blieb: Dein Lebensbekenntnis. Da warst du 36 und die WM im eigenen Lande Dein großes Ziel, vor dem Du menschlich mal "klar Schiff" machen und mit Dir selbst abrechnen wolltest. Mit einer Art Lebens-Zwischenbilanz.

Der großen Sache untergeordnet

Dann die erste von großen Taten, die Dir landauf, landab nur Sympatien einbrachte: Klinsmann schasste Dich, alles wartete auf den nächsten "Vul-Kahn"-Ausbruch - aber hast Dich der großen Sache untergeordnet, der Nationalmannschaft mit Rat und Tat gedient und selbst Erzfeind Jens Lehmann geholfen.

Selbst Insider, die Dich gut kannten, zogen ihren Hut.

Jugendprojekt nach Karriereende

Die zweite große Tat begann letztes Jahr: Noch als Bayern-Profi hast Du Dein erstes Jugendprojekt präsentiert, bei dem Du den 10- bis 16-jährigen Schülern freiweg und ohne Manuskript aus Deinem Leben wahre Werte vermittelst, von Motivation, Fleiß, Ehrgeiz, Talent, echten Freunden und falschen Suchtmitteln erzählst.

Wer könnte das besser als Du? Als wir gemeinsam die erste Schule betraten, war ich beeindruckt:

Von der Leichtigkeit, mit der Du Deine Lebenserfahrungen "rübergebracht" hast, von der Begeisterung der Jugendlichen - und der Lehrer! Du hast vermittelt, was im Leben noch wichtiger ist als siegen, kämpfen und feiern.

"Immer weiter! Immer weiter!"

Dazu passt, was Du mir im spannenden Bundesligaendspurt nach der Bayern-Heimniederlage gegen Schalke gesagt hast: "Die schaffen es noch. Nie aufgeben. Rechnerisch ist noch alles drin!"

Das hast Du von Ottmar Hitzfeld gelernt. Dieses "Nie aufgeben!" und dieses "Immer weiter! Immer weiter!" hat Euch beiden viel Ruhm eingebracht.

Aus Fehlern lernen (wie nach dem Champions-League-Finale 1999 in Barcelona gegen Manchester United) und sie ein zweites Mal vermeiden ? auch das imponiert den Schülern, die Du fern von Fernsehkameras immer noch besuchst.

TV-Projekt statt Managerposten

Und zum Schluß der "Manager Kahn". "Das hat doch noch ein paar Jahre Zeit, könnte aber mal interessant für mein späteres Leben werden Jetzt haben erst einmal andere Dinge in meinem Leben Priorität . Ich habe die kurzen Hosen doch erst ausgezogen und will nicht gleich wieder tagtäglich mit Fussball konfrontiert werden", sagtest Du.

Jetzt steht erstmal das Asien-Projekt: "I never give up - the Kahn Principle" im Vordergrund, bei dem die Sieger eine Art Stipendium für die DFB-Elite-Schule in Deutschland gewinnen können

Das Projekt, das später auch in arabischen Ländern Quoten und Qualitätsdenken bewirken soll, ist so viel größer als ein unsicherer Managerposten in der Bundesliga, das man Dich schon jetzt beglückwünschen kann.

"Die Familie hat Vorrang"

Beglückwünschen kann man Dich aber vor allem zum stärksten Satz über den privaten Olli: "Die Familie hat jetzt erstmal Vorrang."

Wer die (Ehe-)Kapriolen noch in Erinnerung hat, der weiß: Das ist Deine größte Tat.

Und Simone hat es längst verziehen, das Du jetzt fast jeden freien Tag auf dem Golfplatz jene Perfektion erreichen möchtest wie im Fussball...

Wie gesagt, Olli: Du hast es längst geschafft. Happy Birthday!

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