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Doch wäre das nicht schon alles schlimm genug, kommt es für Bayer richtig dick: Im Champions-League-Finale zieht Leverkusen gegen Real Madrid mit 1:2 den Kürzeren
Pure Enttäuschung bei Bernd Schneider nach dem verlorenen Champions-League-Finale 2002 © imago

Einem Titel läuft Bernd Schneider vergeblich hinterher. Auch im Kampf ums Comeback bleibt "Schnix" das Pech treu.

Von Nils Reschke

München - Die Hoffnung stirbt zuletzt. Bernd Schneider hatte berechtigte Hoffnungen, nochmals Fuß fassen zu können. Und er hatte Träume. Die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika wollte "Schnix" nicht einfach so abhaken.

Der 16. Mai 2009 nährte all diese Träume und Hoffnungen des beliebten Fußballers.

Gegen Borussia Mönchengladbach wurde der in Jena geborene Profi von Bayer Leverkusen noch einmal eingewechselt. Als wäre Schneider nie weg gewesen, bereitete er fast selbstverständlich und mit all seiner Klasse das 4:0 beim 5:0-Sieg vor.

"So ein emotionales Spiel habe ich noch nie erlebt", erzählte "Schnix" später. Da wusste er noch nicht: Es sollte sein letztes gewesen sein.

"Weißer Brasilianer" der ewige Zweite

Von Verletzungen wurde Bernd Schneider in seiner langen Karriere oft zurückgeworfen, nachdem er am 14. August 1998 für Eintracht Frankfurt sein Bundesliga-Debüt beim MSV Duisburg feierte.

Einer der spannendsten Abstiegskrimis der Liga endete im Sommer 1999 mit dem Frankfurter Klassenerhalt, doch Schneider wollte mehr: Er wechselte zu Bayer Leverkusen. Dem Werksteam hielt er ein Jahrzehnt die Treue. Hier erlebte er alle Höhen und Tiefen eines Fußballers.

Hier gab "Schnix" niemals auf, endlich einen Titel zu gewinnen. Denn wie bei seinem Kumpel Michael Ballack lastete der "Fluch des ewigen Zweiten" auf Schneider. "Es wäre schön gewesen, mal einen Pokal oder die Meisterschale in Händen zu halten", blickt er zurück.

Er, der "weiße Brasilianer", "der letzte Straßenfußballer", wie Bayers Sportdirektor Rudi Völler es auf den Punkt brachte.

2002 zwischen Traum und Albtraum

Besonders das Fußballjahr 2002 wird Bernd Schneider wohl niemals vergessen. In der Bundesliga verpasste die Werkself zum zweiten Mal die Meisterschaft und musste dieses Mal mit einem Punkt Rückstand Borussia Dortmund den Vorzug lassen.

Im Berliner Olympiastadion verlor "Schnix" mit Bayer das Pokalendspiel gegen die Schalker mit 2:4. 122465(DIASHOW: Die Karriere des Bernd Schneider)

Eine glänzende Saison lieferte Leverkusen auch in der europäischen Königsklasse ab, drang ebenso bis ins Finale vor. Doch dann machte ein Geniestreich von Zinedine Zidane alles zunichte. Nach dem 1:2 musste sich Bernd Schneider auch gegen Real Madrid mit der Silbermedaille zufrieden geben, so wie kurz darauf im Nationaldress.

Bei der WM 2002 in Südkorea und Japan kämpften sich die Mannen von Rudi Völler ins Finale, überzeugten gegen den Favoriten Brasilien ? bis ausgerechnet Oliver Kahn patzte, und der Pokal nach dem 0:2 verloren ging. Kaum ein anderer Fußball-Profi musste wie Bernd Schneider 2002 akzeptieren, dass Licht und Schatten in diesem Sport oft nur hauchdünn beieinander liegen.

Verpasstes Sommermärchen

Und trotzdem trieb Bernd Schneider immer wieder der Traum vom Titel an.

So wie 2006, bei der WM im eigenen Land. 4. Juli, Dortmund: Im Halbfinale gegen Italien hat der "weiße Brasilianer" gegen die Azzurri das 1:0 auf den Fuß.

Aber ein Torjäger war der begnadete Techniker nie. Stattdessen bestraften die Italiener in den Schlussminuten der Verlängerung den Gastgeber, der am Ende eines "Sommermärchens" nur Dritter wurde.

Mitten ins Mark

Am 13. April 2008 begann für "Schnix" dann eine lange Leidenszeit, als er gegen den VfB Stuttgart nach 42 Minuten ausgewechselt werden musste.

Auf die Diagnose Bandscheibenvorfall folgte eine 13-monatige Pause, in denen Bernd Schneider alles gab, um nochmals auf die große Fußballbühne zurückzukehren.

Exakt 396 Tage später hatte der mittlerweile 35-Jährige dieses Ziel erreicht. Doch diese 17 Minuten sollten nicht nur seine emotionalsten sein ? es waren auch seine letzten Sekunden als Fußball-Profi.

Am 26. Juni traf eine Meldung alle Fans buchstäblich mitten ins Mark: Bernd Schneider ließ verlauten, dass ihn eine Rückenmarkverletzung zur Aufgabe zwang: "Sie macht die Fortsetzung meiner Karriere unmöglich."

Sein letzter großer Traum, die WM 2010 war damit geplatzt. Die Hoffnung war gestorben. Bernd Schneider, Kämpfer und Techniker in Personalunion, aber wird den Fans als sympathischer Sportler in Erinnerung bleiben. Diese Anerkennung, diesen Respekt hatte er sich all die Jahre verdient. Auch ohne Titel...

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