vergrößernverkleinern
Viele Fans wollen dem Torhüter am Sonntag die letzte Ehre erweisen © getty

Die Trauerfeier zählt zu den größten in der deutschen Geschichte. Enkes Sarg wird aufgebahrt, Babbel fehlt aus persönlichen Gründen.

Hannover - Letzte Ehre für Robert Enke: In einer der größten Trauerfeiern in der Geschichte der Bundesrepublik nimmt Fußball-Deutschland am Sonntag (ab 11 Uhr im ) im WM-Stadion von Hannover Abschied vom Nationaltorhüter, der am Dienstag Selbstmord begangen hatte.

Mehr als 50.000 Menschen werden zum Trauergottesdienst erwartet, die komplette Nationalmannschaft samt Trainerstab sowie Delegationen der Bundesligavereine haben sich angesagt.

Auch zahlreiche Kollegen und ehemalige Wegbegleiter Enkes werden an der Trauerfeier (11 Uhr) teilnehmen.

So haben auch zwei bekennende 96-Fans, Tennisprofi Nicolas Kiefer und Comedian Oliver Pocher, ihr Kommen angekündigt.

Dabei wird der Sarg mit Enkes sterblichen Überresten auf dem Rasen im Mittelkreis der Arena aufgebahrt.

Auch auf zwei Großleinwänden

Wie Enkes Klub Hannover 96 mitteilte, liegen zudem Anmeldungen von Vertretern des FC Barcelona und von Benfica Lissabon vor, für die der Torwart in seiner Karriere aktiv war.

"Die Dimension der Anteilnahme ist überwältigend - nicht nur in Hannover, sondern in ganz Deutschland und sogar im Ausland", sagt 96-Klubpräsident Martin Kind.

Weil aus Sicherheitsgründen nur 45.000 der 49.000 Plätze im Stadion freigegeben werden, sollen der Gottesdienst und die Trauerreden zusätzlich auf zwei Großleinwänden vor der Arena übertragen werden.

Schon 35.000 bei Trauermarsch

Dort erwarten die Organisatoren nochmals mehrere Tausend Menschen. "Man sieht, wievielen Menschen Robert Enke etwas bedeutet hat und was für eine tolle Persönlichkeit er war", sagt Kind.

Bereits am Mittwochabend waren rund 35.000 Menschen in einem Trauermarsch von der Stadtmitte zum Stadion gezogen.

Babbel nicht dabei

Nicht dabei sein wird bei der Trauerfeier Markus Babbel.

Der Trainer des VfB Stuttgart, der in Hannover durch Manager Horst Heldt und Torhüter Jens Lehmann vertreten ist, hatte vor 20 Jahren seinen Bruder Gerhard ebenfalls durch Selbstmord verloren und wird am Wochenende zu seiner Mutter ins bayerische Gilching reisen, um ihr seelischen Beistand zu leisten.

Babbel: "Sie braucht mich jetzt dringender."

Am Freitag erinnerte Enkes Witwe Teresa mit einer Todesanzeige an ihren verstorbenen Ehemann. "Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht", heißt es in der Anzeige mit einem Zitat des tschechischen Schriftstellers und ehemaligen Staatspräsidenten Vaclav Havel.

Weitere Todesanzeigen

Am Samstag folgten weitere Todesanzeigen von Hannover 96, dem Deutschen Fußball-Bund, der Deutschen Nationalmannschaft und der Deutschen Fußball Liga.

"Wir trauern um einen besonderen Menschen", heißt es beim niedersächsischen Traditionsklub, in der Anzeige der Nationalmannschaft hieß es:

"Er wird noch lange anhalten, dieser Zustand der stillen Trauer."

Im engsten Familienkreis

Die Reden bei der Trauerfeier werden von Kind, Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil und DFB-Präsident Theo Zwanziger gehalten.

Die Andacht hält Pfarrer Heinrich Plochg, der der Familie Enke seit dem Tod ihrer kleinen Tochter Lara vor drei Jahren verbunden ist. Ein Streichquartett soll musikalisch für einen würdigen Rahmen sorgen.

Am Ende der Zeremonie werden sechs Hannoveraner Teamkollegen Enkes den Sarg aus der Arena tragen.

Die Beisetzung wird anschließend auf dem Friedhof in Empede, dem Wohnort der Enkes, im engsten Familienkreis stattfinden.

Beisetzung neben Tochter Lara

Dort liegt seit 2006 auch das nach einem angeborenen Herzfehler im Alter von zwei Jahren verstorbene Töchterchen der Enkes. 173493(DIASHOW: Trauer um Robert Enke)

Mit der Teilung der Trauerfeier soll sowohl den vielen Fans die Chance zum Abschied, als auch der Familie die Möglichkeit zu einer friedvollen Bestattung gegeben werden. Man wolle auf dem kleinen Friedhof Tumulten aus dem Weg gehen, erklärte 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke.

In ihrer Dimension dürfte die Trauerfeier Ausmaße annehmen, wie sie in der deutschen Nachkriegsgeschichte nur bei wenigen Anlässen erreicht wurde.

Wie bei Adenauer

Nach den Amokläufen von Erfurt (2002) und Winnenden (2009) hatten jeweils mehrere Zehntausend Menschen bei öffentlichen Veranstaltungen Anteil am Tod der Opfer genommen.

Zur Prozession vor der Beisetzung des ersten deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer im April 1967 waren entlang des Rheins sogar etwa 300.000 Menschen erschienen.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel