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Romeo Castelen wechselte 2007 für rund 2,5 Millionen Euro zum HSV © imago

Romeo Castelen scharrt mit den Hufen: Der HSV-Flügelflitzer greift wieder ins Geschehen ein - auch dank einer "Love Story".

Von Nils Reschke

München - "Siehst du, es geht doch. Du kannst es noch."

Diese und ähnliche Gedanken gingen ihm durch den Kopf. Dass der erste Test vor der neuen Saison gegen Wacker Innsbruck mit 0:1 in die Hose ging, das mag HSV-Akteur Romeo Castelen herzlich egal gewesen sein.

523 lange Tage, 16 schmerzhafte Monate durfte er nicht mehr seiner Leidenschaft nachgehen. Er war zum Zuschauen verdammt. Jetzt überwiegt einfach nur Freude.

"Auf die neue Saison, auf die Fans, auf die Stimmung in den Stadien. Einfach auf alles."

Romeo Castelens Leidenszeit ist beendet. Auch dank einer nicht ganz freiwilligen "Love Story" in Hamburg.

"Wann sehe ich dich im Fernsehen?"

Sein Comeback hätte der 26-jährige Flügelflitzer eigentlich schon knapp zwei Monate früher geben sollen.

Am letzten Spieltag bei Eintracht Frankfurt zählte der Niederländer erstmals wieder zum Kader.

Doch in der Commerzbank-Arena entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Für die Rothosen ging es um den Einzug in den UEFA-Cup. Um Alles oder Nichts nach einem völlig vermasselten Saisonfinale. Und so blieb Castelen wie so oft zuvor die Rolle des Zuschauers.

Sein treuester Fan, sein größter Ansporn, ist gerade einmal vier Jahre alt: "Wann kann ich dich wieder im Fernsehen sehen?", fragte Romeo Castelens Tochter immer wieder.

Der Mann mit dem Kämpferherz will sie und die HSV-Anhänger nicht mehr länger vertrösten. Am 9. August beim SC Freiburg soll es endlich soweit sein.

Rückschlag in Feyenoord

Das Kämpfen hat Castelen gelernt.

Das war schon vor seiner Zeit an der Elbe so. Bei Feyenoord Rotterdam in der holländischen Ehrendivision entwickelte sich der 26-Jährige an der Seite von Dirk Kuyt und Salomon Kalou zum Publikumsliebling.

Doch dann der erste Rückschlag: In der Vorbereitung zur Spielzeit 2006/07 verletzte sich Castelen schwer, fand anschließend kaum Anschluss an die Startelf. Da kam das Angebot des HSV gerade recht. Der Niederländer folgte dem Ruf seines Landsmannes Huub Stevens und wechselte 2007/08 zum Hamburger SV, wo er auf Anhieb einschlug.

Doch die nächste Hiobsbotschaft ließ nicht lange auf sich warten.

Liebesgrüße aus Hamburg: Romeo und Andrea

Nach dem Testpiel in der Winterpause gegen FC Midtjylland diagnostizierten die HSV-Ärzte einen Knorpelschaden im Knie beim 26-Jährigen, dessen Leidenszeit nun erst so richtig begann.

Und es entwickelte sich eine "Liebesgeschichte" der besonderen Art.

Andrea, Nachname: Müller, hieß die Frau, die fortan nicht mehr von seiner Seite wich.

Castelens Physiotherapeutin sorgte dafür, dass der Niederländer die Flinte nicht ins Korn warf. Auch dann nicht, als ein weiterer Knorpelschaden entdeckt wurde, die nächste Operation folgte und "ihr" Romeo buchstäblich am Boden lag.

"Es gab immer wieder Rückschläge, doch die muss man wegstecken und immer weitermachen", berichtet Müller von ihrer Zeit mit dem niederländischen Patienten.

Castelen kann das bestätigen. Heute lacht er wieder: "Wir waren auch mal sauer aufeinander. Doch das war am nächsten Tag wieder vergessen."

"Dafür habe ich immer gekämpft"

Also schuftete Romeo Castelen weiter für sein Comeback.

Während er pausieren musste, sah er Martin Jol als HSV-Trainer kommen und gehen. Er war zum Zuschauen gezwungen, als der HSV erst im DFB-Pokal, dann im UEFA-Cup die prestigeträchtigen Nordderbys gegen Werder verlor. Und er litt mit auf der Tribüne.

So war es wenig verwunderlich, dass Castelen einer der Ersten war, die zum Auftakt in der Hansestadt eintrudelten.

"Ich habe immer dafür gekämpft, für das erste Mannschaftstraining ohne Schmerzen." Und dafür, endlich wieder auf dem Fußballplatz zu stehen, die Stollen- gegen die Laufschauen auszutauschen.

Nach 523 Tagen des Leidens war es gegen Wacker Innsbruck endlich wieder soweit.

"Obwohl wir Konkurrenten sind, haben mir alle Mitspieler gratuliert. Das bedeutet mir sehr viel. Ich vergesse nicht, was ich hinter mir habe. So etwas möchte ich nicht noch einmal erleben."

Love Story hin, Love Story her... Andrea Müller wird es ihm nicht nachtragen.

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