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Die deutsche Nationalmannschaft nahm am Sonntag Abschied von Robert Enke © imago

Nach dem verstorbenen Nationaltorwart soll zudem eine Stiftung benannt werden. Hannover 96 spielt Samstag mit speziellen Trikots.

Gelsenkirchen - Die deutsche Nationalmannschaft hat ihre Trauer um Nationalkeeper Robert Enke in einem Abschiedsbrief zum Ausdruck gebracht.

"Dein Tod ist für uns immer noch allgegenwärtig. Er hat uns alle sprachlos gemacht, fassungslos, hilflos. Wir waren wie gelähmt, als wir die unerträgliche Nachricht bekommen haben", heißt es in dem von der kompletten Nationalmannschaft unterzeichneten Schreiben. 174538(Bilder der Trauerfeier).

"Wir waren nicht in der Lage, unsere Trauer in Worte zu fassen. Wir waren nicht in der Lage, ein paar Tage später Fußball zu spielen. Wir konnten nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen."

Wie zuvor auch DFB-Präsident Theo Zwanziger stellten die Nationalspieler nach dem Selbstmord von Enke am Dienstag vor einer Woche in dem Brief immer wieder die Frage nach dem Warum.

"Wir haben zusammen geschwiegen, zusammen geweint und zusammen nach Antworten gesucht, aber eigentlich immer nur neue Fragen gefunden. Quälende Fragen nach dem Warum. Warum konnten wir Dir nicht helfen?

Warum konntest und wolltest Du uns nicht von Deinen Problemen erzählen? Warum ist es in unserem Leistungssport, in unserer Leistungsgesellschaft nicht möglich, Angst und Krankheit auszusprechen?"

Kampf gegen Vorurteile

Noch immer unbegreiflich scheint für die DFB-Auswahl, dass Enke oftmals das Gefühl gehabt haben muss, vielmehr verlieren zu können als ein Fußballspiel.

"Dein Tod ist so trostlos. Aber wir werden alles dafür tun, in Deinem Sinn weiterzumachen, guten Fußball zu spielen, erfolgreich zu sein. Und uns dafür einzusetzen, dass Vorurteile und Stigmatisierungen im Fußball keinen Platz haben. Wir sind ein Team. Und Du wirst immer ein Teil dieses Teams bleiben."

Der DFB plant plant zudem offenbar die Gründung einer Robert-Enke-Stiftung.

Enke-Stiftung soll Krankheit präsent halten

In Zusammenarbeit mit einer bereits existierenden Institution, die sich mit Forschung und Therapie im Bereich von Depressionserkrankungen beschäftigt, soll mit Hilfe der Stiftung in der Öffentlichkeit ein größeres Bewusstsein geschaffen werden.

DFB-Präsident Theo Zwanziger erklärte in der "Sport Bild", dass es nicht unklug sei, die Initiative mit dem Namen einer bekannten Person zu verbinden. Voraussetzung sei aber das Einverständnis von Enkes Familie, vor allem das seiner Ehefrau Teresa.

Ob es ein Abschiedsspiel für Enke geben wird, in dem die Nationalmannschaft gegen Hannover 96 antritt, ist noch ungewiss. Als mögliche Spieltermine sind der 11. und 12. Januar im Gespräch. Beide Tage sind derzeit für Marketingtermine der DFB-Auswahl reserviert.

Kanzlerin plädiert für Offenheit

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat unterdessen für einen offeneren Umgang mit Depressionen plädiert. "Wenn man krank ist oder etwas nicht kann, sollte man es ruhig sagen", sagte Merkel der Wochenzeitung "Die Zeit".

Der Selbstmord des Torwarts, habe deshalb so viele Menschen berührt, "weil sich an einem berühmten Beispiel etwas zeigt, wovor viele Angst haben und was viel öfter passiert, als wir es uns vor Augen führen. Da machen wir uns in der Gesellschaft etwas vor", sagte Merkel.

Krankheit auch in der Politik ein Tabu

Die Bundeskanzlerin offenbarte zudem, dass auch in der Politik Erkrankungen wie Depressionen tabuisiert werden.

"Die Politik ist immer ein Spiegel der Gesellschaft - einer Gesellschaft, in der über psychische Erkrankungen generell nicht offen gesprochen wird. Aber auch in der Wirtschaft nicht, gerade dort also, wo Menschen sehr hohem Stress ausgesetzt sind", erklärte Merkel.

Sondertrikot von Hannover 96

Zum Gedenken an ihren verstorbenen Kapitän werden die Profis von Hannover 96 im Punktspiel bei Schalke 04 am kommenden Samstag mit einem speziellen Trikot auflaufen. Im Brustbereich prangt auf jedem Hemd eine kleine, schwarzumrundete "1".

Enke trug diese Ziffer als Rückennummer. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat die Sondertrikots bereits genehmigt.

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