vergrößernverkleinern
MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Hertha BSC Berlin ist Friedhelm Funkels sechste Trainerstation © getty

Mit Hertha BSC Berlin hat Friedhelm Funkel eine schwierige Mission übernommen. Doch der Trainer weiß, was es heißt zu kämpfen.

Von Nils Reschke

Das Kämpferherz scheint dem gebürtigen Neusser mit in die Wiege gelegt worden zu sein. Wie anders ist es zu erklären, dass Friedhelm Funkel, der als Spieler lediglich ein Mal den DFB-Pokal gewann, immer noch im Geschäft ist.

Als Trainer ist der 56-Jährige nämlich meist nur ein "Keller-Kind? gewesen. Sein Leben scheint er dem Abstiegskampf gewidmet zu haben.

Ist der Hamburger SV der "Dino?, dann ist Funkel "Grisu? der Bundesliga. Jener kleiner Zeichentrick-Drache, der nur einen Traum hatte: "Ich werde Feuerwehrmann!"

Aufgeschlagene Knie, kaputte Hosen

Der kleine Friedhelm war schon früh hart im Nehmen. Damals, auf den Straßen von Neuss in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, habe er sich beim Bolzen regelmäßig die Knie aufgeschlagen.

"Die Hosen waren ständig kaputt?, erzählt Funkel heute. Als dann am Heiligen Abend ein echter Lederball unterm Weihnachtsbaum lag, bekam er leuchtende Augen.

Sein Weg zum Profifußball war vorgezeichnet: "Dem Fußball habe ich alles zu verdanken.? Heute haben einige Vereine ihm vieles zu verdanken. Wer im Abstiegskampf steckt, setzt auf einen Funkel Hoffnung.(Mehr Kämpferherz-Texte auf kämpferherz.de)

Das Wunder von der Grotenburg

Und der Fußball-Fan hat Friedhelm, seinem Bruder Wolfgang Funkel sowie dem Team von Bayer Uerdingen jenes ?Wunder von der Grotenburg? zu verdanken, dass sich am 19. März 1986 abspielte.

Ein Jahr zuvor hatte Funkel mit der Werkself überraschend die Bayern aus München im DFB-Pokal geschlagen. Jetzt wartete Dynamo Dresden im Europapokal der Pokalsieger. Doch die Ostdeutschen lagen zur Pause bereits mit 3:1 in Front, nachdem sie auch das Hinspiel bereits 2:0 gewonnen hatten.

Dann begannen die Krefelder ihre legendäre Aufholjagd und erreichten durch dieses triumphale 7:3 das Halbfinale. Uerdingens größte Erfolg in der Vereinsgeschichte.

Die Liebe Uerdingen

Von solchen Ereignissen durfte Friedhelm Funkel aber nur noch träumen, als er 1990 seine Karriere bei Uerdingen mit dem bis heute noch gültigen Vereinsrekord von 254 Spiele und 59 Tore beendete. Fortan wurde der Trainerjob seine Passion.

Schon 1991/92 übernahm er das Amt des Übungsleiters bei seiner "Liebe? Uerdingen. Zwei Mal stieg er mit dem Team ab, zwei Mal rackerte der akribische Arbeiter Funkel für den direkten Wiederaufstieg. Erst, als Bayer 1996 erneut den Gang in die Zweitklassigkeit antreten musste, schmiss Friedhelm Funkel das Handtuch.

Er heuerte stattdessen bei den "Zebras? in Duisburg an und galoppierte mit ihnen direkt in die Bundesliga. Mit dem MSV kehrte er 1998 sogar ins Berliner Olympiastadion zurück ? verlor das Pokal-Endspiel mit Duisburg aber 1:2 gegen Bayern München.

Endstation Endspiel

Der Kampf um den Klassenerhalt sollte stets seine Mission bleiben. Erst rettete der Kämpfer Funkel Hansa Rostock in souveräner Manier.

Mit dem 1. FC Köln, seiner nächsten Station, gelang dies zwar nicht, obwohl kein Heimspiel mehr verloren wurde. Doch die Rheinländer führte er anschließend ? wie damals schon Bayer ? direkt zurück in die Belle Etage des deutschen Fußballs. Und im Sommer 2004 erinnerte man sich in Hessen an seine Trainerleistungen.

Ein Jahr später war die Eintracht aus Frankfurt dank Funkel wieder erstklassig und stand sogar im DFB-Pokal-Endspiel. Doch wieder spuckten die Bayern bei ihrem 1:0-Sieg dem Neusser Trainer in die Suppe. Trotzdem etablierte er die Hessen in der Bundesliga, bevor er selbst vor dem Saisonfinale 2008/09 seinen Rücktritt erklärte.

Gänsehaut-Faktor

"Ich bekomme immer noch eine Gänsehaut, wenn ich ins Stadion reinlaufe, wenn ich die Atmosphäre spüre und die Choreographie unserer Fans sehe. Dann denke ich immer wieder: Mein Gott, habe ich ein Glück, einen solchen Beruf auszuüben zu dürfen?, sagt Friedhelm Funkel heute.

Nachdem es als Trainer zwei Mal beim Pokalendspiel leer ausging, soll er nun die Hertha vor dem Abgrund retten. Ein Horror-Szenario, mag man meinen. Doch Friedhelm Funkel kennt Aufgeben nicht. Solange es ihm noch Spaß mache und er gesund bleibe: "Auf dem Mofa will ich beim Waldlauf mit den Spielern jedenfalls niemals hinterherfahren.?

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel