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Oliver Kahn (l.) wurde beim FC Bayern und beim DFB von Sepp Maier trainiert © imago

Beim Bayerischen Sportpreis lässt Oliver Kahn tief blicken. Janine Pietsch bekommt einen Preis und kämpft mit den Tränen.

Von Conny Konzack

München - Fast wäre er vom Sport- zum Spottpreis geworden. Doch dazu hatten Oliver Kahn und Sepp Maier dann doch zu viel Stil.

Bei der Verleihung des Bayerischen Sportpreises durch Ministerpräsident Horst Seehofer in München mussten sich beide Torwart-Legenden auf der Bühne und später beim Bankett stark zurückhalten, um drei Jahre später nicht doch noch einmal nachzutreten.

Und zwar gegen einen, dessen Namen gar nicht fiel, aber von dem jeder der 1500 Gäste wusste, wer gemeint war: Jürgen Klinsmann.

"Seppi, es tut mir leid"

Kahn war Laudator für den Lebenspreis seines "Lehrherren", des Weltmeisters und früheren Bundes-Torwarttrainers Maier - und konnte sich am Mikrofon nicht verkneifen, dem Ex-Bundes- und Bayerntrainer Klinsmann (Kahn: "Kann vieles nicht mehr nachvollziehen") nachträglich noch eine auszuwischen:

"Seppi, mir tut es heute noch leid, wie man mir Dir damals umging und wie Du aus der Nationalmannschaft gedrängt wurdest."

Maier versöhnlich, Kahn knabbert immer noch

Kahn wusste, wovon er redete. Schließlich hatte er unter dem damaligen Bundestrainer den Platz im DFB-Tor eingebüßt.

Der 40-Jährige später zu seinem sportlichen Ziehvater: "Sepp, du hast mich zwar 14 Jahre lang ganz schön maltraitiert, aber ich verdanke Dir meine Karriere ? und Du hast bewiesen, dass die Qualtiät des Menschen Maier der des Torwartes in nichts nachsteht."

Als die Live-Kameras aus waren, sagte Maier über Klinsmann: "Ja, das war nicht gerade seine größte Tat, aber wir haben uns ausgesprochen und Schwamm drüber. Was soll ich mich jetzt noch darüber ärgern".

Bei seiner Demission 2006 war der Groll größer: Noch am Tage des Rauswurfs gab Maier einem Münchner Journalisten damals ein Interview, das einer Abrechnung glich, zog es aber am nächsten Morgen um sieben Uhr morgens wieder zurück, weil er die Abfindung des DFB nicht riskieren wollte.

Kahn: "Wie man damals mit Sepp umging, war einfach unwürdig für einen, der so viel für den Fußball getan hatte. Es ist bewunderswert, dass er nie seinen Humor verloren hat".

Langer unterstützt Seehofer

In München wurden noch zwei weitere deutsche Sportgrößen für ich Lebenswerk geehrt:

Rosi Mittermaier, mittlerweile so etwas wie die Mutter Theresa des deutschen Sports, weil sie unermüdlich Geld für Kranke und bedürftige sammelt ? und Golfer Bernhard Langer.

Auch wenn Ministerpräsident Seehofer offenbar keinerlei Beziehung zum Golfsport hat, mischt er schon in der Golf-Politik mit: "Wir wollen den Ryder Cup, das drittgrößte Sportereignis der Welt, 2018 nicht nur nach Deutschland, sondern nach Bayern holen. Herr Langer hat mir versichert, dass er uns dabei unterstützen wird".

Das war für Insider ein klares Bekenntnis dafür, dass Langer, der mit der gesamten Familie zur Verleihung kam, das Projekt "Wittelsbach" in Neuburg bei Ingolstadt präferiert, obwohl die Entscheidung erst in zwei Wochen fällt.

Mit dem Initiator des zweiten bayrischen Projektes "Valley" bei Holzkirchen sind die Gebrüder Langer, ohne die das weltweit größte Golf-Event nicht nach Deutschland käme, seit Jahren zerstritten.

Pietsch klagt den Leistungssport an

Unter die Haut ging im IOC-Kongresszentrum der Messe München die Rede des "Tote Hosen"-Sängers Campino als Laudator für die krebskranke Schwimmerin Janine Pietsch, die mit dem "Jetzt-erst-recht"-Preis ausgezeichnet wurde.

Campino, der seit Athen 2004 ein guter Freund der Schwimmerin ist, beklagte, dass es "unwürdig ist, wenn wir Sportler im Moment ihres Triumphes zujubeln, sie dann aber in ihren dunkelsten Stunden alleine lassen".

Janine Pietsch kämpfte mit den Tränen, klagte aber gleichzeitig den Leistungssport (Pietsch: "Leiden und durchstehen") an, der eine Teilschuld an ihrer Krankheit habe: "Wir Spitzensportler reizen ja unser Immunsystem immer bis zur Grenze aus. Deswegen sind unsere Körper auch sehr anfällig für Krankheiten".

Campino war sich mit Kahn einig: "Janines Schicksal erinnert uns daran, dass wir den Menschen hinter dem Sportler nicht vergessen sollten".

Hauptsächlich Wintersportler

Für ihn derzeit ungewohnt , saß BMW-Motorsportchef Dr. Mario Theissen mal wieder in der ersten Reihe, was ihn selbst amüsierte: "Aber ich kann ihnen versichern, dass wir in der Formel 1 auch bald mal wieder vorne sind".

Theissen ehrte die Münchner Journalistin Karin Sturm, die seit vielen Jahren die Charity des tödich verunglückten Ex-Weltmeisters Ayrton Senna zugunsten armer Kinder unterstützt.

Weiter Preisträger: Philipp Lahm ("Hochleistung plus"), Langlauf-Ass Tobias Angerer, Kanu-Olympiasieger Laexander Grimm, Hockey-Star Maximilian Müller, die Ski-Asse Maria Riesch, Viktoria Rebensburg und Kathrin Hölzl sowie die Biathletinnen Miriam Gössner und Kati Wilhelm.

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