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Der Tod Robert Enkes löste bundesweit Bestürzung aus © imago

In der AWD-Arena verabschieden sich Fans und Kollegen auf bewegende Weise von Robert Enke. Redner erinnern an den Torwart.

Von Thorsten Mesch

München/Hannover - Trauer ist eine ganz persönliche Sache. Jeder muss für sich fühlen, für sich entscheiden, wie er mit ihr umgeht. (KOMMENTAR: Sind wir Enke?)

Teresa Enke wählte den Weg in die Öffentlichkeit, als sie am Tag nach dem Selbstmord ihres Mannes Robert auf einer Pressekonferenz über seine Depressionen berichtete.

Öffentlich war auch die Trauerfeier für den verstorbenen Torwart von Hannover 96 und der deutschen Nationalmannschaft.

In dem Stadion, wo Robert Enke am vergangenen Wochenende noch nach seinem Comeback im Tor gestanden hatte, versammelten sich am Sonntag rund 35.000 Menschen um Abschied zu nehmen. 174538(Bilder der Trauerfeier)

Enorme Anteilnahme

Auch vor den Stadiontoren, in der Stadt, im ganzen Land und auch außerhalb Deutschlands war die Anteilnahme enorm.

Live-Übertragung im Fernsehen und Internet, Sonderseiten in Zeitungen ? Versuche, das Geschehene greifbar oder verstehbar zu machen.

"Wir haben viele Fragen, Antworten haben wir keine gefunden. Es ist die Ohnmacht, die uns so hilflos macht", sagte 96-Präsident Martin Kind in seiner Ansprache.

Kind, der katholische Pfarrer Heinrich Plochg, seit dem Tod von Enkes Tochter Lara in 2006 ein enger Begleiter der Familie, DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger, Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff und Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil fanden viele richtige und auch bewegende Worte.

Die Menschen im Stadion reagierten mit spontanem Beifall und auch stehenden Ovationen.

Teamkollegen legen Kränze nieder

Bereits vor der Übertragung im Fernsehen hatten Robert Enkes Teamkollegen Kränze niedergelegt, dann eröffneten eine kurze Rede von Pfarrer Plochg und ein Streichquartett die Zeremonie.

Martin Kind schloss seine Ansprache mit den Worten: "In unserem Herzen wirst Du immer weiterleben."

Respekt gebührt auch der 17-Jährigen, die das Vereinslied "96, alte Liebe" sang. "Niemals allein, wir gehen Hand in Hand. Wir sind immer bei Dir, 96, HSV."

DFB-Präsident Zwanziger dankte "Frau Enke, für das, was Sie glaubten, für Ihren Mann, und auch für uns, tun zu können" und den vielen Fans.

Fußball ist nicht alles

"Die Zeit wird vergehen, das Leben wird wieder seinen Anfang nehmen", sagte Zwanziger und betonte: "Fußball ist nicht alles. Fußball darf nicht alles sein."

Man dürfe sich im Sport anstrengen "aber nicht um jeden Preis. Maß, Balance, Werte wie Fairplay und Respekt sind gefragt - in allen Bereichen."

Für seine Forderung nach einem "Stück mehr Menschlichkeit und Zivilcourage" bekam Zwanziger stehende Ovationen von den Menschen auf den Rängen, zu denen neben Angehörigen, Mitspielern, der gesamten Nationalmannschaft und Fans auch zahlreiche Promiente wie Ex-Kanzler Gerhard Schröder gehörten.

"Unsere Gedanken sind auch bei den Zugführern des Regionalzuges, der Robert Enke erfasst hat", sagte Ministerpräsident Wulff, der Teresa Enke sein Beileid aussprach.

"Das, was Sie erlitten haben, können wir nur erahnen. Sie haben uns geholfen zu verstehen, und dafür möchte ich Ihnen danken und meine Hochachtung aussprechen."

Wulff lobt Engagement Enkes

Robert Enke habe "sich nie nur um sich gekümmert, sondern sich engagiert, wie in der Herzforschung oder im Tierschutz. Auch im Fußball hätte er, wenn er nicht hier gespielt hätte, mitten unter den Fans gestanden, mit ihnen gefeiert und mit ihnen gelitten", fuhr Wulff fort.

"Wie groß, wie hoch mach der Druck gewesen sein, den Erwartungen der Öffentlichkeit, also unseren Erwartungen, nicht genügen zu können?", fragte der Politiker und betonte: "Wir brauchen doch keine fehlerfreien Roboter. Wir brauchen Menschen mit Ecken und Kanten und mit allen ihren Schwächen und ihren wunderbaren Eigenschaften."

Auch Oberbürgermeister Weil würdigte, nicht nur den Sportler, sondern den Menschen Robert Enke.

"Robert Enke war souverän, nicht nur in der Strafraumbeherrschung, sondern auch im Umgang mit Menschen", sagte Weil. "Seine Offenheit und sein Engagement haben uns viel stärker mit ihm verbunden als seine Glanzparaden."

Lehren aus dem Tod ziehen

Dass Robert Enke "nicht nur mit der eigenen Angst kämpfen musste, sondern obendrein Angst vor der Öffentlichkeit haben musste, das tut besonders weh", meinte der Bürgermeister. "Wir können Lehren ziehen aus dem Tod Robert Enkes, aber das macht diesen Tod nicht besser."

Nach einer letzten Ansprache und einem gemeinsamen Vaterunser bat Pfarrer Plochg die Mannschaftskollegen von Hannover 96 ihren Kapitän, ein letztes Mal aus diesem Stadion zu begleiten.

Unter Tränen trugen sechs Mitspieler den Sarg zum dem Lied "The Rose" von LeAnn Rimes aus dem Stadion.

Während die Menschen in der Arena zu "You?ll never walk alone" Abschied von Robert Enke nahmen, konnten sie über die Videowand sehen, wie der Leichenwagen mit seinen sterblichen Überresten davonfuhr.

Beerdigung im Familienkreis

Anschließend wurde Enke auf dem Empeder Friedhof, wo seit 2006 auch seine verstorbene Tochter begraben liegt, am Nachmittag im engsten Familienkreis bestattet.

Damit die Beerdigung in einem würdigen Rahmen stattfinden konnte und die Fans die Möglichkeit zum Abschied erhalten konnten, hatte Teresa Enke für eine große Trauerfeier in der Arena plädiert.

"You?ll never walk alone, du wirst nie allein gehen." Teresa Enke wollte ihre Trauer teilen. Darum hat sie diesem Weg gewählt und darum waren die Menschen gekommen.

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