vergrößernverkleinern
Der ganz große Abschied für den Torwart
Oliver Kahn wurde von Fans und Mitspielern ein letztes Mal gefeiert © getty

Oliver Kahn hat mit einer großen Party mit Fans und Freunden Abschied vom Profi-Fußball genommen. "Es war einfach überwältigend", sagte er.

Von Martin van de Flierdt und Daniel Rathjen

München - In der 76. Spielminute der Begegnung Bayern München gegen die deutsche Nationalmannschaft betraten Oliver Stierle und Timo Heinze am Dienstagabend vor 69.000 Zuschauern den Rasen der Allianz Arena.

Für den Links- und den Rechtsverteidiger der zweiten Mannschaft des FC Bayern war das wohl der bislang größte Auftritt in ihrer bisherigen Profikarriere.

Allein, außer Philipp Lahm und Massimo Oddo, die für die beiden ihre Plätze räumten, dürfte kaum jemand im weiten Rund davon Notiz genommen haben.

Denn alles schaute auf die beiden Videoleinwände, um Oliver Kahn auf seinem Weg in die Umkleidekabine des Rekordmeisters zu begleiten.

Handschuhe aus, einen Becher Wasser leeren und ein abschließender Gruß in die Kamera: "So, das war?s jetzt."

Merk pfeift Kahns Karriere ab

Wenige Minuten zuvor hatte Schiedsrichter Dr. Markus Merk die bis auf die Treffer von Piotr Trochowski (33.) und Miroslav Klose (51.) ereignisarme Partie (1:1) unterbrochen, das Zeichen zur Auswechslung gegeben und die glorreiche Karriere Kahns beendet.

"Ich habe erst in der 65. Minute begriffen, dass es in kurzer Zeit vorbei ist", sollte der dreimalige Welttorhüter anschließend gestehen. "Davor haben die gleichen Mechanismen wie als Profi gegriffen. Du feuerst deine Mitspieler an und denkst, es geht noch um alles. Das kann ich wohl nie mehr abstellen."

An diesem Abend ging es nicht um alles, es ging nur um ihn. Beim Einmarsch in die Arena hatten ihn "Ich ich" mit ihrem Hit "So soll es bleiben" begleitet. Für die nach der Auswechslung anstehende Ehrenrunde baute sich Paul Potts am Mittelkreis auf.

Ehrenrunde mit Bayern-Fahne

Während der Brite "Time to say goodbye" anstimmte, schnappte sich Kahn im Spotlicht der Scheinwerfer eine Bayern-Fahne, die in seinem Tor gelegen hatte, und machte sich auf den Weg.

Eine herzliche Umarmung für Bastian Schweinsteiger, der als einziger Münchner an diesem Abend die Nationalmannschaft verstärkt hatte, eine noch herzlichere und längere für seinen Nachfolger Michael Rensing.

Abklatschen mit Bundestrainer Joachim Löw, Bayern-Coach Jürgen Klinsmann und Manager Uli Hoeneß, dann Eintauchen in die Ovationen der Fankurve.

Das Beste kommt zum Schluss

"Es war einfach überwältigend - ein Traum. Absolut bewegend und fantastisch. Diesen Abend werde ich mit Sicherheit nie vergessen", sagte Kahn später. "Es war der Gipfel."

Er habe "fast geweint", meinte er zunächst, um dann einzuräumen: "Als ich die Ehrenrunde gedreht und die Begeisterung in den Gesichtern der Fans gesehen habe, musste ich schon Tränen verdrücken."

Bevor der 39-Jährige unter tosendem Applaus durch das Spalier von Nationalspielern und Münchner Akteuren in die Stadionkatakomben entschwand, versprach er den Anhängern des Rekordmeisters, dass "Bayern auch in dieser Saison und den nächsten immer oben sein wird".

Letzte Ovationen

Merk pfiff anschließend die Begegnung für wenige Minuten wieder an. Doch die Fans wollten ihren "Torwart-Titanen" noch einmal sehen.

Das Trikot über der Schulter schritt Kahn daher alleine auf dem Rasen noch einmal die Mittellinie entlang und genoss ein letztes Mal die Huldigungen.

"Fußball werde ich erstmal nicht mehr spielen, allenfalls noch mit meinem kleinen Sohn", kündigte Kahn später an. "Jetzt kommen neue Dinge, neue Herausforderungen, auf die ich mich freue."

Noch kein Job beim FC Bayern

Eine Tätigkeit im Management des FC Bayern zählt vorerst nicht zu jenen "neuen Dingen".

Jetzt über eine solche Aufgabe nachzudenken, "wäre sicherlich zu früh", fand der beste Spieler der WM 2002:

"Aber ich war 14 Jahre lang bei Bayern. Ich kenne alle Abläufe, weiß um das Umfeld und habe dementsprechend Erfahrung. Es könnte also durchaus sein, dass das in der Zukunft eine Option ist."

Doch im Moment freue er sich einfach, Zeit mit der Familie verbringen zu können. Dieses Gefühl habe er während seiner gesamten Zeit als Profi nicht gekannt.

Zurücklehnen im Deutschen Theater

"Der Olli wird sich die Welt anschauen, neue Kraft sammeln und dann sehen wir weiter", sah auch Hoeneß dahingehend keinen Grund zur Eile.

Für die dem Spiel folgende Party im Deutschen Theater hatte Kahn nur ein Ziel: "Vielleicht gelingt es mir ja tatsächlich mal, mich entgegen meiner Natur zurückzulehnen."

Trotz Beobachtung durch die Öffentlichkeit, versteht sich, denn an die hat sich der Torhüter in seiner Münchner Zeit gewöhnen müssen. Als Oliver Stierle oder Timo Heinze hätte es sich sicher ungenierter feiern lassen.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel