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Markus Babbel ist seit dem 23. November 2008 Teamchef des VfB Stuttgart © getty

Für den VfB-Trainer ist der Theorieunterricht beim Lehrgang in Schweden "grauenhaft". Ziege hat genug vom Job als Sportdirektor.

Tylösand - Seine Meinung über theoretischen Unterricht fasst Markus Babbel mit einem Wort zusammen: "Grauenhaft."

Bis zu elf Stunden still sitzen zu müssen, sei eine "zähe Geschichte, vor allem, wenn man es gewohnt ist, den ganzen Tag an der frischen Luft zu sein".

Und wenn er mal draußen ist, schlägt die Sonne im Quartier direkt am Strand in Tylösand gnadenlos zu. "Da fährst Du nach Skandinavien und kriegst einen Sonnenbrand", sagt er kopfschüttelnd.

Der 36-Jährige, der den Bundesligisten VfB Stuttgart mit einer unglaublichen Serie noch in die Qualifikation zur Champions League geführt hat, absolviert mit 23 Kollegen derzeit die Fußballlehrer-Ausbildung des DFB.

Analyse der U-21-Teams

Und erlebt zumindest etwas Abwechslung. Zur Spitzenfußball-Analyse bei der U-21-EM befindet sich der Lehrgang nämlich in Schweden. Dort analysieren die künftigen Trainer in Dreiergruppen je ein Team.

Babbel kümmert sich mit Tomislav Maric und Torsten Lieberknecht um die Finnen. Und weiß somit auch, warum diese in der deutschen Gruppe B ohne Punkt ausgeschieden sind.

"Sie machen einfach zu viele taktische Fehler", sagt Babbel: "Zuerst denkt man, sie sind engagiert. Je öfter man die Spiele auf DVD sieht, umso deutlicher erkennt man, wie schlecht sie sind."

Lottner kümmert sich um die Spanier

Der Ex-Kölner Dirk Lottner analysierte mit seinem Team die Spanier. Dass auch diese hinter den DFB-Junioren landeten, ist für ihn ebenso klar: "Sie sind zu sehr auf Spielkontrolle aus, spielen zu sehr um den heißen Brei herum."

Um den heißen Brei herumreden darf von den potenziellen Trainerstars niemand.

In einem 45-minütigen Power-Point-Vortrag müssen sie ihre Ergebnisse präsentieren und daraus eine virtuelle Trainingswoche zur Einstellung auf den entsprechenden Gegner aufbauen.

Computer als Fremdkörper

Der Anspruch ist hoch. "Sie müssen wissenschaftlich arbeiten", sagt DFB-Chefausbilder Frank Wormuth. Dabei ist die Nutzung des Computers elementar. Zum Leidwesen von Markus Babbel.

"Der Computer war für mich immer ein absoluter Fremdkörper. Ich bin da ein bisschen altmodisch", erklärt er.

Ähnlich ergeht es dem zweiten Europameister im Kurs, Christian Ziege. "Man macht viel falsch und umsonst", erzählt er: "Es gibt zwar viele, die einem mit Rat und Tat zur Seite stehen. Aber wenn in einem Raum zehn von uns sitzen, schreien auch sieben nach Hilfe."

Ziege: "Ich muss auf die Wiese"

Aber alle sind sich einig:

Die Ausbildung zum Fußball-Lehrer ist ein Muss. Wer 8200 Euro dafür ausgibt und zehn Monate lang aus ganz Deutschland fast wöchentlich nach Köln reist, um bis zu elf Stunden Unterricht über sich ergehen zu lassen, der macht das auch mit vollem Einsatz.

Für ein großes Ziel. "Zu 90 Prozent will ich Trainer sein. Ich muss einfach auf die Wiese", sagt Ziege, der als Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach nie glücklich wurde, und ergänzt schmunzelnd:

"Aber wenn der FC Barcelona anruft und mich als Sportdirektor will, müsste ich nochmal überlegen."

In Achter-Bungalows untergebracht

Das zeigt: Die Stimmung in Schweden ist trotz harter Arbeit gelöst.

Teambuilding heißt für Wormuth das Schlagwort. In Achter-Bungalows wohnen die Lehrlinge zusammen, Selbstverpflegung ist angesagt.

"Das ist eine spannende Frage, wie alles geregelt wird: Wer kocht, wer saugt, wer spült", sagt Wormuth.

Babbel, der sonst "hier kein Champions-League-Trainer, sondern einfach Markus Babbel" ist, genießt zumindest in Sachen Hausarbeit Sonderrechte.

Lottner schwänzt den Dauerlauf

"Ich bin froh, dass ich mit guten Köchen untergebracht bin. Ich bin gut versorgt", erzählt er schmunzelnd und ergänzt: "Wenn ich kochen würde, wollte das ohnehin niemand essen."

Ganz anders liegen die Prioritäten von Lottner. Der zu aktiven Zeiten nie als Dauerläufer bekannte Ex-Profi nimmt am freiwilligen Morgenlauf nie teil.

"Es bringt den anderen nichts, wenn sie immer auf mich warten müssen", erzählt er: "Deshalb halte ich mich aus dem Laufen raus und sorge dafür, dass morgens das Frühstück fertig ist."

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