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Hanno Balitsch (r.) spielte seit 2005 mit Robert Enke bei Hannover 96 © imago

Der Mitspieler des 96-Keepers berichtet von Enkes Erkrankung. An Veränderungen in der Leistungsgesellschaft glaubt er nicht.

Von Mathias Frohnapfel

München - Als stark und unangreifbar wollte Robert Enke bei Hannover gelten.

Und doch hat der Torhüter, der vor einer Woche Selbstmord beging, sich auch im Team der 96er Menschen anvertraut.

"Es gab Leute im Team, die von Roberts Problemen wussten, das waren ich und unsere beiden Physiotherapeuten", berichtete jetzt Mitspieler Hanno Balitsch.

"Wir haben versucht, ihm eine Stütze zu sein, ohne sein Vertrauen zu missbrauchen."

Vor zwei Monaten hat Enke Balitsch von seiner Erkrankung berichtet, kurz bevor er wegen seiner Virus-Erkrankung mehrere Wochen pausieren musste.

"Robert war nicht alleine im Team, aber zuletzt hat er sich immer mehr zurückgezogen", sagte Balitsch.

Der Mittelfeld-Spieler ist noch immer geschockt von Enkes Selbsttötung, am Sonntag gehörte er zu den 96-Profis, die den Sarg aus dem Stadion trugen 174538(Bilder der Trauerfeier).

"Es geht um Leistung"

Doch trotz aller Trauer glaubt Balitsch nicht, dass nach dem Tod des Nationalkeepers der Leistungsdruck auf die Profis abnehme.

"Ich bin da sehr skeptisch. Es geht im Geschäft Bundesliga und auch in anderen Bereichen des Lebens und der Wirtschaft darum, Leistung abzurufen."

Fehler einzugestehen, gehöre deshalb nicht mit zum Karriereplan. "Ich sehe da keinen Ausweg."

Derweil bemühen sich die Hannoveraner bestmöglich wieder zum Alltag zurückzukehren.

Training mit leichter Laufeinheit

Das Training bei 96 am Montag begann mit einer leichten Laufeinheit, anschließend wurde etwas gekickt.

Die Übungen erinnerten mehr an eine Bewegungstherapie - und genau das waren sie ja auch.

"Es tut gut, sich zu bewegen, sich müde zu spielen und den Kopf müde zu spielen", sagte Hannovers Sportdirektor Jörg Schmadtke.

Auch das Bundesliga-Spiel gegen Schalke soll wie geplant stattfinden.

Bruggink als neuer Kapitän

Dabei wird Arnold Bruggink das Team als neuer Kapitän aufs Feld führen. Zuvor war Enke Mannschaftskapitän in Hannover.

"Als Team müssen wir weiter machen, das ist unser Job, den wir gerne machen. Wir lachen auch wieder zusammen und das ist gut so", sagte Bruggink.

Aus Brugginks Sicht ist die Mannschaft in den vergangenen Tagen zusammengerückt, die Spieler hätten einander in den schweren Momenten gestützt.

Der Verlust des Teamkameraden sei weiter überall zu spüren. Bruggink nannte Beispiele: "Wenn wir in den Bus steigen und Roberts Platz leer bleibt, wenn wir ins Stadion gehen. Das wird schwer."

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