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Philipp Lahm (M.) spielt seit Februar 2004 für die deutsche Nationalelf © getty

Nach seiner Fundamentalkritik erklärt Phlipp Lahm die Diskussionen für beendet. Eine Spitze gegen Hoeneß erlaubt er sich noch.

Aus Herzogenaurach berichtet Martin Volkmar

Herzogenaurach - Fußball-Deutschland diskutiert über Philipp Lahm, nur der Nationalspieler selber macht nicht mehr mit.

"Das spielt keine Rolle mehr, das Ganze ist seit Montag abgehakt", sagte der Verteidiger zur anhaltenden Debatte über seine Vorwürfe an die Bayern-Spitze.

Trotz zahlreicher Nachfragen wollte sich Lahm bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nicht mehr zum Streit mit seinem Klub äußern: "Jetzt stehen andere Dinge im Vordergrund."

Verein und Profi haben sich offenbar nach der rund zweistündigen Aussprache am Montag entschieden, die von Lahm angesprochenen Defizite beim Rekordmeister nicht mehr zu thematisieren.

Auch die Führung der deutschen Nationalmannschaft wollte sich bei der Vorstellung des WM-Trikots bei adidas in Herzogenaurach nicht konkret äußern.

Rückendeckung aus der Nationalmannschaft

Zwischen den Zeilen wurde aber Rückendeckung für Lahms Interview vom Wochenende deutlich.

"Die Art und Weise war nicht ganz gelungen, aber auf der anderen Seite wollte er damit etwas bewegen", zeigte Teammanager Oliver Bierhoff Verständnis.

"Das wird ihn weiter reifen lassen Philipp ist auf dem Weg eine Führungsperson zu werden."

Hohes Lob von Löw

Noch weiter ging Joachim Löw. "Philipp Lahm ist nicht nur auf dem Weg zum Führungsspieler, er ist ein Führungsspieler", erklärte der Bundestrainer.

Über die Details wolle er sich mit dem 25-Jährigen in den kommenden Tagen noch einmal unterhalten, ansonsten "gibt von meiner Seite nichts dazu zu sagen", so Löw.

"Die Geschichte ist voll aufgearbeitet und das ist eine vereinsinterne Sache, die nicht an die Öffentlichkeit gehört."

So sah es auch Michael Ballack. "Das betrifft Philipp und den FC Bayern, von daher überlasse ich die Bewertung anderen", meinte der Kapitän.

Auch Ballack pro Lahm

Gleichzeitig zeigte aber auch der ehemalige Bayern-Profi, dass Lahm für ihn mittlerweile auch außerhalb des Platzes zu den absoluten Eckpfeilern im deutschen Fußball zählt.

"Er ist erfahren genug, mit der Situation umzugehen. Wenn es fruchtet und Sinn dahinter erkennbar ist?.", sagte Ballack.

"Er wird jetzt ein bisschen Gegenwind bekommen. Den wird er aushalten und dann geht es weiter."

Immerhin eine kleine Replik gegen seinen Klub kam doch noch von Lahm. Ihm sei es egal, ob er rechts oder links in der Viererkette spielte, erklärte der Münchner:

"Habe rechts und links sehr gutes Niveau"

"Ich habe auf beiden Seiten ein sehr gutes Niveau. Das hat man auch in den vergangenen Wochen gesehen."

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Dies hatte Manager Uli Hoeneß bekanntlich vehement in Abrede gestellt mit der Behauptung: "Die Meinung, dass er ein guter Rechtsverteidiger ist, hat Philipp exklusiv."

Zur eigentlichen Kritik Lahms an der verfehlten Einkaufspolitik und der fehlenden Spielphilosophie des FC Bayern, die ihm angeblich eine Rekordstrafe von 30.000 Euro eingebracht hat, hat Hoeneß ebenfalls eine klare Meinung.

Klare Worte von Hoeneß

"Wenn ich einen Trainer wie Felix Magath verpflichte und sage, aber ich nehme dich nur, wenn du 4-3-3 spielst, wenn du 4-4-2 spielst, dann kannst du nicht zu uns kommen - das ist ja geradezu lächerlich", sagte Hoeneß im Interview mit der der "Welt":

"Franz Beckenbauer hat was Gutes gesagt. Unsere Fußballer müssen zwei, drei Systeme spielen können. In Barcelona spielst du anders als zu Hause gegen Bochum."

Rummenigge will nur noch intern diskutieren

Karl-Heinz Rummenigge möchte das Thema am liebsten begraben wissen. "Ich möchte eigentlich zu den Inhalten gar nichts sagen. Das sind interne Dinge, die ich nicht öffentlich kommentieren möchte", sagte der Vorstandsboss der "tz".

"Das wird exklusiv intern besprochen. Es ist wichtig, dass Philipp Lahm und der FC Bayern ein sauberes, seriöses Verhältnis haben."

Daran scheint nun auch wieder Lahm gelegen zu sein, weshalb er lediglich über die anstehenden Länderspiele gegen Chile am Samstag (ab 20 Uhr LIVE) in Köln und die Elfenbeinküste am Mittwoch darauf in Gelsenkirchen Auskunft geben wollte.

Immerhin steht auch da etwas auf dem Spiel, denn nach dem enttäuschenden letzten Auftritt gegen Finnland (1:1) könnte nach einer erneuten schwachen Leistung der DFB-Auswahl eine ähnliche Diskussion wie beim FCB drohen.

Daran erinnert auch Bierhoff. "Für uns haben beide Spiele eine große Bedeutung. Wir erwarten positive, erfrischende Spiele und wollen beide Partien erfolgreich bestreiten."

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