Die Trauer um Robert Enke zeigt, dass die Absage des Länderspiels ebenso richtig war wie die Forderungen nach einem Umdenken.

Neben der überwältigenden Trauer um Robert Enke gibt es ein weiteres Wort, das den Gemütszustand fast aller Beteiligten auf den Punkt bringt: Fassungslosigkeit.

Fassungslosigkeit über die tiefe Verzweiflung, die den Nationaltorwart in die Selbsttötung trieb.

Fassungslosigkeit aber auch darüber, dass abgesehen vom engsten Freundes- und Familienkreis niemand von der schweren Erkrankung wusste.

Weder Trainer, Führung und Teamkollegen bei Hannover 96 und der deutschen Nationalmannschaft noch langjährige journalistische Wegbegleiter und Fans.

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Auch ich habe Robert Enke seit dem ersten Treffen vor elf Jahren bei der U-21-Nationalmannschaft bis zu unserem letzten Gespräch vor wenigen Monaten immer ganz anders erlebt, als es offenbar der Wahrheit entsprach:

Souverän, locker, bodenständig, konzentriert und hochprofessionell. Einer, der im schnelllebigen Profi-Fußball mit beiden Füßen fest auf dem Boden stand.

So ging es auch denen, die mit ihm täglich Kontakt hatten. Umso verständlicher ist nun die abgrundtiefe Bestürzung.

Deshalb war es völlig richtig, dass Länderspiel gegen Chile abzusagen, denn Fußball ist im Moment absolut zweitrangig.

Und es ist auch richtig, über Konsequenzen nachzudenken. Denn Robert Enke hat am Ende sogar den Tod dem offenen Umgang mit seiner Krankheit vorgezogen.

Im Profi-Geschäft ist offenkundig nach wie vor kein Platz für solche und andere Probleme, die in der Gesellschaft längst akzeptiert werden.

Daher sind die Forderungen von DFB und DFL nur zu begrüßen, dass auch im angeblich so harten Männersport Fußball endlich ein Umdenken stattfinden muss.

Zweifel an einem raschen Bewusstseinswandel sind allerdings angebracht.

Das zeigt schon die Tatsache, dass die traurige Geschichte des ebenfalls an Depressionen erkrankten Sebastian Deisler bis Montagabend fast vergessen war.

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