vergrößernverkleinern
Sebastian Deisler (l.) und Dieter Hoeneß arbeiteten drei Jahre zusammen bei Hertha BSC © imago

Herthas Ex-Manager widerspricht den massiven Vorwürfen des Ex-Nationalspielers: "Die Wahrheit muss die Wahrheit bleiben."

München - Dieter Hoeneß hat sich gegen die schweren Vorwürfe von Sebastian Deisler gewehrt und den ehemaligen Nationalspieler der Lüge bezichtigt.

"Es stimmt nicht, dass ich von ihm eine Entschuldigung gefordert habe. Das ist falsch", sagte der frühere Manager von Hertha BSC der "Bild".

"Diese Aussage enttäuscht mich. Das als seinen Genickschuss zu bezeichnen, geht entschieden zu weit."

Und weiter: "Bei allem Respekt vor dem Schicksal von Sebastian, die Wahrheit muss die Wahrheit bleiben."

Morddrohungen wegen Wechsel zu Bayern

Deisler, der vor knapp drei Jahren nach Verletzungen und Depressionen seine Profikarriere beendete und am 8. Oktober seine Biographie "Zurück ins Leben" auf den Markt bringt, hatte in der "Zeit" schwere Vorwürfe erhoben.

Nach Bekanntwerden seines bevorstehenden Wechsels von Berlin zu Bayern München 2002 habe er unter anderem Morddrohungen erhalten, doch Hoeneß habe ihm in dieser Zeit nicht zur Seite gestanden.

"Stattdessen hat er zugesehen, wie ich aus Berlin hinausgeprügelt wurde. Und der Verein forderte eine Entschuldigung von mir. Dafür, dass ich die Fans nicht früher informiert hätte", erklärte der 29-Jährige.

"Das war mein Genickschuss"

"Das ist es, was mir den Fußball versaut hat. Das war mein Genickschuss. Heute weiß ich, dass ich damals hätte aufhören müssen."

Dabei sei die Geheimhaltung der Wunsch von Hoeneß gewesen, so Deisler weiter.

Dem widerspricht der Ex-Manager. Der Entschluss sei übereinstimmend mit dem Mittelfeldspieler getroffen worden, auch weil der Klub hoffte, den Mittelfeldspieler noch umstimmen zu können.

"Wenn wir gewusst hätten, dass bereits Geld geflossen ist, hätten wir vielleicht anders reagiert", sagte Hoeneß und meinte:

"Sebastian darf Hertha nicht dafür verantwortlich machen, dass die Sache mit dem 20-Millionen-Mark-Scheck öffentlich wurde. Es war sein Fehler, den Scheck einfach so einzureichen."

Wenig positives Urteil über Hertha BSC

Deisler hatte auch über die Berliner ein wenig positives Urteil gefällt. "Hertha BSC, das muss ich ehrlich sagen, war als Verein so unfertig wie ich als Spieler", sagte er.

"Die waren froh, mich ins Schaufenster stellen zu können. Ich bin unglücklich geworden, als ich versucht habe, andere glücklich zu machen. Ich fühlte mich wie ein trauriger Clown."

Der einstige Star war 1999 von Borussia Mönchengladbach in die Hauptstadt und von dort drei Jahre später zum FC Bayern gewechselt.

Nach mehreren schweren Verletzungen, die ihn unter anderem die Weltmeisterschaften 2002 und 2006 kosteten, und schweren Depressionen beendete er mit nur 27 Jahren im Januar 2007 seine Karriere.

Magaths System der Angst

Auch die letzte Zeit als Profi in München unter Felix Magath ist ihm in wenig guter Erinnerung:

"Mein Eindruck war, dass Magaths Philosophie damals auf Angst gründete, nicht auf Macht. Er misstraute den Spielern. Er schürte Angst, damit sie sich den Arsch aufrissen. Das habe ich aber sowieso gemacht."

Der Spaß am Fußball sei ihm aber spätestens nach seiner Depressionserkrankung vergangen, auch weil er von einigen Bayern-Teamkollegen förmlich gemobbt wurde.

"Ich bin nie mehr Teil des Ganzen geworden, ich war so weit weg von der Mannschaft", berichtetet der gbeürtige Lörracher, der kürzlich in seine Heimatstadt zurückgekehrt ist.

"Einige haben mich hinter vorgehaltener Hand 'die Deislerin' genannt. Die konnten mich nicht mehr ertragen."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel