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Sebastian Deisler beendete im Januar 2007 beim FC Bayern seine Karriere © getty

Das einstige Star spricht über seine Zeit als Profi und erhebt schwere Vorwürfe gegen Hertha. Auch Magath bleibt nicht verschont.

München - Er fühlte sich wie ein "trauriger Clown" oder eine "Glühbirne", wurde von Mitspielern als "Deislerin" verspottet und erhebt schwere Vorwürfe gegen seinen Ex-Klub Hertha BSC Berlin:

Der frühere Profi Sebastian Deisler hat sich knapp drei Jahre nach seinem Rückzug aus dem Leistungssport in der Öffentlichkeit zurückgemeldet.

Der ehemalige Nationalspieler wechselte nach seinem Bundesliga-Debüt für Borussia Mönchengladbach 1999 zu Hertha BSC und von dort 2002 zum FC Bayern.

Karriereende mit 27

Nach mehreren schweren Verletzungen, die ihn unter anderem die Weltmeisterschaften 2002 und 2006 kosteten, und schweren Depressionen beendete er mit nur 27 Jahren im Januar 2007 seine Karriere.

Am 8. Oktober erscheint nun seine Biographie "Zurück ins Leben".

In einem Interview mit der "Zeit" spricht Deisler vorher Klartext und rechnet ab.

Sport1.de hat die Aussagen zusammengefasst.

Sebastian Deisler über...

seinen Wechsel von Gladbach nach Berlin:

"Hertha BSC, das muss ich ehrlich sagen, war als Verein so unfertig wie ich als Spieler. Die waren froh, mich ins Schaufenster stellen zu können. Ich bin unglücklich geworden, als ich versucht habe, andere glücklich zu machen. Ich fühlte mich wie ein trauriger Clown."

die Morddrohungen nach der Bekanntgabe seines Transfers zum FC Bayern:

"Dieter Hoeneß hat zugesehen, wie ich aus Berlin hinausgeprügelt wurde. Das ist es, was mir den Fußball versaut hat. Das war mein Genickschuss. Heute weiß ich, dass ich damals hätte aufhören müssen."

das schwierige Comeback nach seinen Depressionen:

"Ich habe lange gehofft, dass meine Freude am Spiel selbst so groß ist, dass ich alles andere wegdrücken kann. Aber das ging nicht.

Ich bin nie mehr Teil des Ganzen geworden, ich war so weit weg von der Mannschaft.

Einige haben mich hinter vorgehaltener Hand 'die Deislerin' genannt. Die konnten mich nicht mehr ertragen."

die Arbeit des damalige Bayern-Trainers Felix Magath:

"Mein Eindruck war, dass Magaths Philosophie damals auf Angst gründete, nicht auf Macht. Er misstraute den Spielern.

Er schürte Angst, damit sie sich den Arsch aufrissen. Das habe ich aber sowieso gemacht."

die Zeit nach seinem vorzeitigen Karriereende:

"Ich war in der letzten Zeit damit beschäftigt, mich vom Fußball zu lösen. Ich weiß ja: Ich werde nie mehr etwas so gut können. Das ist mir schwergefallen, das ist ja kein Geheimnis."

seinen Umzug von Berlin vor zwei Monaten in seine Heimatstadt Lörrach:

"Alles, was mir seit dem Beginn meiner Karriere gefehlt hat, sind doch Wurzeln. Für die anderen war ich ein Star - aber ich habe mich gefühlt wie eine Glühbirne, die einsam von der Decke hängt. Nackt."

seine Zukunft.

"Vielleicht mache ich eine Fußballschule auf, hier in der Nähe. Einen Ort für Kinder und Jugendliche, die Spaß haben an diesem Sport.

Diese Schule würde ich zu meinen Bedingungen führen, ohne Drill und ohne den Anspruch, kleine Helden hervorzubringen.

Ich will endlich eine schöne Geschichte vom Fußball erzählen."

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